Nach „Star Trek – Nemesis“ erlebte die Marke „Star Trek“ eine düstrere Epoche. Die Serie „Enterprise“ wurde nach nur vier Staffeln abgesetzt, der zehnte Ableger „Nemesis“ floppte und Pläne für weitere Filme lagen erst einmal auf Eis. Einige Jahre später, nach etlichen Rechtsstreits mit CBS, gab Paramount nun endlich grünes Licht für ein Reboot. Ein frischer Look sollte her. Action, Humor und ein moderner Anstrich sollten es richten. Als Feuerwehrmann wurde JJ Abrams verpflichtet. Aufgrund der rechtlichen Situation mit CBS wurde den Autoren erlaubt ein Paralleluniversum zu schaffen, welches inzwischen als das „Kelvinverse“ bezeichnet wird. In diesem Universum sollte es möglich sein, alte Geschichten neu zu erzählen, wenn auch stark verändert. Ich gehörte eher zu der Art Fans, die zunächst etwas enttäuscht über die Herangehensweise des Films waren. Mir wurde zu viel Wert auf Action, anstatt auf „Star Trek“ gelegt. Aus heutiger Sicht, war dieser Schritt aber notwendig. Die Marke ist nun Gesund, es sind viele neue Serien im Gespräch und „Star Trek – Discovery“ gehört auf Netflix zu den erfolgreichen Science-Fiction Serien.

 

Kurzer Inhalt

Der Romulaner Nero reißt mit einem mächtigen Zeitschiff aus dem 24. Jahrhundert in der Zeit zurück, um sich bei einem alten Bekannten an der Vernichtung seines Heimatplaneten Romulus zu rächen. Er erschafft dabei ein Paralleluniversum  in welchem wir uns nun befinden. Derweil wird ein junger Jim Kirk für die Sternenflotte rekrutiert und soll Karriere machen um die Fußstapfen seines Vaters füllen. Die erste Mission der sehr jungen Crew, könnte auch schon ihre letzte sein. Denn Nero macht vor nichts halt um sein Ziel zu erreichen. Die Enterprise sieht sich einem fast übermächtigem Gegner gegenüber.

 

Der Cast

Stets jede „Star Trek“ Serie oder beide bisher vorhandenen Kinogenerationen zeichneten sich durch einen hervorragenden Cast aus. Diese spielten nicht nur gut, sondern harmonierten auch untereinander. Es entstand immer eine Art Familie. Ich habe eine Zeit gebraucht, bis ich Chris Pine als Kirk akzeptieren konnte. Immerhin kann man hier sagen, dass er mit jedem Film mehr in die Rolle wächst. Zachary Quinto als Spock macht einen guten Job, er hebt sich deutlich von dem klassischen Spock ab. Er hat viel mehr menschliche Aspekte in seiner Darstellung und reagiert öfter auch mal emotional. Das kann man mögen oder nicht, gibt der Figur aber eine gewisse Tiefe. Karl Urban als Pille? Das voll und ganz gelungen. Urban gibt den mürrischen und sarkastischen Doktor absolut glaubhaft und ist ziemlich erfrischend. Stets ein Spruch auf den Lippen oder seine 0 Bock Attitüde, er ist mein absoluter Lieblingscharakter des Reboots. Aber es gibt auch Schattenseiten. Wo sind die Wortgefechte zwischen Spock und McCoy? Was ist mit Spocks unverwechselbare Kühlheit? Wohin ist Kirk’s Charme? Alles absolut nicht vorhanden. Man merkt dem Ensemble an, dass sie ihre Rolle noch nicht verinnerlicht haben und es noch einfach an gewissen Dingen fehlt. Was man sich allerdings bei der Darstellung von Scotty (Simon Pegg) gedacht hat, bleibt wohl für immer ein Rätsel im Subraum. Man kann aber sagen, die Schauspieler wachsen im laufe der anderen beiden Filme deutlich stärker zusammen und steigern sich allesamt.

 

Das Kelvinverse

Wie eingangs erwähnt, hatte Abrams die Option, über ein Paralleluniversum vertraute Geschichten und Figuren in einem neuen Licht darstellen zu können. Es gibt deshalb viele starke und weniger starke Änderungen in dieser Filmreihe. So wurde z.B. die Enterprise auf der Erde gebaut und nicht in einem Raumdock wie im Primeuniversum. Die wohl größte und von den Auswirkungen gravierendste ist, dass Planet Vulkan in diesem Film weggesprengt wird. Das macht die Vulkanier ab sofort zu einer gefährdeten Rasse. Ach und Spock und Uhura führen eine Beziehung. In den anderen Filmen sollten noch einige anderen Änderungen hinzu kommen. Es gibt gewiss noch viel mehr, aber das würde den Rahmen hier sprengen.

