Das Geheimnis von Marrowbone 

 

Verhangene Spiegel, merkwürdige Flecken an der Decke und düstere Räume, die niemand mehr betritt – im Haus Marrowbone gibt es ein Geheimnis. Die vier Geschwister, die hier leben, versuchen es so gut wie möglich zu bewahren. Doch Einsamkeit und Angst machen ihnen zu schaffen und wieder und wieder droht die Wahrheit regelrecht aus der Wand zu brechen. Regisseur Sergio G. Sánchez konnte bereits mit seinen Drehbüchern zu THE ORPHANAGE und THE IMPOSSIBLE unter Beweis stellen, dass er ein Händchen für Spannung hat. Mit MARROWBONE liefert er jetzt sein englischsprachiges Regiedebüt, und präsentiert einen betörend geheimnisvollen, unheimlichen Fantasy-Grusler, der beim Toronto Film Festival Weltpremiere feierte. Statt einfallsloser Schockmomente setzt Sánchez auf dichte Atmosphäre und einen durchweg starken Cast aus Nachwuchsdarstellern, die den meisten aus STRANGER THINGS, CAPTAIN FANTASTIC oder THE WITCH bekannt sein dürften.

 

CREDITS

REGIE

Sergio G. Sánchez

DARSTELLER

George MacKay, Anya Taylor-Joy, Charlie Heaton, Mia Goth, Matthew Stagg, Kyle Soller

DREHBUCH

Sergio G. Sánchez

PRODUZENT

Belén Atienza, Álvaro Augustin, Ghislain Barrois

VERLEIH

Universum Film

Quelle:Fantasy Filmfest

 

Atmosphäre ist alles!

Wenn ich höre, dass die Spanier einen neuen Horrorfilm auf diversen Festivals präsentieren, steigt die Freude. So sind in den letzten Jahren stets einige Perlen von dort gekommen. Filme wie „The Body“, „Das Waisenhaus“ oder auch das Meisterwerk „Pan’s Labyrinth“ kommen aus Spanien. Regisseur Sergio G. Sánchez beschert und mit „Das Geheimnis von Marrowbone“ einen soliden Gruselfilm mit ein wenig dunkler Romantik garniert. Wir befinden uns auf dem Anwesen der Familie Marrowbone, welches einen äußerst zerfallenen Eindruck macht. Ungepflegter Garten, Schimmelflecken an der Decke, Kaputte Einrichtung und abgehangene Spiegel. Das Haus macht einen tristen Eindruck und schafft gleichzeitig eine Gefühl des Unwohlseins. Irgendetwas stimmt hier nicht. Dieses Gefühl zieht sich durch den Film bis hin ins Finale, wo die Vermutungen natürlich bestätigt werden. Auffällig ist, dass es hier keinerlei klassische Schockmomente bzw. Jumpscares gibt, sondern intelligent getimte Spannungsmomente aufwarten. So filmt die Kamera mal in einen Deckenzwischenraum oder mal um die Ecke, mal auch durch Bettlacken hindurch usw. Klassischer Grusel eben. Den Rest erledigt das eigentliche Küstendorf. Alles sehr idyllisch, es gibt einen Wald, einen Schädelfelsen direkt am Wasser oder eben entlegene Wege und einen Strand. Es ist alles ziemlich stimmig und lädt zum träumen ein. Wäre da nicht das ungute Gefühl…

 

Der Cast

Das Ensemble besteht größtenteils aus eher unbekannteren Darstellern. George MacKay kennt man evtl. noch aus „Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück“. Aber die beiden bekannteren Darsteller sind Anya Taylor-Joy (The Witch, Split) und Mia Goth (A Cure for Wellness, Everest, Suspiria). Insgesamt macht die Darstellerriege aber einen guten Eindruck und harmoniert sehr schön. Anya Taylor-Joy spielt einen eher außenstehenden Charakter, die mehr oder weniger in die Geschehnisse hineingeworfen wird und dessen Rolle nach hinten raus immer stärker wird. Sie macht ihre Rolle gewohnt souverän, ich kann mich bisher an keinen Totalausfall erinnern. Jeder, der „The Witch“ gesehen hat, weiß was für eine Leinwandpräsenz sie hat. Ich bin der Meinung, dass sie die nächste große Horrorqueen werden könnte und in die Fusstapfen einer Jamie Lee-Curtis oder Vera Farmiga treten kann. Der nachte Coup mit „Glass“ steht bereits Anfang des Jahres an. Ich finde aber toll, dass sie sich auch für kleinere Filme nicht zu schade ist und diese mit der gleichen Hingabe spielt.

 

                  

 

Technisches

„Das Geheimnis von Marrowbone“ ist handgemacht. Keine CGI Effekte, alles ist per Make-up, mit Kostümen und räumlichen Gegebenheiten gemacht. Grade der verwinkelte Dachstuhl der Hauses ist wirklich toll hergerichtet und lädt die Kamera quasi dazu ein, aus unmöglichen Winkeln und Perspektiven zu Filmen. Bei so einem Set, ist auch kein Computer notwendig. Der Soundtrack hält sich etwas zurück. Er unterstreicht einzelne Momente, steigert sich wenn es von Nöten ist. Er ist aber zu keiner Zeit bombastisch oder zu sehr drüber. Leider ist der Score aber auch nichts Besonderes. Der Schnitt ist gut. Einzelne Kameraaufnahmen sind wie ein Gemälde, Stichwort Strand. Hier wurde wirklich gute Arbeit geleistet.

 

Fazit

Nach dem ganzen Positiven gibt es leider auch einen großen Negativpunkt. Das ist nämlich das Drehbuch. Wer etwas über den Tellerrand schaut und hin und wieder kleinere Filme sichtet, der wird leider nach ca. einer Stunde wissen, worauf der Film hinaus will. Ich kann dazu jetzt nicht viel mehr sagen, ohne zu Spoilern. Nur die Konsequenzen für die einzelnen Figuren sind bis zum Schluß nicht abzusehen. Nichts desto trotz ist „Das Geheimnis von Marrowbone“ spannend bis zum Ende und punktet am Schluß mit seiner düster-romantischen Wendung bzw. die Entscheidung die Anya Taylor-Joy’s Charakter trifft. Auch hier haben wir wieder erneut einen Genremix aus Drama, Horror und Liebesfilm. Das Ergebnis steht weit über die meisten aktuellen Horrorfilme. „Das Geheimnis von Marrowbone“ ist intelligent gefilmt, besitzt einen starken Cast und weiß bis zum Ende zu unterhalten. Ebenso hat der Film keinerlei Längen, da selbst der Besuch eines Anwalts spannend inszeniert ist. Wer allerdings eine Splatterorgie erwartet, der ist hier völlig an der falschen Adresse. Wenn man sich auf leichten Grusel mit einer tollen Geschichte einlassen kann, wird man jedoch belohnt.

Ich gebe somit 7/10 Punkte.  Die Pointe ist doch etwas zu offensichtlich gewesen.