Bevor Ihr irgendwas von diesem Artikel lesen solltet, seid gewarnt: Es folgen definitiv Spoiler zum Film Phantastische Tierwesen. Grindelwalds Verbrechen. Solltet Ihr den Film also noch nicht gesehen haben, rate ich davon ab, weiterzulesen – außer Spoiler sind euch egal.

 

Also, nochmal die obligatorische Spoilerwarnung in Form eines Gifs.

 

Noch da?

Okay.

In Grindelwalds Verbrechen kommt es in den letzten Minuten des Films zu einer großen Enthüllung, welche vielen Potterheads ein Fragezeichen ins Gesicht zaubern wird.
Ich versuche diese Enthüllung mal etwas zu analysieren.

 

Die Enthüllung

In den finalen Minuten eröffnet Gellert Grindelwald dem jungen Credence Barebone, dass er in Wahrheit niemand geringeres als Aurelius Dumbledore sei – ein Bruder von Albus Dumbledore, von dem bisher niemand etwas wusste.
Er „beweist“ ihm dies mit einem Zitat, das Dumbledore am Anfang des Films fallen ließ. Demnach kommt jedem Dumbledore, der Beistand benötigt, ein Phoenix zur Hilfe – und Zack erscheint ein Phoenix.
Außerdem verkündet er ihm, dass Dumbledore ihn töten wolle.

Doch wie kann das eigentlich hinhauen?
Dafür habe ich mir 3 Möglichkeiten überlegt.

Die 3 Optionen

Der erste Ansatz beschäftigt sich damit, dass Grindelwald hier zum Teil die Wahrheit gesagt hat. Bevor wir hier jedoch weitermachen, müssen wir kurz in die Familiengeschichte der Dumbledores eintauchen:
Wir wissen, dass Dumbledores Vater Percival ungefähr 1891 nach Askaban gebracht wurde und dort stirbt (das Jahr ist nicht genau bekannt).
Im Juni 1899 wird Kendra Dumbledore (die Mutter von Albus) bei einem Ausbruch von Ariana Dumbledore (der Schwester von Albus, die vermutlich ein Obscurus wie Credence war) getötet. Seine Schwester Ariana stirbt im August 1899 bei einem Duell zwischen Albus, Aberforth (seinem Bruder) und Grindelwald. Das Alter von Credence ist leider nicht einfach zu bestimmen. Der Schauspieler Ezra Miller ist zurzeit 26 Jahre alt.
In einem Interview, soll er angeblich verraten haben, dass sein Charakter Credence 18 Jahre alt sei (zur Zeit des ersten Films). Jedoch ist dieser Link zum Interview nicht mehr aufrufbar und ich selbst konnte dieses Interview sonst nirgendwo finden. Von Wikis, die jeder bearbeiten kann, ohne eine Quelle zu liefern, brauchen wir gar nicht reden.
Nehmen wir jetzt einfach mal an, Credence wäre etwas älter, als sein Schauspieler – ca. 28 Jahre. Dann könnte sich mit viel Biegen und Brechen die Chance auftun, dass Albus Dumbledore sein Bruder sein könnte – mütterlicherseits.
Wir wissen, dass Grindelwalds Verbrechen im September 1927 spielt (abgesehen von der Eröffnungsszene). Eine Möglichkeit wäre, dass Kendra Dumbledore, bevor sie starb, einen Sohn bekam – von einem anderen Mann.
Dieser wurde jedoch aus unbekannten Gründen „weggegeben“, weshalb er sich auf einem Schiff Richtung Amerika befand und dort mit Corvus Lestrange ausgetauscht wurde. Dagegen spricht der Gedanke, dass Credence in den FIlmen selbst noch recht jung wirkt. Und erinnern wir uns an den ersten Film – da lebte er noch im Waisenhaus. ein 27 jähriger Waise ist schon ungewöhnlich. Außerdem glaube ich nicht, dass die beiden Dumbledore-Söhne, die bereits  Hogwarts besuchen, ihren Bruder weggeben würden. Aber gut.
UPDATE: Mir ist klar geworden, dass Credence nie im Leben der Sohn von Kendra Dumbledore sein kann.
Wie wir wissen, starb sie 1899. Wir wissen, dass Newt und Leta ungefähr gleich alt sind und dass Newt 1897 geboren wurde – später sehen wir eine Rückblende, wie eine ca. 10 jährige Leta  ihren Bruder austauscht – das kann alleine von der Logik der Jahreszahlen her NIEMALS das Kind von Kendra Dumbledore sein.
UPDATE2: Das Skript zum Film zeigt, dass das Schiff im ahr 1901 sinkt – das wäre also auch das ungefähre Geburtsjahr von Credence.

 

Eine andere Theorie würde ansetzen, wenn Credence zur Zeit des ersten FIlmes 18 Jahre alt sei – somit also in Grindelwalds Verbrechen vermutlich 19. Hierbei dreht es sich um den Vater von Dumbledore.
Da wir nicht genau wissen, wann er eigentlich starb, lässt auch er einen gewissen Spielraum für eine Zeugung. Das einzige Problem: Er saß in Askaban ein und seine Frau starb 1899. Hier wäre eine Zeugung nur möglich, wenn er in Askaban viel später als angenommen starb und er irgendwie eine Hexe schwängern konnte, die „zu Besuch“ war (und vermutlich auch heiraten, wenn wir davon ausgehen, dass es mit dem Nachnamen bei den Zauberern so ähnlich läuft, wie bei uns).
Wesentlich unwahrscheinlicher – aber von der „Logik“ her, dass der Phönix zu jedem Dumbledore kommt, würde die Variante des Halbbruders nur Sinn ergeben – da Kendra vom Blut her ja keine Dumbledore sei, sondern nur vom Namen.

