Zeitreisen und „Star Trek“ gehören seit eh und je zusammen. In jeder Serie gibt es mindestens zwei bis drei Folgen mit dieser Thematik. Sie gehören in der Regel zu den Highlights der jeweiligen Serie und bringen auch den meisten Diskussionsstoff mit. Die Idee bei „Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart“ war, die Handlung in  „unsere“ Zeit zu versetzen (80er Jahre). Dem Film sollte so eine gewisse Leichtigkeit verliehen werden, was grade nach den bierernsten Vorgängern auch nicht so doof schien. Die Grundidee war geboren.

 

Kurzer Inhalt:

 

Eine riesengroße Sonde ist vor der Erde erschienen und stört sämtliche Kommunikation und verursacht massive Wetterprobleme. Das geht sogar soweit, dass Naturkatastrophen ausgelöst werden. Von der Sonde werden dabei merkwürdige Laute ausgegeben. Die Föderation ist ratlos. Sie warnt sämtliche Schiffe sich Sektor 001 zu nähern. Unsere Crew ist derweil mit dem rostigen „Bird of Prey“ unterwegs zurück nach Hause und empfängt eben diese Warnung. So klug wie Spock ist, findet er schnell heraus, dass es sich bei dem Geräusch um Walgesänge handelt. Die Sonde möchte mit den längst ausgestorbenen Buckelwalen kommunizieren. Die Crew unternimmt einen Trip ins 20. Jahrhundert, um einige Exemplare zurück ins 23. Jahrhundert zu bringen und so die Sonde zu besänftigen. Dabei sehen sie sich den gesellschaftlichen Gepflogenheiten dieses Jahrzehnts ausgesetzt. 

 

Wie oben bereits geschrieben, die Idee nach zwei düsteren Filmen, eine leichte Story zu probieren, ist grundsätzlich nicht schlecht. Trotzdem finde ich, hier ist das Vorhaben nur teilweise gelungen. Es kam mir als Zuschauer so vor, als wüsste der Film nicht in welche Richtung es gehen soll. So haben wir sehr viele Elemente aus einer Art Buddy-Movie vertreten, gleichzeitig aber auch auch eher ernste Spionage-Sequenzen. Das ist als Mix ganz nett, aber nervt mit der Zeit. Dazu kommt noch, dass munter mit der Zeitlinie herumgespielt wird. Hier wird ein Phaser zurück gelassen, dort wird einfach ein zukünftiges  Medikament eingesetzt oder mir nichts, dir nichts die Formel für ein ultrastarkes Metall da gelassen. Ich finde durch all diese Dinge wirkt der Film sehr überhastet, chaotisch und nicht zu Ende gedacht. Denn durch diese Eingriffe, dürfte im 23. Jahrhundert so ziemlich alles verändert worden sein. Für den Zufallszuschauer ist das sicherlich zweitrangig, aber „Star Trek“ Fans dürften darüber nicht so begeistert sein. Mir gefällt allerdings grundsätzlich die Message des Umwelt- und Artenschutzes und die Thematik, Buckelwale zu schützen.

 

Die Crew spielt, wie immer, sehr gut zusammen. Die kleinen Gags sind gut gesetzt und es ist köstlich zuzuschauen, wie z.b. ein Russe die US Polizei nach dem Liegeplatz der atombetriebenen Zerstörern fragt. Ebenso ist die Szene in der Scotty mit der Computermaus redet einfach nur himmlisch. Augenzwinkernder Fun-Fact: die beiden Punks in dem Bus, die Spock zum leiser machen der Musik „animiert“, kommen in „Spider-Man Homecoming“ ebenfalls vor. Die gleichen Figuren! Ist „Star Trek“ jetzt Teil des MCU?

 

                    

Leider ist die ganze Story ansonsten aber sehr konstruiert. Z.B. Kirk hat ein Love-Interrest, die ihn ins 23. Jahrhundert begleitet und von der man nie wieder etwas hört. Somit also belanglos für die Figur und für das Universum. Die Zeitriese ansich, ist ein weiteres Thema. Wenn es ein schrottiger „Bird of Prey“ schafft, in die Vergangenheit zu reisen, warum fliegt man dann nicht weiter zurück? Zum Beispiel ins Mittelalter! Und verhindert so ungewollte Kontakte mit der Technik des 20. Jahrhunderts? Die Wale wären auch schneller eingesackt gewesen. Für mich gehört „Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart“ zu den schlechteren Teilen, da mir die Story wie sie ist nicht gefällt und mir zu wenig „Star Trek“ und zu viel „anderer Kram“ zu sehen ist. Dazu kommen die sehr vielen Belanglosigkeiten und überfrachtete Handlungsstränge.

 

Trotzdem bietet der Film auch tolle Bilder. So ist die Walfängerszene wirklich gut und auch die letzten 10 Min sind episch. Auch hier viele Extrapunkte für die Modellarbeit. Einen sehr schönen Moment gibt’s am Ende, als wir in einem epischen Moment, die brandneue USS Enterprise NCC – 1701-A zu sehen bekommen.

 

Der Score ist diesmal nur Durchschnitt, er klingt wie ein nicht enden wollendes Weihnachtslied. Grade in Vergleich zu dem was war und was kommt, ist das hier ein nerviges Gedudel.

 

Für viele Trekkies ist „Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart“ der Beste der Kirk Ära. Wenn sie die Story etwas von den Ungereimtheiten befreit hätten, würde ich ihm auch 1-2 Punkte mehr geben. Aber für mich bleibt „Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart“ so wie er ist, wohl auf ewig ein kleiner Aufreger.

 

Um mit den Worten Capt. Janeways zu schließen: „Finger weg von Zeitreisen!“

6/10