In den vergangenen Wochen war ich nach langer Abstinenz wieder öfters im Kino. Bei der Hitze eine gute Idee, denn die meisten Kinos sind ja ziemlich gut klimatisiert. Aber ich war nicht nur im Kino bei mir in der Stadt, sondern auch in einigen anderen Kinos mit interessanten Features. Jedes mit einem kleinen speziellen Feature.

 

IMAX

Hinter den Kulissen Hollywoods gibt seit ca. 15-20 Jahren einen interessanten Streit um die Zukunft der Kamera-Technologie. Es gab (bzw. gibt) eine große Anzahl von Regisseuren und Produzenten, die gerne eine ausgereifte Technologie verwenden wollen, die seit über 100 Jahren perfektioniert wurde: Den normalen fotografischen Film. Viele Regisseure wie zum Beispiel Christopher Nolan oder Quentin Tarantino lieben die alte Filmtechnologie, da man auf dem Film natürliche Effekte wie Körnung sehen kann. Es ist immer noch ein magischer Prozess für viele Filmemacher, wenn dem Kameramann vertraut wird, ob die Szene gut ausgeleuchtet war und erst 24 Stunden nach der Entwicklung des Films das fertige Endprodukt zu sehen ist. Und der Kameramann mit seiner Arbeit Recht hatte, denn selbst er kann nicht beim Drehen direkt sehen, wie das gefilmte Material aussieht. Das ist aber beim digitalen Film anders. Vorreiter dieser Technologie sind unter anderem Regisseure wie George Lucas oder James Cameron, die die Technologie nutzen wollen, sondern an der Entwicklung mitarbeiten und vorantreiben. Heutzutage sind digitale Filmkameras halbe Computer von Red, Arri oder Sony, die dann auch immer grössere Auflösungen ermöglichen. Die Red Weapon Monstro zum Beispiel kann ein 8K Bild mit 60fps und HDR aufzeichnen, derzeit mit eine der grössten Auflösungen, die sich auf dem Markt befindet. Und der Drehalltag sieht etwas anders aus bei digitalen Produktionen: War eine Szene bei einer Filmproduktion mit Film höchstens 10 Minuten lang, bis die Filmrolle gewechselt werden musste, so ist der begrenzende Faktor nur die Größe der eingesteckten Flash-Karte. Damit ändert sich vor allem auch für die Schauspieler der Drehalltag, denn kleine Pausen wegen dem Rollenwechsel sind nun nicht mehr gegeben. Außerdem wird der Film in einem Roh-Format gespeichert, der erst in der Post-Produktion verändert wird. So kann man im Nachhinein noch an der Farbigkeit drehen und das Bild noch weiter filtern und verfeinern. Fehler beim Drehen werden sofort entdeckt, da man die Kamera auch sofort an ein Display anschließen kann, was bekanntlich bei einer analogen Film-Kamera nicht so einfach geht. Dementsprechend war die Entwicklung der digitalen Kameras mit ein erster Schritt in Richtung der 3D-Kino-Sparte, die zwar ein paar Jahre gut gelaufen ist, aber mittlerweile immer stärker verschwindet. Wer mehr zum Thema Analog- vs. Digitalkameras sehen will, dem empfehle ich die Dokumentation Side by Side von Keanu Reeves. 

