Slender Man

Cast:

  • Joey King as Wren
  • Julia Goldani Telles as Hallie Knudsen
  • Jaz Sinclair as Chloe
  • Annalise Basso as Katie Jensen
  • Taylor Richardson as Lizzie Knudsen, Hallie’s younger sister
  • Alex Fitzalan as Tom, Hallie’s love interest
  • Kevin Chapman as Mr. Jensen, Katie’s father
  • Javier Botet as the Slender Man
  • Jessica Blank as Mrs. Knudsen, Hallie and Lizzie’s mother
  • Michael Reilly Burke as Mr. Knudsen, Hallie and Lizzie’s father
Erscheinungsdatum: 20. September 2018 (Deutschland)
Regisseur: Sylvain White
Musik komponiert von: Ramin Djawadi, Brandon Campbell
Produzenten: James Vanderbilt, Robyn Meisinger, William Sherak, Brad Fischer, Sarah Snow
Executive Producer: Glenn S. Gainor, Louis Sallerson, Ryan Cunningham

 

In einer Kleinstadt in Massachusetts vollziehen vier High School Mädchen ein Ritual, um die Legende des Slender Man zu entlarven. Als eines der Mädchen unter mysteriösen Umständen verschwindet, befürchten die anderen, dass sie sein nächstes Opfer wird.

Quelle: cineman.ch
Selten schafft es, eine aus dem Internet stammende Figur so einen Hype zu verursachen wie der Sender Man. Der von Eric Knudsen geschaffene Charakter fesselt seit den Jahre 2009 in erster Linie jugendliche und junge Erwachsene. Hochgeladene Fake-Videos, Bilder von angeblichen Sichtungen und erdachte, eigene Kurzgeschichten sind dabei das harmloseste Ergebnis eines echten Internetkults. Als es dann im Jahr 2013 zu einem versuchten Mord, zweier Mädchen an ihrer besten Freundin, beinahe zu einer Tragödie kam, reagierten Eltern in den USA höchst alarmiert. Seit Jahren kursierten immer wieder Pläne diesen Stoff zu verfilmen. Als geneigter Horrorfan durfte man durchaus optimistisch sein, das hieraus ein wirklich guter Film im Sumpf der Stangenware empor steigen könnte. Gleich vorne weg: „Slender Man“ schafft es, diese Filme von der Stange noch zu unterbieten. In jeglicher Hinsicht.
Eigentlich könnte es so einfach sein. Man hat entweder einen echten Fall, den man durchaus als Film in Szene setzen könnte. Als eine Art Jugenddrama, in der „Slender Man“ als Psychose der Mädchen hätte auftauchen können. Hier steckte richtig gutes Potential. Als zweite Möglichkeit hätte man eine gänzlich neue Geschichte, als eine Art „coming of Age“ Drama inszenieren können. Auch dies wäre zeitgemäß und könnte durchaus funktionieren. „Es“ hat es letztes Jahr äußerst erfolgreich vorgemacht.
Wenn man all diese Möglichkeiten doof gefunden hätte, und lieber einen klassischen Horrorfilm aus dem Stoff zaubern wollte, hätte man immerhin noch einen starken „Found Footage“ aller „Blair Witch Projekt“ schaffen können. Es war alles da. Eine schemenhafte Gestalt, ein riesiger Wald, Rituale etc. Leider war man wohl auf den schnellen Dollar aus und hat einen Film geschaffen, der irgendwo zwischen Produktionshölle und halbherzigem Schnitt verloren gegangen ist. Nicht einmal die Jumpscares wollen zünden. Und das in einer Zeit, in der selbst der billigste, uninspirirteste Film gute Schockmomente für den Ottonormal-Horrorfan zu bieten hat. Für wen könnte „Slender Man“ also sein? Selbst Horrorneulinge dürften diesem Film nur ein müdes Lächeln abgewinnen. Für das versiertere Publikum sollte er nicht einmal die Rede wert sein.
Es ist schade, weil grade in diesem Projekt so viel Potential steckte, was viele andere Filme nicht haben. Evtl. könnten echte „Die Hard Sender Man-Fans“ etwas mit einzelnen Bildern oder Einstellungen anfangen. Aber auch diese dürften mit den Spielen oder eigenen Geschichten deutlich besser bedient werden. Wer also albtraumhafte und klaustrophobische Szenen im Wald erwartet, wird enttäuscht. Wer Blutige Orgien erwartet, wird ebenfalls enttäuscht. Und wer die Hoffnung in einen beklemmenden Psychohorror-Schocker gesteckt hat, geht auch leer aus. Mir persönlich hat der Film keine Minute Unbehagen oder gar Angst gemacht. Und ich gehe inzwischen mit weit herunter gefahrenen Erwartungen in Horrorfilme dieser Größenordnung.
                    
Technisch ist der Film in jedem Fall in Ordnung. Es wurden keinerlei Experimente in Sachen Kamerafahrten oder Filmen aus ungewöhnlichen Winkeln unternommen. Die Farben sind düster und trostlos, und mir ist kein nennenswerter Soundtrack im Kopf geblieben. Und das, obwohl „Game of Thrones“ Komponist Ramin Djawadi am Werk gewesen ist. Die Effekte und Make-Ups gehen wirklich klar. Wenn man den „Slender Man“ mal sieht, wirkt er optisch immerhin bedrohlich. Ihr merkt, ich muß mir die positiven Aspekte wirklich selbst aus der Nase popeln. Evtl. könnte man die Büchherreiszene erwähnen. Sie hat einen Hauch dessen, was möglich gewesen wäre. 
Abschließend möchte ich die HBO Doku „Beware the Slenderman“ empfehlen. Diese beschäftigt sich mit dem echten Fall der beiden Mädchen und ist fesselnder als dieses Machwerk. Hier dürft ihr durchaus einen Blick riskieren. Diese läuft aktuell noch auf Sky auf Abruf oder ist bei YouTube zu erwerben.
Somit ist  „Slender Man“ eine große, wenn nicht DIE Enttäuschung dieses Jahres. Spart euch das Geld und schaut lieber „Hereditary“ oder „It Comes at Night“.
Ich gebe mit beiden Augen zu, 4/10 Punkte.