Aus dem Hexenwoche-Archiv | Jahr 1992 | Reprint zu Ehren des 58. Geburtstages von Kenneth Branagh

 

Die Hexenwoche freut sich außerordentlich ihren Leserinnen endlich das langerwartete Interview mit dem begnadetem Zauberer und Autor Gilderoy Lockhart  präsentieren zu dürfen.  Anlass für das Gespräch zwischen unserer Promi-Reporterin Isolde Igglesmith und dem fünfmaligen Gewinner des Preises für das charmanteste Lächeln bietet nicht nur der neue Bestseller Zauberisches Ich. Kürzlich erst erhielt Lockhart  die dringende Bitte seines alten Freundes Albus Dumbledore, als Lehrer in Verteidigung gegen die Dunklen Künste an der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei vorstellig zu werden. Mehr über seine neue Berufung, seine Motivation Bücher zu schreiben und seine Traumfrau finden Sie nur hier in unserem ausführlichen Promi-Interview.

 

Isolde Igglesmith: Mr. Lockhart, schön Sie zu sehen.

 

Gilderoy Lockhart: Die Freude ist ganz auf meiner Seite. Und bitte, nennen Sie mich Gilderoy, Isolde. Ich darf doch Isolde sagen?

 

I. (kichernd): Aber selbstverständlich, Gilderoy.

 

G.: Ein schönes Plätzchen haben Sie ausgesucht. Ich war lange nicht mehr im Tropfenden Kessel, wissen Sie.

 

I.: Ach so? Gibt es einen Grund dafür?

 

G.: Nun ja, so sehr ich bemüht bin meinen Fans gerecht zu werden, manchmal ist es doch etwas zu viel für mich, verstehen Sie? Spätestens mit meinem Werk Ferien mit Vetteln blieb ich nirgends mehr unerkannt.

 

I.: Das kann ich mir vorstellen. Ich habe aber veranlasst, dass wir den Tropfenden Kessel heute für uns haben. (kichert)

 

G.: Sehr aufmerksam von Ihnen, Isolde.

 

I.: Das bringt mich auch gleich zu meiner ersten Frage. Die Gerüchte sagen, Albus Dumbledore persönlich habe Sie gebeten in Hogwarts zu unterrichten. Ist das wahr?

 

G. (lächelnd): Ihnen entgeht nichts, nicht wahr? Ja, es ist wahr. Ich denke, dass Albus nichts dagegen hat, wenn ich ehrlich und offen zu Ihnen spreche. Ich erhielt seine Eule vor wenigen Wochen und… nun ja… ich übertreibe nicht, wenn ich Ihnen sage, dass der doch sehr Ton verzweifelt war. Er bat mich die offene Stelle als Lehrer in Verteidigung gegen die Dunklen Künste zu besetzen.

 

I.: Man munkelt, dass die letzte Besetzung dieses Postens in einem Desaster endete.

 

G.: Das ist richtig. Sie müssen verstehen – und ich denke das hat auch Albus erkannt –, dass diese Stelle nicht mit einer Lehrkraft besetzt werden kann, der es an praktischen Erfahrungen auf dem Gebiet mangelt. Ich empfinde es als übergeordnetes Ziel der schulischen Bildung, junge Hexen und Zauberer auf das vorzubereiten, was sie in der Welt da draußen erwartet. Wir müssen weg von der grauen Theorie. Wir brauchen neue Konzepte.

 

I.: Ich bin mir sicher, dass die Schüler bei Ihnen viel lernen werden.

 

G.: Das hoffe ich.

 

I.: Erwarten Sie, dass Ihre Bekanntheit den Unterricht beeinflussen wird? Ich meine, Sie können sicher davon ausgehen, dass jeder Schüler von Ihren Heldentaten gehört hat und Ihre Werke zumindest namentlich kennt.

 

G.: Nun, ich gebe mich da keiner Illusion hin. Sie haben vollkommen recht. So sehr ich mir einen Unterrichtsverlauf wünsche, der von der Begeisterung der Schüler für das Fach allein lebt, so wenig kann ich darauf hoffen, gar nicht auf meine Erfahrungen und Erlebnisse angesprochen zu werden. Die Schüler werden nicht unvoreingenommen in meinen Klassenraum kommen, befürchte ich.

 

I.: Und wie werden Sie damit umgehen, Gilderoy?

 

G.: Ich denke, mir bleibt nichts anderes übrig, als auf die neugierigen Blicke der Kleinen einzugehen und ihre Fragen zu beantworten. Ich hoffe allerdings, dass es für die Kinder ab der dritten oder vierten Stunde zur Routine geworden ist, mich am Lehrerpult zu sehen. (lacht)

 

I.: Also ich persönlich wäre jeden Tag auf’s neue überrascht und begeistert, wenn ich Ihre Schülerin wäre. (lächelt verträumt) Tja… (räuspert sich) Planen Sie Ihre Bücher, als Praxisberichte, in den Unterricht einzubinden?

 

G.: Unbedingt. Wie schon erwähnt mangelt es in der schulischen Bildung an praktischen, anwendungsorientierten Unterrichtsstunden. Mein Buch Tanz mit einer Todesfee beinhaltet viele praktische Beschreibungen der Todesfee als dunkle Gefahr an sich. Auch aus Wanderungen mit Werwölfen und Abstecher mit Vampiren können unsere Nachwuchshexen und –zauberer vieles mitnehmen. Es wäre sträflich ihnen diese wertvoll Erfahrungen vorzuenthalten.

 

I.: Das finde ich allerdings auch. Wissen Sie schon, wie Dumbledore zum Einsatz Ihrer Bücher als Lehrwerke steht?

