Der letzte Auftritt der „The Next Generation“ Crew sollte nochmal ein ganz Großer werden und einen verdienten Abschied darstellen. Dies ist leider wegen einiger Kleinigkeiten nur teilweise gelungen. Um frischen Wind ins Franchise zu bringen, wurde Stuard Baird verpflichtet. Ein Star Trek-Fremder Regisseur. „Star Trek – Nemesis“ sollte auch für den normalen Filmfan, der mit „Star Trek“ nicht viel zu tun hat, zugänglich sein. Allerdings hatte sich das Projekt nur grade einmal selber gerechnet, weshalb es als Flop gilt.

 

Kurzer Inhalt: 

Völlig überraschend laden die Romulaner die Föderation zu Friedensgesprächen ein. Die Sternenflotte schickt natürlich ihr Flagschiff, die USS Enterprise um Captain Jean-Luc Picard. Auf Romulus angekommen, enttarnt sich ein riesiges romulanisches Kampfschiff und lässt erste Zweifel am Vorhaben der Romulaner aufkommen. Shinzon, der neue Führer der Romulaner entpuppt sich nicht nur als zwielichtiger Mensch, sondern scheint auch ein persönliches Interesse an Picard zu haben. 

 

Zum Positiven

Die Stimmung in „Star Trek – Nemesis“ gleicht in etwa der in „Star Trek II – Der Zorn des Khan“. Dies mag zum einem an der Atmosphäre liegen, die sehr düster und bedrohlich gehalten wird. Zum anderen liegt es an der Schiff vs. Schiff Situation wie schon im besagten zweiten Teil der Reihe. Die Raumschlacht in „Star Trek – Nemesis“ ist die Beste, die ich bis dahin je in „Star Trek“ oder einem anderem Sci-Fi Film gesehen habe. Ich rede hier nicht von einer Massenschlacht wie z.B. in DS9, sondern einer, wo wenig Schiffe involviert sind. Endlich wird auch mal der dreidimensionale Raum ausgenutzt um Angriffe zu fliegen. Optisch wird dadurch ein Neues Level erreicht. Bisher war es immer so, dass zwei Schiffe sich exakt gegenüber standen. Grade in der Szene, wo die drei romulanischen Kreuzer dazu kommen, wird es wirklich einfach nur -geil-. Das kann man sich immer wieder anschauen. Die Schiffe sehen dabei toll aus, die sehr bedrohliche Scimitar gleitet wie ein Todesengel durch den Raum. Und das, obwohl in diesem Film auf jegliche Modelle verzichtet wurde und es sich nur noch um CGI Raumschiffe handelt. Das Visuelle ist bei „Star Trek – Nemesis“ der große Pluspunkt.

Das einige Figuren ihren Abschluss bekommen gefällt mir ganz gut. Sei es nun Riker & Troi oder auch Data. Auch die Mann gegen Mann Kämpfe sind gut choreografiert, James T. Kirk wäre neidisch. Was Darsteller angeht, kann man Tom Hardy positiv erwähnen. Er hatte bis „Star Trek – Nemesis“ nur an zwei Folgen „Band of Brothers“ und an einigen Kurzfilmen mitgewirkt. Hier macht er schon eine tolle Figur und liefert eine klasse Leistung ab.

 

                    

 

Die Remaner

„Star Trek – Nemesis“ erweitert das Universum um eine Rasse, die man bisher auf dem Papier kannte. Die Remaner. Eine von den Romulanern versklavte Rasse vom Planeten Remus, dem Nachbarplaneten von Romulus. Planet Remus ist ein in sich rotierender Planet. Das bedeutet, eine Seite ist immer in der Sonne und verflucht heiß und eine Seite ist stets im dunkeln und arschkalt. Auf dieser dunklen Seite leben die Remaner. Sie sind Licht nicht gewohnt und reagieren allergisch auf grelle Helligkeit. Ansonsten ist nicht viel bekannt, außer dass die Remaner stets für die Drecksarbeit für die Romulaner herhalten müssen. Entweder als Kanonenfutter in aussichtslosen Gefechten oder für den Abbau von Bodenschätzen. Ron Perlman spielt Viceroy, die rechte Hand Shinzon’s. Und ist ein bisschen der geheime Star des Films.