 

      

Neues Design

Die Raumschiffszenen in „Star Trek“ sind im Grunde sehr gut geworden. Das äußere Schiffsdesign kann sich sehen lassen. Die Schiffe der Flotte sind schnittig, sehen wirklich aus wie aus einer „fernen Zukunft“ und man hat das klassische Design dennoch respektiert. Das Innere der Enterprise gleicht allerdings einem unstrukturierten Chaos. Man fühlte sich sonst immer auf einem Sternenflottenschiff wie zuhause. Jedes Schiff hatte immer diese besondere warme Atmosphäre. Die „JJ Abrams Enterprise“ hingegen wirkt von Innenleben eher ausladend und kalt. Von Atmosphäre keine Spur. Es gleicht eher einem sterilen Krankenhaus als einem Raumschiff. Der Maschinenraum incl Wasserrutschenkühlung hat mir dann den Rest gegeben. Dieses Design hält sich durch alle drei Filme, was ich schade finde. Man hätte etwas nachbessern müssen. Es entsteht nicht das Gefühl „ach, auf diesem Schiff möchte ich gerne Dienst tun“ wie z.B. auf der Enterprise -D. Aber das ist mein Geschmack und den haben sie mit diesem Design nicht getroffen. Die Außensets, das Shuttlehangar, die Bar, alles hat einen gewissen exotischen Touch, was ich inzwischen ganz gerne mag. Trotzdem will sich klassisches „Star Trek“ Gefühl nicht einstellen. Dieser, und auch die anderen Nachfolger, fühlen sich eher an wie etwas Neues, eigenes mit dem Namen „Star Trek“ oben drüber. Ob man diese neue Richtung mag oder nicht, muss jeder für sich entscheiden.

 

   

 

 

Die Fans

JJ Abrams hätte eigentlich wissen müssen, dass man die Fans mit diesem Stilwechsel nicht grade begeistern würde. Die Idee des „Kelvinverse“ kam sehr zwiegespalten bei den Trekkies an. Die Macher sahen sich harter Kritik ausgesetzt und bekamen ordentlich Gegenwind. Jedoch muss man sagen, sie haben ihren Weg konsequent zu Ende geführt und Ihre eigene Version von „Star Trek“ geschaffen. Die Filmreihe hat darüber hinaus einige neuen Fans für „Star Trek“ und Science Fiction allgemein gewonnen und das ist das Wichtigste. Ich kenne viele Trekkies die erst durch diesen Film heran geführt wurden und nun begeistert „The Next Generation“ oder auch „Star Trek – Discovery“ gleichermaßen lieben. Und damit haben JJ Abrams und Paramount ihr Ziel erreicht. Als alteingesessener Fan muß man die Notwendigkeit einer Stiländerung einsehen und entweder mittragen oder eben nur noch die bereits vorhandenen Filme und Serien schauen. Ich persönlich bin offen für Neues und schaue den Film inzwischen sehr gerne mal.

 

Fazit

Gedacht als neue Richtung und erfüllt „Star Trek“ alle Anforderungen eines guten Science Fiction Films. Er scheitert leider an den klassischen „Star Trek“ Erkennnungsmerkmalen, was aber durchaus gewollt gewesen ist. Dieser erste Teil hat noch mit Kinderkrankheiten zu kämpfen, schwächelt am Innendesign der Schiffe, punktet aber mit seinen starken Effekten und einen genialen Karl Urban. Darüber hinaus fügt er Figuren neue Elemente und Charaktereigenschaften hinzu. „Star Trek“ leidet leider an einem ziemlich schwachen Drehbuch und versucht dieses mit optischer Opulenz auszugleichen. Ich finde en Film als Neustart zwar gelungen, er hat aber dramaturgische Mängel, grade was das „Star Trek“ Thema angeht. So  fehlt z.B. jegliche Message des Films. Mit teil zwei bzw. „Into Darkness“ sollte es aber einen deutlichen Satz nach vorne geben. Erwähnenswert bleibt noch der gute Soundtrack, grade die moderne Version des TV Themes ist richtig cool geworden.

6/10 Punkte.