Nicht alle waren nach dem ersten „Star Trek“ im Kelvinverse begeistert. Zu viele Änderungen, zu viele Ungereimtheiten, zu viel Dies, zu viel Das. Im Grunde störte mich persönlich nur der etwas holperig agierende Cast, der sich noch nicht zu 100% gefunden hatte. Bei „Star Trek – Into Darkness“ hingegen, fühlt sich alles sehr viel runder und ausgereifter an. Der neue Weg, und vor allem der neue Look wird aber konsequent weiterverfolgt. „Star Trek – Into Darkness“ ist eine neue Erzählweise rund um Kirk’s gefährlichsten Gegner: Khan.

 

Kurzer Inhalt

Nach einer missglückten Außenmission, werden Kirk und eine Crew zur Erde zurückgerufen. Durch eine selbstlose Rettungstat, verletzte Jim Kirk die oberste Direktive, nach der sich Sternenflottenoffiziere unter keinen Umständen in das Leben und die Kultur weniger entwickelter Rassen einmischen dürfen. Als Konsequenz wird er degradiert und dient der Enterprise fort an nur noch als erster Offizier. Während einer Besprechung aller Führungsoffiziere und Kapitäne wird das Sternenflottenkommando Opfer eines Bombenanschlags. Wer steckt hinter diesem feigen Attentat ? 

 

Ich gebe zu, auch ich hatte meine Zweifel ob die Macher rund um JJ Abrams es schaffen würden, Fehler des Vorgängers wett zu machen und dem neuen „Star Trek“ Universum den Geist und die Trademarks der bekannten Serien und Filme einzuverleiben. „Star Trek – Into Darkness“ ist auf jeden Fall eine deutliche Steigerung, auch wenn dieser Film mit einigen fragwürdigen Szenen zu kämpfen hat. Aber vorab: Der Positive Teil überwiegt. „Star Trek – Into Darkness“ ist mit Abstand der düsterste Teil der drei Filme. Warum das so ist, dazu komme ich gleich.

 

Seltsame Tauchgänge und verkehrte Welten

Die ärgerlichste Situation gab es gleich am Anfang. Die heroische „Auftauchszene“ der Enterprise ist wohl das unnötigste in Szene setzen eines Raumschiffes, seit Anbeginn der Science Fiction. Das übertrifft sogar den notgewasserten Data. Warum beamt man nicht auf den Planeten oder nimmt ein Shuttle? Die Erklärung ist ganz einfach, die Produzenten wollten eine dramatische und fast schon Michael Bay’sche erste Szene des Films mit der USS Enterprise. Ich fange jetzt nicht davon an, dass das Schiff nicht für Unterwassereinsätze gebaut wurde, nein, die ganze Sequenz ist eine Farce. Sie bildet zugleich den Aufhänger für Kirk’s Degradierung. Mir ist das ein wenig zu drüber und erinnert eher an einen leichten Science Fiction Film mit miesem Skript, als an einen anspruchsvollen „Star Trek“ Kinofilm. Genug aufgeregt, denn die nachfolgenden Minuten von „Star Trek – Into Darkness“ sind wirklich toll und bieten viel Material für Fans. Z.B. das Auftauchen der aus „Star Trek Deep Space Nine“ bekannten Sektion 31.

Im Grunde kehren einige Figuren, die wir aus „Star Trek II – Der Zorn des Khan“ bereits kennen, wieder. Wir haben z.B. Dr. Carol Marcus, die hier eine ganz andere Rolle in Kirk’s Leben inne hat, als im Original. Dann wäre da der großartige Benedict Cumberbatch als Khan. Mit einem leichten Hang zum Overacting, aber doch diabolsich, schafft er seine ganz eigene Version von Kirks Gegenspieler. Er verpasst der Figur damit eine weitere Facette, die wir aus der Serie und aus dem Original noch nicht kannten. Die Nachvollziehbarkeit seiner Handlungen bleibt dabei –wie auch im Original– erhalten, so dass man durchaus Verständnis für Khans Handlungen aufbringen kann. Auch wenn dieser Khan ein ganz anderer ist, als unser bekannter Antagonist, hat man doch höchsten Respekt vor seiner Unberechenbarkeit. Cumberbatch’s Khan ist die wohl beste Figur der drei Kelvinverse Filme und setzt damit einen Meilenstein im Bereich der „Star Trek“ Bösewichte. Der Unterschied ist: Khan ist diesem Film eher ein kühler Psychopath, als ein von Rache getriebener Übermensch.