Das AMC IMAX in San Francisco

Waren bis vor ein paar Jahren noch dutzende Filme mit 3D Rigs gedreht worden, in denen richtiges dreidimensionales Material mit zwei parallel drehenden Kameras produziert wurde, sind heutzutage die meisten Filme nur noch nach einer Post-Produktion 3D-fähig. Außerdem sind immer weniger verkaufte Fernseher 3D-fähig. Im Home-Bereich stirbt 3D also immer mehr aus. Dafür steigt aber der Wunsch nach 4K-Filmen, und damit kommen wir auch wieder zurück zu IMAX. Normale Filme verwenden 35mm Filmmaterial, während der klassische IMAX-Film 65mm oder 70mm groß ist. Und den Unterschied sieht man deutlich. Die Anfangssequenz von The Dark Knight in einem IMAX-Kino ist überwältigend von der Bildqualität her. Denn kurz nach der Szene springt das Bild von einem riesigen 1,43:1 Format wieder zurück zu einem  2,35:1 Format: Schwarze Balken oben und unten werden sichtbar. Und man freut sich wieder darauf, wenn das Bild zurückspringt für die nächste Szene im IMAX-Format, denn die Bildqualität ist kristallklar, man sieht wirklich jede Falte, jede Explosion, jedes Detail riesengroß vor sich auf einer riesigen Leinwand von fast 500qm (im Berliner IMAX-Saal zum Beispiel). In Hollywood-Produktionen war die Verwendung von IMAX-Material relativ stiefmütterlich behandelt worden. Viele Filme hatten diese eine spezielle IMAX-Szene, die dann Fans ins Kino locken sollte. Dabei hat insbesondere Christopher Nolan das Format gepusht, da er die riesigen, klobigen Kameras auch für Actionsequenzen verwendet hatte, davor sind IMAX-Kameras eher für Landschaftsaufnahmen und Dokumentationen verwendet worden. Insgesamt 28 Minuten Filmmaterial sind für The Dark Knight in dem großen Format entstanden, bei The Dark Knight Rises waren es dann schon sogar 72 Minuten. Avengers: Infinity War war 2018 dann auch der erste Film, der komplett mit IMAX Kameras gefilmt wurde.

 

Während IMAX im amerikanischen Raum stark etabliert ist, ist der europäische Markt vergleichsweise klein, denn in Deutschland existieren gerade mal 6 Kinos, die IMAX-fähig sind. IMAX plant aber in Zukunft zusammen mit der Filmkette amc insgesamt 25 neue IMAX-Kinos innerhalb Europas, von denen einige auch in Deutschland gebaut werden sollen. Dementsprechend ist es schwierig, in Deutschland überhaupt einen Film im IMAX-Format zu schauen. Eigentlich nur dann, wenn man lange vorher plant. Bei mir liegt das nächste IMAX ca. 80km entfernt in Karlsruhe. Als ich mit einem Kollegen Infinity War schauen wollte, war das verbunden mit einer halben Weltreise, denn die Hin- und Rückreise dauerte zusammen in etwa so lang wie der gesamte Film. Wenn aber IMAX sein Netz in Deutschland erweitern sollte, wär das schon ne coole Sache. Denn als ich 2 Monate später in die USA geflogen bin, hab ich kurz vor meiner Rückreise noch Ant-Man and the Wasp im IMAX gesehen. Auch hier ein umwerfendes Erlebnis, aber manchmal sieht das Bild so groß und aufgezogen aus (insbesondere nicht-IMAX-Material), dass es ein wenig unscharf aussieht. Wenn man aber noch das brutale Soundsystem im Hintergrund noch anschmeißt, hat man ein Kino-Erlebnis, das nur schwer schlagbar ist… doch ich habe nicht nur IMAX-Kinos gesehen…

 

Alamo Drafthouse

In den 10 Tagen, an denen ich in San Francisco war, besuchte ich ein weiteres Kino, das Alamo Drafthouse. Die Kinokette wurde im Jahr 1997 in Austin, Texas etabliert und verbreitete sich mit der Zeit in immer mehr Bundesstaaten. Dabei ist die Prämisse klar, in der Kinokette soll das „Erlebnis“ Kino zelebriert werden. Dabei werden hier nicht nur aktuelle Filme gezeigt, sondern auch Filmklassiker, Kultfilme, Indie-Filme und sonstige Events. Dabei versucht die Kette auch auf Wertevermittlung zu setzen: Handys werden kategorisch verboten und es wird direkt am Anfang der Vorführung auch schon gleich gesagt, dass man rausgeschmissen werden kann aus dem Kino, wenn man nicht sein Handy ausmacht oder wenn man zu laut mit seinem Nachbarn spricht. Und dazu gibt es auch einen recht witzigen Erklärfilm, bei dem sich eine junge Dame beschwert, die offensichtlich rausgeschmissen wurde, nachdem sie am Handy herumgespielt hat…

