Beim Namen Sabrina Spellman dürfte es vor allem bei den Kindern der Achtziger und Neunzieger klingeln, denn ab 1998 flimmerte die bezaubernde Teenager-Hexe auch über deutsche Bildschirme. In der Sitcom Sabrina – Total verhext! wurde den Zuschauern eine Hauptfigur präsentiert, die bei ihren beiden Tanten lebt und an ihrem sechzehnten Geburtstag erfährt, dass sie eine Halbhexe ist. Beim Versuch ihre magischen Fähigkeiten im Laufe der Serie unter Kontrolle zu bringen, stehen ihre die Tanten Zelda und Hilda, der sprechende Kater Salem – eigentlich  ein verwandelter Hexer – sowie  ihr Vater zur Seite, der aus dem Anderen Reich, in dem er als Hexer lebt, ab und an mit ihr kommuniziert. Das quietschbunte Konzept von der Teenager-Hexe, der, durch ihre unausgereiften Fähigkeiten, allerhand Missgeschicke passieren, ging auf. Eingespielte Lacher, ein rosafarbenes Teenie-Zimmer und Sabrinas Schulkamerad und Crush, der Footballspieler Harvey, machten das leichte und lockere Sitcom-Erlebnis perfekt und die Serie auch in Deutschland erfolgreich.

 

Die Sabrina, die uns Warner Bros. und Netflix im Jahr 2018 vorstellen, kommt weitaus weniger unbeschwert und deutlich düsterer daher. Den finsteren Touch verdankt die Serie der Archie Comic-Vorlage sowie dem Produktions- und Filmteam der Serie Riverdale, die im gleichen Universum spielt und ebenfalls auf den Archie Comics basiert.

 

In The Chilling Adventures of Sabrina weiß die Fünfzehnjährige aus Greendale bereits um ihre Abstammung väterlicherseits und ihre damit einhergehenden Fähigkeiten. Die Tanten Zelda und Hilda haben sie mit einer tiefen Verbundenheit zur Welt der Hexen großgezogen, nachdem Sabrinas Eltern starben, und sie auf ihre Rolle als Dienerin Satans vorbereitet. Zu ihrem sechzehnten Geburtstag soll Sabrina den Bund mit dem Herrscher der Unterwelt eingehen und im Rahmen einer Zeremonie ihre Treue schwören, um Zugriff auf seine düstere und mächtige Magie zu erlangen. Doch diese Kräfte verlangen einen Preis: Sabrina soll die Welt der Sterblichen hinter sich lassen und damit ihre Freunde und ihren geliebten Harvey aufgeben, um voll und ganz unter Hexen und Hexern zu leben. Den Alltag mit Freunden an der High School gegen ein Leben an einer geheimen Hexenakademie zu tauschen, kann sich die junge Halbhexe jedoch nicht so recht vorstellen.

 

Bei dem Versuch ihre Geschicke selbst zu lenken und den mysteriösen Nebel um die Geschichte Greendales und ihrer eigenen Familie Stück für Stück zu lüften, scheinen Sabrinas Interessen mit denen höherer Mächte zu kollidieren. Dunkle Magie, Dämonen, blutige Rituale und finstere Widersacher sind nur einige Hürden, die die Halbhexe nehmen muss, um sich zu behaupten.

 

Serien, die den Hunger der Zuschauer auf Mystik, Magie und Höllenwesen zu stillen versuchen, sind für Bildschirm-Junkies nichts Neues. Buffy im Bann der Dämonen, Supernatural, Grimm oder auch Hemlock Grove sind nur einige sehr prominente Serienbeispiele, die sich auf ähnliche Weise am übernatürlichen und mystischen Stoff bedienen. The Chilling Adventures of Sabrina reiht sich in diese Tradition weitgehend ein und erfindet das Genre bei Weitem nicht neu. Liebhaber des Düsteren und Fans der Sitcom Sabrina – Total verhext! dürften mit dieser Netflix-Perle jedoch jede Menge Freude haben. Bekannte Charaktere werden den Zuschauern hier in neuer Aufmachung und mit anderen Hintergrundgeschichten präsentiert, der Neunziger-Sitcom-Humor durch Jump-Scare-Elemente ersetzt und jeder noch so große Blutdurst gestillt. Garniert wird dieser vielversprechende Cocktail noch mit einem Hauch gesellschaftskritischer Fragen, die in die Handlung eingebettet sind ohne dabei gezwungen zu wirken. So finden Themen wie Feminismus, dezente, humoristische Religionskritik und Tabus in Fragen der Sexualität einen Platz zwischen Hexen, Geistererscheinungen und dem Beelzebub selbst.

 

Bei aller Freude an dunklen Wesen und gruseligen Blaufilter-Nebel-Szenen muss der Zuschauer jedoch den einen oder anderen Wermutstropfen hinnehmen.

Trotz der herausragenden Performance von Kiernan Shipka als Sabrina, sorgt die junge Halbhexe mit ihrer Kopflosigkeit und Unbedachtheit in einigen Situationen für Kopfschüttelmomente. Dem Betrachter vor dem Bildschirm wollen sich ihre Handlungsmotive und ihr Drang, sich in unmögliche Gefahr zu bringen, nicht immer erschließen. Wird Sabrina zu einem Zeitpunkt der Handlung als besonders besorgt um Freunde und Familie gezeigt, handelt sie wenig später so, als würde sie deren Bedürfnisse und Interessen kaum berücksichtigen. Der Zuschauer erlebt die Figur fürsorglich und oft von Gefühlen übermannt, ebenso häufig aber kühl, abgeklärt und mit augenscheinlich recht egoistischen Motiven. Es wird nicht ganz klar inwiefern die Unbeständigkeit der Hauptfigur in ihrem Handeln und Auftreten zum Konzept gehört.

 

Für einen bitteren Beigeschmack sorgen auch die holprige Kameraführung der ersten Folgen und der Blurry-Effekt an den Bildrändern und in den Hintergründen diverser Szenen, welcher konsequent bis zum Ende der Staffel wieder und wieder zum Einsatz kommt. Die verschwommenen Ränder sollen allem Anschein nach die Szenen stimmungsvoll unterstreichen, in denen Magie eingesetzt oder eine magische Präsenz angekündigt wird. Häufig stört dieser Effekt jedoch den Genuss und sorgt für unkontrolliertes Augenzusammenkneifen.

Zudem ist hie und da eine düstere oder brutale Szene theatralisch derart überspitzt, dass sie ein wenig zum Schmunzeln einlädt.

 

Unterm Strich macht die erste Staffel von The Chilling Adventures of Sabrina einen guten Gesamteindruck. Vor allem aber macht sie Spaß und sorgt für Gänsehaut. Schnitzer und Ungereimtheiten in der Gestaltung der Protagonistin trüben das Erlebnis nur geringfügig. Wer nach neuer Unterhaltung im Bereich düster-mystischer Serien mit einem ordentlichen Spritzer Blut sucht, wird mit diesem Format seine Abende gut füllen können.

 

 

 

Bilder: Eigentum von Warner Bros. Entertainment