 

                    

 

Der Cast

Hier hat sich eine Menge getan. Auch wenn noch nicht alles wirklich harmonisch wirkt, so konnten die Stärken des Ensembles noch mal eine Schippe drauf legen. Es ist ein Fest, Spock und Pille zusammen zu sehen und auch Chris Pine wächst in seine Rolle hinein. Scotty’s Comic Relief wurde etwas herunter geschraubt, was ich als ganz angenehm empfunden habe. Uhura, Sulu und Chekov haben alle ihre Momente, aber auch dieser Film setzt sich eher auf die drei Hauptfiguren. Zu erwähnen wäre noch „Robocop“ Peter Weller, der eine sehr starke und facettenreiche Leistung abliefert. Überhaupt finden sich sehr viele Figuren, die alles andere als oberflächlich gehalten sind. Mir gefällt besonders, dass hier keine Figur schwarz oder weiß gehalten ist, sondern grade die Antagonisten eher in Grauzonen verfallen. Toll, dass man auch dafür die richtigen Darsteller gefunden hat. Sehr angenehm, und Gruß an dieser Stelle an Marvel, die es mit ihren Bösewichten meistens nicht schaffen. Trotz des Lobes finde ich Spock noch immer zu weit von Leonard Nimoy’s ikonischen Charakter entfernt und kann mich nicht so recht mit ihm anfreunden.

 

Highlights

Wie auch beim Vorgänger lebt „Star Trek – Into Darkness“ von seiner optischen Opulenz. Wir bekommen viel mehr von der Sternenflotte zu sehen. Die Basen und Außenposten sehen phantastisch aus. Stärkste Szene hierbei ist der Kampf USS Vengeance gegen USS Enterprise und ihr bitteres Ende. Einfach bombastisch! Hier lässt der Film definitiv seine Blockbuster-Attitüden heraushängen. Da ist aber gar nicht schlimm, denn der Mix von „Star Trek – Into Darkness“ passt einfach. Ein weiterer Höhepunkt ist das Finale des Films. Verkehrte Welt deshalb, weil hier ein ähnliches Ende wie beim Original durchgezogen wird, allerdings mit etwas weniger Konsequenz. Nichts desto trotz habe ich damit nicht gerechnet, und wurde zum Schluss nochmal überrascht. Wie immer kann ich noch den Soundtrack erwähnen, den dieser ist, wie meistens, toll.

 

Fazit

„Star Trek – Into Darkness“ ist wieder ein Film für Franchise-Neulinge, als auch für alte Fans. Diese sollten aber offen sein für das neue Universum und sich im Klaren sein, dass eine Modernisierung von „Star Trek“ unbedingt nötig ist. Wir wollen doch noch lange Freude an diesen Figuren haben! Wer sich dessen verschliesst, wird auch mit keiner der ankündigen neuen Serien Spaß haben. „Star Trek – Into Darkness“ hingegen bietet einen tollen Cast, klasse Raumschiffe, die richtige Prise Humor und einen starken Antagonisten, der im Gedächtnis bleibt. Auch wenn ich selber 2013 zu jenen Fans gehörte, die Schwierigkeiten mit diesem Universum hatten, kann ich aus heutiger Sicht sagen: Gut gemacht.

Wegen der unfassbar dämlichen Eröffnungssequenz ziehe ich Zwei Punkte ab. Und gebe 8/10 Punkte.