 

 

Zum Negativen

Hier gibt es zwei große Punkte. Zum einen macht der Film den Eindruck, als wäre er eigentlich als Mehrteiler konzipiert worden. Wirklich wichtige, für das „Star Trek Universum“ essentielle Dinge, werden nebenbei abgehandelt. Wie z.B., dass die Romulaner einen neuen Führer haben oder das nach dem Film echter Frieden möglich ist. Hallo? Es sind die Romulaner! Jenes Volk, dass uns durch 7 Jahre TNG begleitet hat und das im Kampf gegen das Dominion schon eine wichtige Rolle eingenommen hat. Das wäre in „Star Trek – The Next Generation“ mindestens einige Folgen zum Thema geworden. Wie kann eine Person diesen maximal paranoiden Senat einfach unterwandern?  Es fühlt sich einfach zu sehr „zusammengeschustert“ an. Überhaupt ist der ganze Schnitt sehr abgehackt.

Dann habe ich an Datas Storyline etwas zu mäkeln. Auf dem Weg nach Romulus wird ein positronisches Signal empfangen. Jeder der „Star Trek The Next Generation“ geschaut hat, denkt zuerst an Lore, Datas weniger netten Bruder. Aber die Crew erwähnt diesen noch nichtmal. Und aus den Reaktionen als sie den Androiden finden, interpretiere ich, das sie zum ersten mal jemanden sehen, der Data ähnlich ist. Mich stört das massiv. Ich brauche das Franchise immer rund und in sich erklärbar. Folgen oder Filme dürfen sich nicht gegenseitig aufheben oder widersprechen. Das wurde hier leider nicht mit voller Überzeugung eingehalten. Auch die Vergewaltigungsszene fühlt sich eher deplatziert an. Ganz nach dem Motto „Wir brauchen noch eine schockierende Szene um Shinzon’s Absichten zu unterstreichen!“ „Ja! Vergewaltigen wir Troi“. Etwas daneben, wenn ihr mich fragt. Ansonsten sind einige einzelne Szenen etwas drüber. Wie z.B. Data’s Sprung aus der Enterprise in den freien Raum oder auch Geordi, der ein Schatten seiner selbst zu sein scheint.

 

          

Fazit:

Im Großen und Ganzen kommt hinten aber ein runder Film heraus, der wirklich für jeden etwas zu bieten hat. Als Abschluss der „Star Trek – The Next Generation“ Saga für Fans evtl. etwas lieblos, aber als Action geladener Science Fiction Film super. Gern hätte er länger gehen dürfen um den Figuren und Wendungen mehr Zeit zu geben. Außerdem wäre es lobenswert gewesen, wenn sich das Produzententeam und die Autoren etwas mehr mit der Serie befasst hätten. So wären wirklich schöne Querverweise zu vergangen Storys möglich gewesen. Etwas Fanservice halt. Das lieben die Trekkies. Trotzdem gibt einige Cameos, Stichwort Hochzeit. Also so ganz auf dem Trockenen wird der Fan dann doch nicht gelassen. Trotzdem, die Idee, Baird ans Ruder zu lassen, ging meiner Ansicht nach nur teilweise auf. Ein Nicholas Meyer hätte womöglich den Besten und Stärksten „Star Trek“ Film aller Zeiten aus dem Stoff gemacht. So bleibt ein sehr guter, aber nicht überragender Science Fiction Film in den Filmgeschichtsbüchern stehen.

 

„Star Trek – Nemesis“ ist somit ein überragender, visueller Science Fiction Film, mit einem tollen Tom Hardy und jeder Menge Bombast.

Ich gebe 7/10 Punkte.