Minderjährige unter 18 Jahre dürfen Filme nur mit Erwachsenen anschauen, Kleinkinder müssen generell draussen bleiben, allerdings gibt es besonders ausgezeichnete Vorführungen, die für junge Familien gedacht sind. Ausserdem gibt es keine bezahlte Werbung, sondern speziell zusammengestellte Vorfilme. Das Kino selbst erinnerte mich an ein altes Theater aus den 70ern und die dort gezeigten Vorfilme erinnerten mich ein wenig an die Grindhouse-Vorfilme. Aber das was mich am meisten überrascht hatte, war das Innere. Denn hier wurde Kino zelebriert. Am Eingang gab es mehrere DVD-Sparten und Merchandising-Ecken, im hinteren Bereich eine große einladende Bar. Im Saal selbst gibt es bequeme Sessel und zwischen einem Sitzpaar ist ein kleiner Tisch angebracht mit kleinen Zettelchen und Stiften.

Eine Speisekarte im Kino

So bestellt man im Alamo Drafthouse

Ich hab mich erst gewundert, was das denn da soll. Wozu soll man in einem dunklen Raum Papier und Stift brauchen. Bis ich dann unter dem Tisch eine Restaurant-Karte fand. Und da konnte man alles bestellen, von Cocktails über Pizza, Bier, Appetizer und das obligatorische Popcorn, war alles verfügbar. Sobald man also Hunger oder Durst bekommen sollte, reicht es also aus ein Zettelchen auszufüllen, in die vordere Ablage des Tisches zu stecken und schwupps kommt dann auch ein Kino-Angestellter in schneller Duck-Haltung angerannt, der den Zettel abgreift und kurz darauf mit den bestellten Cocktails oder Burgern vorbeikommt. Gezahlt wird dabei wie bei automatischen Tankstellen: Bevor man loszapft, gibt man seine Kredit- oder Debitkarte an, dann wird ein vorgegebener Maximalbetrag festgehalten, der erst nach vollendetem Tankvorgang festgesetzt wird. Und auch hier gibt man die Kreditkarte anfangs an, und gegen Ende des Films bekommt man dann eine Rechnung, die dann nach Ende des Films abgebucht wird. In der Mitte des Films kam dann irgendwann der Kino-Angestellte von Tisch zu Tisch gekrochen in seiner geduckten Haltung und ich hab mich gefragt, „Was will der denn jetzt?“ Dann stand er vor mir, hatte einen Zettel in der Hand und machte kurz eine kleine Taschenlampe an. Auf dem Zettel stand dann eine Frage, ob alles ok sei. Ich nickte nur und gab dann den obligatorischen Daumen hoch. Klasse Service. Meine bisherigen Dates bestanden meist aus Restaurants und Kinobesuchen. Im Alamo Drafthouse geht beides gleichzeitig. Eine großartige Erfindung. Sowas will ich auch in Deutschland.

Das Alamo Drafthouse in San Francisco, New Mission

Klar, wir haben auch kleine Minibars hier in Deutschland, die sogar stellenweise im Kinosaal selbst sind, aber das ich für ne neue Ladung Popcorn direkt am Sitzplatz in der Mitte des Films bedient werde, hatte ich bislang noch nicht erlebt.

Ihr wollt bestimmt wissen, welchen Film ich mir da angeschaut hab. Nun ja, kommt leider erst in einem Monat in die deutschen Kinos: Die Unglaublichen 2. Toller Film. Aber dafür gibt es stellenweise in Deutschland andere fortschrittliche Dinge.

 

LED-Leinwand

In den vergangenen Monaten habe ich bei meinem früheren YouTube-Projekt ein Nerd-Nachrichtenmagazin gemacht, bei dem ich nicht nur über die üblichen Entertainment-Nachrichten berichtet habe, sondern auch über einige interessante Technologie-Themen. Wie zum Beispiel, dass Arri neuerdings auch eine 4K-fähige Digitalkamera herausbringt. Oder dass Samsung in Südkorea und USA Kinosäle mit LED-Leinwänden ausstattet. Wir reden hier nicht von überdimensionierten Fernsehern, sondern einem echten HDR & 4K-fähigen Riesen-Display mit dicken 10,3m x 5,4m Grösse mit einem dicken Dolby 7.1. System im Hintergrund.

