Am 3. Oktober war Tag der deutschen Einheit. Während andere Wohl auf den Wasen oder sonstige Volksfeste gingen, um ihren Patriotismus zum Ausdruck zu bringen, opferte ich mich auf und sah mir Venom im IMAX Kino an. Es war meine erste Erfahrung mit IMAX und um das gleich vorab gesagt zu haben: Es lohnt sich. Super Technik, welche genau das liefert was einem 3D Kinos versprechen aber so gut wie nie halten: Immersion und das Gefühl dabei zu sein und das ganz ohne eine Brille zu tragen. Doch ich schreibe diesen Artikel nicht um die Technik zu rezensieren, sondern viel mehr um meine Meinung zu Venom abzugeben. Im Internet kann man schon seit einigen Tagen lesen, das die Leute eher unzufrieden mit diesem Film sind und dass ist auch nicht unbedingt verwunderlich wenn man den Streifen mit dem vergleicht was zum Beispiel die Marvel Studios im Moment abliefern. Ich habe dennoch versucht neutral zu sein und den Film nach seinen Stärken und Schwächen fair zu beurteilen und ich hoffe das ich diesem Ziel auch gerecht wurde. Also viel Spaß mit meiner Review zu Venom!

Handlung: Im Zentrum der Geschichte steht Eddie Brock, ein Enthüllungsreporter in San Francisco, welcher mit seiner penetranten und rücksichtslosen Art oftmals viele Probleme heraufbeschwört, aber dadurch auch beim Publikum gut ankommt. Als er eines Tages versucht die menschenrechtswidrigen Experimente der Life Foundation aufzudecken, legt er sich leider mit dem falschen Konzernboss an und verliert kurz darauf seinen Job, seine Wohnung und auch seine Freundin. Gebrochen und am Boden liegend, führt er 6 Monate lang ein sehr trauriges Leben in einem 1-Zimmer Apartment, bis schließlich eine Angestellte der Life Foundation ihn kontaktiert und ihm bestätigt das er mit all seinen Vermutungen recht hatte. Von Rachegedanken und Idealismus angetrieben, bricht Eddie in das Hauptgebäude ein und stellt schnell fest das Carlton Drake, Inhaber der Life Foundation, mit außerirdischen Lebensformen experimentiert. Bevor sich Eddie versieht, übernimmt eine dieser Lebensformen seinen Körper und so beginnt die eigentliche Geschichte des Films: Eddie Brock trifft auf Venom, einem hungrigen Monster aus dem Weltraum…

Kritik: Am Dienstag Abend, wurden erste Tweets über den Film veröffentlicht, in welchen die User oft darüber sprachen das sich Venom wie ein Superheldenfilm vom Anfang der 2000er anfühlt und genau so ist es auch. Die Story ist simpel und Grundlage für fast jede Superhelden Origin, es würde sogar ausreichen die Symbionten durch radioaktive Spinnen zu ersetzten und Eddie Brock durch Peter Parker, und schon würde die erste Hälfte des Films nichts anderes als die Handlung von„The amazing Spider-Man“ wiedergeben.Die einfache Geschichte, schadet dem Film in meinen Augen jedoch nicht wirklich. Ich selbst habe mich längst damit abgefunden das ich bei einer Origin auf dieses Schema treffe und habe deshalb auch bei Venom keine große Innovation erwartet. Nein, der bekannte Teil des Films erfüllt seinen Job sogar relativ gut und ebnet den Weg für die eigentliche Stärke des Films und auch den Hauptgrund diesen Streifen zu schauen:

Die Interaktionen zwischen Eddie Brock und Venom. Tom Hardy spielt den verzweifelten Eddie perfekt und auch Venom ist sehr gut umgesetzt worden. Wie die beiden miteinander reden und interagieren ist visuell wunderbar anzusehen und die Dialoge sind ein wahres Fest für die Ohren: Irre, total over-the-top und einfach unterhaltsam, genau so wie ich es von einem Venom Film tatsächlich erwartet hätte. Wer ein geniale Darstellung von intergalaktischer Schizophrenie sehen will, sollte diesen Film nicht verpassen. Jedoch steht dieser Stärke auch eine klare Schwäche gegenüber:Der Film überspringt praktisch komplett den zweiten Akt, einer klassischen 3-Akt Geschichte. Damit will ich nicht sagen, das man jede Geschichte nach diesen Prinzip aufbauen muss, sondern das Venom diesen Aufbau ganz klar besitzt aber einfach keinen zweiten Akt darbietet.



Man springt praktisch von dem Moment als Eddie mit Venom infiziert wird und erst mal damit klar kommen muss, direkt zu dem Punkt wo sie bereits miteinander verbrüdert sind und einen internen Konflikt austragen müssen. Wie diese Beziehung sich wirklich formt und wie Venom von Eddie Brocks Persönlichkeit beeinflusst wird, lässt der Film praktisch völlig aus, wodurch auch die Motivation des Titel gebenden Charakters am Ende nicht glaubhaft rüber kommt. Dabei sind die Actionszenen die komplette Zeit über wirklich unterhaltsam und die schnelle Erzählweise des Films sorgt auch dafür das man die ganze Zeit dabei ist und selten mal kurz mental austreten kann. Dadurch bleibt der Film nach wie vor unterhaltsam hat aber eben einige Schwächen wenn es darum geht seine 3-Akt Handlung aufrecht zu erhalten und eine konsistente und konsequente Geschichte zu erzählen. Auch fallen alle Nebencharakter besonders blass aus, speziell Eddies Ex-Freundin und man kann sich kaum den Namen der anderen Figuren merken, weil sie einfach nicht wichtig genug sind. Leider gilt genau das selbe für Carlton Drake, welcher nur einen 0815 Bösewicht des modernen Kinos darstellt: Ein Mann, angetrieben von dem Wunsch die Welt zu verbessern, führt lauter fürchterliche Experimente durch und empfindet dabei keinerlei Reue. Im Grunde ist es die selbe Struktur wie bei den alten Standard-Bösewichten auch, nur in unserer modernen Zeit kommt meist noch ein gesellschaftliche Motivation dazu.
Dadurch ist Carlton Drake einfach unglaublich langweilig und emotional lässt einen der finale Kampf auch fast schon kalt, da einem der Bösewicht nur egal ist. Wie gesagt ist der Film jedoch ein wahres Spektakel, visuell betrachtet, und kann dadurch sehr wohl mit Freude geschaut werden.

Fazit: „Venom“ ist ein unterhaltsamer Originfilm, dessen Handlung zwar einfach und sehr löchrig ist aber durch gelungene Action und durch die tolle „Eddie/Venom“ Beziehung durchaus funktioniert. Dennoch hat er einige filmische Schwächen, die mehr als deutlich sind und oftmals zu ungewollten Lachern führen. Wer sich den Streifen geben will, soll es tun, es ist jedenfalls keine verschenkte Lebenszeit. Ich hoffe euch hat meine Review gefallen und weitergeholfen.