So kommen wir nun zu einem weiteren Highlight der „Star Trek“ Filme. „Star Trek – Der erste Kontakt“. Ich erinnere mich an die Premiere damals. In meiner Heimatstadt gab es nur ein kleines Kino. Selbst dort mussten extra Klappstühle auf die Gänge gestellt werden. Eigentlich verwunderlich, da „Treffen der Generationen“ das Fandom sehr spaltete. Die Gründe für das doch große Interesse, könnten aber recht eindeutig sein: Zum einen sitzt Jonathan Frakes, No.1 höchst persönlich auf dem Regiestuhl und zum anderen feierten die allseits beliebten Borg ihren großen Leinwandauftritt. Dazu kommt: eine brandneue USS Enterprise. Das Ergebnis: Einer der besten „Star Trek“ Filme die es gibt.

 

Kurzer Inhalt:

 

Die Borg sind auf dem Weg zur Erde. Nach etlichen gescheiterten Versuchen, wollen sie ein für alle mal die Menschheit assimilieren und versklaven. Die neue Enterprise E wird allerdings nicht wie vermutet zur Hilfe geholt, sondern abkommandiert in die neutrale Zone, um Wache zu schieben. Picard setzt sich über diese Befehle hinweg und tatsächlich kann er mit seinem Borgwissen helfen und den Kubus zerstören. Eine Sphere der Borg rettet sich jedoch vor der Zerstörung und erschafft einen Zeitwirbel, um ihre Mission in der Vergangenheit zu vollenden…

 

Die Borg

Als in der Serie „The next Generation“ die Borg zum ersten mal vorgestellt wurden, ahnte wohl niemand, welche „Magie“ von diesen Wesen ausgeht. Der gesichtslose Gegner in opulenten, geometrischen, schwarzen Schiffen. Übermächtig dominierten sie jedes Schiff und jede Rasse, die sich ihnen in den Weg stellte. So eine Bedrohung gab es noch nie. Dieses mystifizieren der Borg war ein Geniestreich sondergleichen. Viele Folgen bei „The Next Generation“ und ein Haupthandlungsbogen in den letzten Voyager Staffeln, verhalfen dieser Species zu großer Beliebtheit. Es war nur eine Frage der Zeit, wann sie ihren großen Kinoauftritt bekommen sollten. Zu Beginn des Films noch gesichtslos, wird zur Mitte die Borgkönigin eingeführt. Eine Art Bienenkönigin. Dies sollte dem Gelegenheitszuschauer den Einstieg leichter machen. Die Borgkönigin spaltete allerdings (wiedermal) die Fanlager. Entweder man mag sie oder man hasst sie. Die Borg waren nun nicht mehr der Gegner ohne Gesicht, sondern waren identifizierbar. Einerseits ging so ein großes Stück der Dominanz flöten, (tötest du die Königin, lösst du das Problem), andererseits hatte man nun einen direkten Antagonisten für Picard.

 

Cast & Cameos

Bei all dem Krieg und Düsternis, kommt aber auch der Humor nicht zu kurz. So sind sämtliche Szenen mit Zefram Cochrane köstlich. Spätestens wenn er versucht, Diana Troi klar zu machen! Da bleibt kein Auge trocken. Die exzellent von James Cromwell gespielte historische Ikone, sollte in anderen Star Trek Serien noch einige Auftritte haben. Die Idee einen Heilsbringer als versoffenen Idioten darzustellen fand ich zwar gewagt, aber irgendwie doch schlüssig. Seine Welt ist eben noch nicht das perfekte Paradis. Das Zusammenspiel der Crew ist auch wie in der alten Serie. Es kommt stets „The Next Generation“ Feeling auf. Was ein blitzsauberes Drehbuch doch alles ausmachen kann. Es gibt einige Gastauftritte, so sehen wir das MHN und auch Neelix Darsteller Ethan Philips hat einen kleinen Cameo. Ach, und da wäre noch ein gewisses tapferes, kleines Schiff…

 

Hinter den Kulissen

Auch im Backstagebereich  ist „Star Trek – Der erste Kontakt“ absolut beeindruckend in jeder Hinsicht. Die Schlacht zu Beginn sieht Klasse aus und man erwischt sich selbst dabei, die verschiedenen Sternenflottenschiffe zu suchen und zu identifizieren. Der Kubus sah ebenfalls nie besser aus. Das dunkle Borg-Design von „Star Trek – Der erste Kontakt“ ist wegweisend. Es wurde später in „Star Trek – Raumschiff Voyager“ und für eine Folge bei „Enterprise“ übernommen. Überhaupt hat „Star Trek – Der erste Kontakt“ einen großen Einfluss auf das ganze Universum. Es wird deutlich düsterer, es gibt neue Uniformen, neue Phaser sowie neue Schiffe. Man könnte ihn nach „Star Trek II – Der Zorn des Khan“ einen weiteren Design-Meilenstein nennen. Film- und Serienuniversum waren sich nie näher und standen kurz davor tatsächlich eine Einheit, EIN Star Trek zu bilden. Doch dies sollte nur zwei weitere Filme halten. In Sachen Make-Up wurde hier ebenso wieder eine Meisterleistung abgeliefert. Sei es nun Data am Ende, die Borg Queen oder die infizierten Crewmen. Alles sieht sehr überzeugend und real aus. Der Soundtrack kommt dieses mal von Jerry Goldsmith, der eine Mischung aus bedrohlichem, epischem und bekannten Stücken erschaffen hat. Ebenfalls Klasse.

 

                    

 

Assimiliert

Was ist nicht so Positiv? Im Grunde ist das Einführen der Borgqueen etwas unglücklich. Der Fakt, dass sie „immer“ da gewesen sein soll, wirkt an den Haaren herbei gezogen. Warum hätten die Borg sie nicht „erschaffen“ können? Was spricht dagegen? Im Nachgang stört mich diese deutliche Entmystifizierung der Rasse immens. Datas Emotionschip ist wohl das nervigste, was man hätte der Figur antun können. Der Aspekt „ich will menschlich sein“ treibt ihn zwar an, aber seit „Treffen der Generationen“ ist das so verwurschtelt geschrieben, dass er des öfteren nicht wirkt, wie der liebenswerte Androide aus der Serie. Dieses Problem steigert sich in den nächsten zwei Filmen noch ins Unermessliche. Die Logikprobleme, die Zeitreisen mit sich bringen, lasse ich mal außen vor. Hier und da wirken Dialoge etwas unfertig und der Schnitt ist an einigen Stellen holprig. Aber das soll Jammern auf hohem Niveau sein.

 

Fazit

„Star Trek – Der erste Kontakt“ ist eigentlich für jeden etwas. Die Borg werden noch einmal kurz erklärt und der Film ist sehr zugänglich für Star Trek Verhältnisse. Denn im Grunde ist der Film eine klassische Captain Ahab Geschichte. Auch die daraus resultierende Botschaft „Rache hilft niemandem“ ist absolut „Star Trek-like“ und ist immer aktuell. Ansonsten wirkt der Film immer frisch. Und auch, dass es nun endlich nicht wieder die Klingonen sind, gibt dem Filmuniversum neuen Schwung. Die Entscheidung mit Frakes einen Star Trek erfahrenen Mann auf den Chefsessel zu setzen, war gut. Man merkt die Liebe zum Detail und das dort jemand sitzt, der weiß was er macht.

P.S. Wer den Film gut fand, sollte sich unbedingt die Folge „Regeneration“ aus „Star Trek: Enterprise“ anschauen, da diese Episode Bezug auf diesen Film nimmt.

 

9/10 Punkte