In einem Interview mit der Entertainment-Branchen-Webseite The Hollywood Reporter wurde Bob Iger, Chef von Disney, über viele der Entscheidungen und Nachrichten der vergangenen Monate befragt, insbesondere zu den direkten Folgen des Fox-Aufkaufs, dem Skandal um James Gunn, der #MeToo-Bewegung, sowie dem neuen Streaming-Service. Wir haben für euch die wichtigsten Stichpunkte zusammengefasst.

  • Über die Erfolgsstrategie des Disney Konzerns innerhalb der kommenden Jahre:

    Es gibt drei Wege [um als Konzern zu wachsen]. Der erste Weg ist guten Content zu machen. Und das ist sehr wichtig bei der Fox-Akquisition. Der zweite Weg ist, indem man unglaublich innovativ ist, diesen Content an den Markt zu bringen. Übrigens gibt es da kein besseres Beispiel als Netflix. Der dritte Weg ist, indem man wirklich von Natur aus global ist.

    Mit dieser Strategie weist Iger natürlich auf den kommenden Disney Streaming Service hin, gerade weil er Netflix als Vorbild erwähnt. Interessant für den internationalen Raum dürfte der letzte Satz sein, der im Original „The third is to be truly global in nature“ heißt. Bisher war noch nicht bekannt, dass der Streaming Service ausserhalb der USA verfügbar sein könnte. Zwischen den Zeilen könnte dieser Satz natürlich bedeuten, dass der Service auch global starten könnte. Zwar keine 100% Bestätigung, aber der Streaming Service soll ja auch erst in etwa einem Jahr starten, spätestens Ende 2019.

  • Über den exklusiven Premium-Content:

    Ich bin beeindruckt von dem was Netflix und Amazon erreicht haben. Aber keiner von ihnen ist Disney oder Marvel. Oder Pixar. Oder Star Wars oder National Geographic oder FX oder Searchlight oder Avatar.

    Bislang ist bekannt gewesen, dass mehrere von Disney produzierte Filme auf dem Streaming-Service starten werden. Eine Star Wars-Live-Action Serie wird derzeit von John Favreau entwickelt. Erst gestern wurde bekannt, dass Marvel mehrere Event-Serien zu MCU-Charakteren wie Loki oder Scarlett Witch plant. Interessant ist in dem Kontext auch, dass Iger hier explizit das James Cameron-Franchise Avatar erwähnt hat. Zur Zeit sind insgesamt 4 Avatar-Sequels im Kino in Planung gewesen, wobei Avatar 2 bis zuletzt noch einen Starttermin am 18. Dezember 2020 hatte.

  • Über seinen Einfluß bei den Entscheidungen zu Roseanne und James Gunn:

    Ich würde sagen, daß ich sowohl bei der Entscheidungsfindung geholfen als auch die Entscheidungen unterstützt habe, die bereits getroffen worden sind. („I would say there is a blend of my helping to make the decision to my supporting the decisions that have been made.“) Roseanne war komplett einstimmig entschieden worden. Wir haben darüber diskutiert, wie es kommuniziert wird und wann, denn es gab mehrere Institutionen, die zuerst einmal unterrichtet werden mussten, aber die Entscheidung war komplett einstimmig. Die James Gunn Entscheidung wurde mir als einstimmige Entscheidung von einer Reihe von Executives des Studios unterbreitet und ich habe das unterstützt.

    Bob Iger hat bei der Roseanne-Entscheidung schnell via Twitter seine Unterstützung bekannt gegeben (u.a. an abc-Chefin Channing Dungey). Bei der James Gunn-Entscheidung soll Iger im Urlaub gewesen sein und erst im Nachhinein von der Entscheidung unterrichtet worden sein.

  • Über die Änderungen innerhalb Disneys nach der #MeToo-Bewegung:

    Ich möchte jetzt nicht über irgendjemanden speziell sprechen, aber es ist kritisch für uns als Anführer in dieser Industrie, um sichere Arbeitsumgebungen zu schaffen, damit Personen, die Opfer von Misshandlungen waren, sich sicher fühlen können dies zu berichten und darüber zu sprechen, genauso auch für andere, die Zeugen von Misshandlungen geworden sind und das gleiche tun können. Es ist kritisch. So schwierig dies in dieser Zeit auch sein mag, wird es höchste Zeit, dass wir alle aufwachen müssen, um die Leute zu schützen, die für uns und mit uns arbeiten.

  • Über die Integration des X-Men Franchises und ob Kevin Feige alles überwachen wird:

    Ich denke, dass es nur so Sinn macht. Ich möchte hier vorsichtig sein, wegen dem was bislang zu den Fox-Leuten kommuniziert wurde, aber ich glaube sie wissen es bereits. Es macht für Marvel nur Sinn, wenn alles von einer Einheit überwacht wird. 2 Marvels sollte es nicht geben. – Zwischenfrage von THR: Könnte Deadpool ein Avenger werden? – Kevin [Feige] hat viele Ideen. Ich würde nicht sagen, dass dies eine davon wäre. Aber wer weiß?

    Das klingt sehr danach, als ob die bisherigen X-Men-Pläne auf Eis gelegt werden…

  • Über die Frequenz der Star Wars Filme:

    Ich machte die Entscheidung [über die zeitliche (jährliche) Veröffentlichung der Star Wars Filme] und wenn ich zurück schaue, dann war der Fehler, den ich machte – Ich nehme die Schuld auf mich – vielleicht zu viel auf einmal und zu schnell. Man kann eine Entschleunigung erwarten, aber das heißt nicht, dass wir keine weiteren Filme machen werden. J.J. [Abrams] ist schwer beschäftigt mit [Episode] IX. Wir haben mehrere kreative Gruppen, unter anderem mit Benioff und Weiss [Showrunner von Game of Thrones], die ihre eigene Saga entwickeln, über die wir bisher noch nicht viel veröffentlicht haben. Und wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, wo wir anfangen Entscheidungen über die Zeit nach J.J. zu treffen und was danach kommt. Aber ich denke wir werden etwas vorsichtiger sein bei der Menge und beim Timing. Und die Verantwortung darüber liegt hier.

Bildnachweis: Hauptbild nach CC BY-SA 2.0