Dabei soll das Display nicht nur HDR-Filme entsprechend anzeigen können, sondern auch ein möglichst „schwarzes“ Schwarz. Denn Filme werden bekanntlich auf eine Leinwand projiziert und die Leinwand mit Licht angestrahlt. Dunkles Licht wird dabei bekanntlich nicht ausgestrahlt, sondern es gibt immer eine Minimal-Helligkeit, wenn ein Objekt dunkel ist. Ein schwarzer Weltraum ist also nicht komplett schwarz. Bei einem entsprechend geeichten Display ist der Weltraum wirklich schwarz. Und nicht nur das, das Bild ist kristallklar, man sieht alle Details des 4K-Materials… wenn das Ursprungsmaterial wirklich in 4K vorliegt. Einige der Vorfilme waren in HD-Qualität aufgezeichnet wurden und mussten hochskaliert werden. Die Kompressionsartefakte waren also deutlich zu erkennen. Dafür war der Hauptfilm kristallklar. Denn den Film, den ich mir da angesehen hab, war ein Film, den ich schon mal im IMAX gesehen hatte, nämlich wieder Ant-Man and the Wasp. Wie schon oben gesagt, hatte das IMAX das Problem, dass das Bild in dieser überdimensionierten Grösse stellenweise unscharf war. Und bei einigen Projektoren habe ich auch das Gefühl, dass die Ausleuchtung von der Helligkeit nicht über das gesamte Bild gleich ist und besonders zum Rand hin abnimmt. Nicht so bei der LED-Leinwand, da ist über die gesamte Bildfläche alles gleich ausgeleuchtet und hell. Ein faszinierendes Bild also.

Doch so ein dickes LED hat auch noch eine andere Auswirkung. Ohne Projektor braucht man auch keinen Projektorraum mehr. Projektoren haben das Aussehen eines Kinos bislang immer bestimmt. Hinter jedem Filmsaal war in der oberen Ecke immer dieser kleine Raum, in dem ein Mitarbeiter einen großen Projektor bedient hat. Bis vor knapp 10 Jahren war dieser Raum in den meisten Kinos mit einem Filmprojektor ausgestattet. Große Filmrollen mussten von Filmverleihern bestellt werden und die einzelnen Rollen der Filme mussten aneinander geklebt werden, um im Kino gezeigt werden zu können. Im Film Fight Club gibt es eine Szene (Vorsicht: Link ist leicht NSFW), in der dieser Prozess gezeigt wurde und man wurde darauf hingewiesen, dass es in den Filmen immer Stellen im Film war, an dem es zum Rollenwechsel kam und dann für einen Bruchteil einer Sekunde ein Merkmal oben rechts im Film sichtbar war. In den vergangenen Jahren ist dieses Merkmal nicht mehr sichtbar gewesen in immer mehr Kinosälen, da diese nach und nach umgestellt wurden auf digitale Projektion… und damit die originale Form der Filmprojektion immer mehr verdrängten. Das oben erwähnte Alamo Drafthouse zum Beispiel hat auch hier eine strikte Politik und setzt auf klassische Filmprojektion. Bestimmt wird dies auch bei der LED Technologie der Fall sein, denn bislang gibt es diese Technologie nur in ein paar Handvoll Kinos. Weltweit. In Europa gibt es seit Anfang Juli erst eine solche Leinwand und zwar in Esslingen. Genau da, wo ich wohne.