Überzeugt mich persönlich noch nicht wirklich – aber wer weiß, was J.K. Rowling dort noch für Informationen raushaut.

Was uns zu unserem zweiten Ansatz führt – Grindelwald lügt.
Momentan tendiere ich eher zu dieser Idee.
Der gesamte Film dreht sich darum, dass Grindelwald einfach nur Credence rekrutieren will. Er braucht ihn, da nur dieser Dumbledore töten könne – Grindelwald selbst sind die Hände gebunden, aufgrund des Blutschwurs zwischen ihm und Albus.
Doch welche Hinweise haben wir darauf, dass Grindelwald lügt?
Wenn wir jetzt mit der Logik herangehen, kann Credence aufgrund des Alters unmöglich das Kind von Kendra UND Percival Dumbledore sein. Und auch die anderen oben genannten Theorien sind ziemlich brüchig – möglich, aber brüchig.
Wenn wir uns jetzt an den ersten Film zurückerinnern, dann hat Grindelwald jedoch absolut keine Ahnung, wer eigentlich der Obscurus ist. Er hält Credence einfach nur für einen Squib und glaubt, dass seine „Schwester“ Modesty der Obscurus sei, den er für seine Zwecke nutzen will. Das zeigt mir, dass Credence aka „Aurelius“ absolut nicht zu dem ursprünglichen Master-Plan von Grindelwald passt. Vielmehr schlägt der dunkle Magier hier einen Vorteil aus der entstandenen Situation. (Natürlich kann es auch sein, dass Grindelwald durch seine magische Totenkopf-Shisha mit der altdeutschen Schrift darauf um die wahre Herkunft des Jungen erfahren hat.)
Und hier kommen wir wieder zu dem Gedanken zurück, dass Grindelwald Credence braucht, um Dumbledore zu töten – aufgrund des Blutschwurs dürfen sich beide nicht angreifen und Grindelwald (anders als Dumbledore) versucht gar nicht erst diesen Schwur zu brechen, da er offenbar weiß, dass ein Kampf der beiden nicht unbedingt zu seinen Gunsten ausgehen könnte.
Er verwandelt Credence also in eine Waffe, von der er ganz genau weiß, dass sie bei Albus einen besonderen Effekt auslösen wird – wenn Ariana ein Obscurus war (und davon gehe ich jetzt aus), dann wird Albus diesen aus Scham/Schuld nicht bekämpfen, da er selbst sich für den Tod seiner Schwester verantwortlich macht. Somit könnte Credence seinen vermeintlichen Bruder töten, da dieser zögern wird.
„Aber dann macht der Phönix, der als Beweis dient, doch gar keinen Sinn!“ werdet Ihr jetzt sagen. Doch da frage ich euch: Was genau haben wir beobachtet?
Der Phönix kam nicht plötzlich zu „Aurelius“ – Grindelwald „warf“ das Küken, welcher sich daraufhin in einen Phönix verwandelte – es kann also sein, dass er dies gekonnt insziniert hat.
Kurz vor dem finalen Akt offenbart Grindelwald auch, dass „alles vorbereitet sei“ (sinngemäß), um Credence auf seine Seite zu ziehen. Dies könnte in der Tat implizieren, dass all dies nur ein Schauspiel des dunklen Magiers sei und an der Herkunft nichts Wahres zu finden ist. Im Prinzip lügt er Credence ja auch offen ins Gesicht, als er ihm erzählt, dass Albus Dumbledore ihn töten wolle.

FANTASTIC BEASTS: THE CRIMES OF GRINDELWALD
EZRA MILLER as Credence
Credit: Warner Bros. Pictures

 

Mir persönlich gefällt diese Option am ehesten, dennoch gibt es noch einen dritten Ansatz – J.K. Rowling hat einfach erneut Mist gebaut.
Es wäre nichts neues, dass Rowling gerne selbst ihrem Kanon widerspricht – das Theaterstück Das Verwunschene Kind steht gerade deshalb bei vielen Fans in der Kritik und wird von einigen als „schlechte Fanfiction“ angesehen.
Doch auch Grindelwalds Verbrechen hält bereits einen gigantischen Patzer von Seitens Rowling bereit: Minerva McGonagall ist zur Zeit des Films (1927) Professorin in Hogwarts. Es wird sogar gezeigt, dass sie viel früher bereits dort unterrichtete – als Newt und Leta zur Schule gingen.
Dies haut absolut nicht hin. Wir können durch die Fakten der Bücher und von Pottermore darauf schließen (und das mit unwiderlegbarer Gewissheit), dass McGonagall am 14. Oktober 1935 geboren wurde. Und selbst, wenn dieses gelegte Alter sich als falsch erweisen sollte, dann widerspricht sich dieser Auftritt dennoch mit den Büchern – laut denen unterrichtet Minerva im Dezember 1995 nämlich seit 39 Jahren – es ist also schlicht unmöglich, dass sie 1927 in Hogwarts unterrichten kann.
Da ist Rowling ein gewaltiger Patzer passiert und es wäre nicht verwunderlich, wenn ihr das mit Credence/Aurelius Dumbledore erneut widerfahren wäre.
Wer weiß, vielleicht ist der Aufschrei der Fans so groß, dass Rowling um diesen Patzer in den nächsten Filmen herumschreibt und eine neue Lösung präsentiert.

 

Es sind 3 Ansätze, von denen alle irgendwie wackelig sind, aber auf einen wird es hinaus laufen.

Wie seht Ihr die Thematik?
Lasst es uns in den Kommentaren wissen – aber bitte achtet darauf, dass ihr vor Spoilern warnt, damit die Unwissenden sich im Kino noch überraschen lassen können.