Also bin ich an einem Samstag nachmittag in die Stadt gefahren und hab mir das neu renovierte Kino mal näher angeschaut. Man konnte zwei Arten von Sitzplätzen bestellen, wie früher in den Cinestar Kinos, die ich vor 10-20 Jahren besucht hatte. Parkett und Lounge. Und dabei war der Begriff Lounge wirklich zutreffend, denn hier gab es die vermutlich besten Kinosessel, in denen ich jemals gesessen habe. Links und rechts gab es nicht nur die üblichen Getränkehalter, sondern auch noch einen kleinen Ablagetisch (wesentlich kleiner als im Alamo, aber man kann zumindest das Popcorn da abstellen). Vor dem Sessel war dann auch noch ein kleiner Fußhocker, auf den man seine Beine hochlegen konnte. Und wenn man sich dann noch zurückgelehnt hatte, konnte man fast in einer liegenden Position den Film schauen. Wie, wenn man auf der Couch liegen würde. Nur besser klimatisiert bei diesen Temperaturen zur Zeit. Es wäre schon geil, wenn man öfters in so einem Kino Filme schauen könnte, um dann beliebige Filme auf Netflix zu schauen in einer so geilen Umgebung.

 

MoviePass

Genau dieses Prinzip war wohl auch der Grundgedanke für MoviePass vor ein paar Jahren gewesen. Netflix und Streaming-Services sind bekanntlich ja nicht nur mit die Hauptgründe für den Untergang von Videotheken, sondern machen auch Kinos schwer zu schaffen. Denn die Preise für normale Filme sind in den vergangenen Jahren merklich exorbitant in die Höhe gestiegen. Von den Preisen an den kleinen Imbisstheken wollen wir gar nicht erst reden. Diese Problematik wollte MoviePass als Geschäftsidee verkaufen: Ein Netflix-artiges Abonnement für Kinos. Man bezahlt im Monat einen Fixpreis von 10$ und kann sich dann beliebig viele Filme anschauen. Dafür erhält man eine Kreditkarte, die man als Ticket verwenden kann und eine App mit der man die Tickets vor Beginn der Vorführung reservieren konnte. Ein verlockendes Angebot, wenn man bedenkt, dass viele Filme bereits schon über 10$ kosten. Dabei ist das Geschäftsmodell von vorne bis hinten ein Faß ohne Boden: Denn die Differenz im Betrag der Kinokosten überweist MoviePass direkt an die Kinos. Das war für mehrere Kinoketten wie amc kein überzeugendes Argument, denn die wollten das Geld direkt erhalten und nicht MoviePass hinterherlaufen.

Das Geschäftsmodell war von Anfang an so ähnlich aufgebaut wie das von Fitness-Studios. Eine gewisse Anzahl von Kunden wird das Angebot ja schon nutzen und ein noch grösserer Teil hat zwar eine Mitgliedschaft, aber besucht das Fitnessstudio nur sehr unregelmässig, während der Vertrag direkt auf jährlicher Basis abgeschlossen wird und monatlich abgerechnet wird. Dieses Modell hat bei MoviePass auch einige Zeit lang gut funktioniert, denn die ersten MoviePass-Kino-Flatrates waren noch im Rahmen von 20-100$ gewesen. Im August 2017 wurde MoviePass von der Analystenfirma Helios and Matheson aufgekauft. In dem Zeitraum wurde dann aber die Standard-Flatrate auf 10$ gesenkt. Maximal konnte man mit dem Angebot einen Film pro Tag schauen. Aber wer will an einem Tag schon zweimal hintereinander einen Film anschauen. Das Angebot wurde immer attraktiver und verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Bis zum Juni 2018 soll sich die Anzahl der Nutzer auf ca. 3 Millionen gesteigert haben. Aber sind 30 Mio US-Dollar, die man pro Monat einnimmt, genug für so ein Angebot? 2018 wurde dieser Preis sogar noch weiter nach unten gedrückt, bis das billigste Paket sogar nur noch knapp 7$ gekostet hatte. Ein wortwörtlich wahnsinniger Preis. Denn nun war es eine Frage der Zeit bis das Geschäftsmodell implodierte. Aus einem Film pro Tag maximal wurden plötzlich maximal drei Filme pro Monat. Stark nachgefragte Blockbuster-Filme bekamen dann Zusatzgebühren, vergleichbar mit Uber, bei dem der Preis bei starker Nachfrage auch ansteigen soll. So kosteten Filme wie Avengers: Infinity War zwischen 2-6$ extra. Infinity War war dann wohl auch einer der ausschlaggebenden Faktoren dazu gewesen, dass eine „Man darf einen Film mit Movie Pass nur einmal anschauen“-Regeln eingeführt wurde, um zu verhindern, dass Fans das Movie Pass ausnutzen könnten, um Infinity War mehr als nur einmal anzuschauen. Im Juli schien MoviePass kurz vor dem Aus zu stehen, als Blockbuster wie Mission Impossible – Fallout gar nicht mehr verfügbar waren. Ende Juli war MoviePass aus technischen Gründen gar nicht mehr erreichbar. Denen ist schlichtweg das Geld ausgegangen. Doch eine kurze Geldspritze scheint dem Unternehmen noch eine kurze, weitere Lebenslinie eröffnet zu haben. Denn dem Unternehmen fehlt nicht nur immer mehr Geld, sondern auch das Vertrauen der Investoren. Der Spitzenwert der Helios and Matheson Aktien lag im Oktober 2017 bei 8225$ pro Aktie. Mittlerweile ist der Wert abgestürzt auf 3ct pro Aktie. Da ist also massiv viel Geld verbrannt worden. Die letzte Regeländerung bei MoviePass erlaubte es den Nutzern nur noch die Ticketreservierung aus 6-7 ausgewählten Filmen, wobei bekanntere, nachgefragte Filme wie The Meg oder Mile 22 nur noch alle paar Tage auswählbar ist. Ob diese ständigen Regeländerungen die Nutzer beim Dienst bleiben lässt ist fraglich. Denn mittlerweile kann man fast täglich mit dem Totalabsturz rechnen.

Ihr fragt euch bestimmt, wieso ich dieses schlechte Beispiel für mein Kino der Zukunft nehme. MoviePass krankt unter anderem an dem Problem, dass das Geschäftsmodell mit dem Einzug von neuen Investoren vollkommen auf Verlust gebaut wurde, bzw. auf dem Verkauf der Nutzerdaten an Drittfirmen. Das Prinzip einer Kino-Flatrate kann durchaus funktionieren, wenn man es richtig aufzieht. Meiner Meinung reicht es, wenn ein Abo 20 Euro kosten würde und man maximal 4 Filme im Monat schauen könnte. Bei Filmpreisen um die 10 Euro kann man dann schon Geld sparen (wenn man natürlich keine extrateuren Snacks dazu kauft). Das Alamo Drafthouse hat zum Beispiel schon eine eigene Variante angekündigt. Unter dem Namen Alamo Season Pass kann man dort bald ein ähnliches Angebot erhalten. Die Kinokette amc hat ebenfalls einen neuen Abo-Dienst mit dem Namen AMC Stubs A-List, bei dem man für 20$ maximal drei Filme pro Woche schauen kann. In Tochterunternehmen wie Odeon oder der deutschen UCI Kinowelt Gruppe gibt es derzeit schon das Unlimited Angebot, bei der man für 23,40 Euro im Monat so viele Filme wie man will anschauen kann. Dabei gibt es diese Kinoflatrate dort schon seit Ende 2015. Ein Flatrate-Angebot ist durchaus finanziell tragbar, wenn man es nicht übertreibt.

 

Das Kino der Zukunft

Kommen wir also zu meinem absoluten Wunschkino der Zukunft. Und ihr könnt euch schon vorstellen in welche Richtung das gehen wird. Am besten eine Kombination aus den besten Dingen aller Welten. Hochwertige Filmaufnahmen in 4K und langfristig auch in noch grösseren Auflösungen, gezeigt auf brillanten LED-Leinwänden. Mit Sesseln zum Entspannen und Relaxen. Und einem einfachen Abo-Dienst mit dem man jederzeit ins Kino gehen kann, wenn man will und Zeit hat. Durch die stärkere Online-Ticketvergabe werden wohl mehr Kinokassen nicht mehr besetzt werden und auch die Leute, die im Projektorsaal gesessen sind, werden wohl nicht mehr benötigt aufgrund der LED-Technologie. Dafür könnte man aber den Gastro-Bereich erweitern. Denn ich will so ein verdammtes Alamo Drafthouse hier. Oder zumindest Burger und Pizza während dem Film essen. So wie, wenn ich daheim auf der Couch sitze und Netflix schaue.