 

G. (lächelnd): Der gute Albus lässt mir in dieser Sache freie Hand.

 

I.: Alles andere hätte mich auch überrascht. Lassen Sie uns einen Blick auf Ihre eigene Schulzeit werfen. Böse Zungen behaupten, dass Sie nicht unbedingt beliebt unter Ihren Mitschülern gewesen sind. (mit aufgeregter Stimme) Neider beharren darauf, dass sie süchtig nach Aufmerksamkeit waren und stets nur nach Abkürzungen zu Ruhm und Anerkennung suchten. Was sagen Sie heute zu denen, die so missgünstig sind?

 

G.: Isolde, ich versuche dem Gerede nicht zu viel Bedeutung beizumessen. Es tut mir leid für jene, die über die kleinen Schwierigkeiten ihrer Schulzeit nicht hinwegkommen konnten und nun mit dem Finger auf andere zeigen, um von sich abzulenken. Neid ist eine schlimme Sache, die in meinem Leben keinen Platz findet. Auch wenn ich zugeben muss, dass die Unterforderung, die ich in meiner Schulzeit erfahren musste, mich stets nach anderen Beschäftigungen und einem höheren Sinn suchen lassen hat. Wir sprachen ja bereits über zu theoretischen und praxisfernen Unterricht. Das war damals nicht anders  und darunter litt ich außerordentlich. Meine dadurch begründete Flucht in andere Projekte, wie eine Schülerzeitung und das Ausprobieren komplizierter, aufsehenerregender Zauber, mögen einige meiner Mitschüler als Suche nach Aufmerksamkeit missverstanden haben. Aber ich sehe es ihnen nach. Wir waren immerhin Kinder.

 

I.: Es muss schrecklich sein, wenn das eigene Talent nicht gefördert wird und man stets das Gefühl hat, mit dieser Bürde allein zu sein.

 

G.: Daher auch mein Eifer, es für die kommenden Generationen besser zu machen.

 

I.: Ein wundervoller und selbstloser Grund, Lehrer zu werden. Waren es ähnlich ehrenhafte Gründe, die Sie dazu bewogen haben als Autor tätig zu sein?

 

G.: Nun ja, ich hatte mit jedem weiteren Fall von dunkler Magie, der mir begegnete, das Bedürfnis, die Zaubererschaft über die Gefahren in der Welt aufzuklären. Ob gefährliche Tierwesen oder böse Zauber, ich wollte das Wissen darüber in die Welt tragen. Sie glauben gar nicht, wie viele Hexen und Zauberer die einfachsten Schutzzauber nicht beherrschen oder einen Werwolf nicht einmal erkennen, wenn ihnen halbverwandelt unter dem strahlenden Vollmond ins Gesicht springt. In so einer Welt kann und will ich nicht ruhig schlafen.

 

I.: (seufzt bewundernd)

 

G.: Ich muss mir stets die Frage stellen: Kannst du mit gutem Gewissen Kinder in diese Welt setzen? Und solange die Antwort nicht ganz klar ist, muss ich daran arbeiten diese Welt zu einer besseren zu machen.

 

I. (errötet): Ähm… p-planen Sie denn… also… Kinder?

 

G. (lächelt und zieht eine Augenbraue nach oben): Ich bin nicht abgeneigt, aber dazu fehlt mit noch die… passende Partnerin.

 

I.: Oh… das würde uns-unsere Leserinnen sicher sehr… ähm… interessieren.

 

G. (lacht): Meine Traumpartnerin?

 

(I. nickt und errötet noch mehr)

 

G.: Eine Frau mit Sinn für Humor und Lust auf Abenteuer müsste es sein. Mehr kann ich dazu leider nicht sagen, meine liebe Isolde. (lächelt geheimnisvoll)

 

I.: G-gut. Vielleicht präferieren Sie aber ein bestimmtes optisches Bild? Das ist von großem Interesse… also… für die Leserinnen.

 

G.(lacht leise): Kommt es denn auf solche Dinge wirklich an?

 

I. (seufzt und räuspert sich dann schnell): K-kommen wir auf die Tatsache zu Sprechen, dass Sie Harry Potter unterrichten werden. Was möchten Sie dem Jungen der überlebt hat mitgeben, wenn Sie sein Lehrer sind?

 

G.: Vor allem Demut. Es ist sehr wichtig, dass er sieht und am Modell lernt, wie man mit einem berühmten Namen verantwortungsvoll umgeht. Bekanntheit geht immer mit Verantwortung einher. Das muss der junge Potter verstehen lernen. Auch der Umgang mit Missgunst und Neid werden für ihn wichtige Themen sein.

 

I.: Ich denke, dass er mit Ihnen einen guten Mentor an der Seite haben wird.

 

G.: Das hoffe ich sehr.

 

I.: Dann bleibt mir nur noch Ihnen viel Erfolg zu wünschen, Gilderoy. Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

 

G.: Ich habe zu danken. Auf Wiedersehen.

 

I. (kichernd): Wiedersehen.

 

 

 

Über Gilderoy Lockhart: Der Träger des Merlin-Ordens dritter Klasse wurde am 26. Januar 1964, als Sohn einer Hexe und eines Muggels, geboren. Während seine beiden älteren Schwestern keinerlei magisches Talent zeigen, bewies Gilderoy ein Händchen für Zauberei und erfuhr eine besondere elterliche Förderung. Bereits innerhalb einer Dekade nach seiner aufsehenerregenden Zeit in Hogwarts erreichten Lockharts autobiographische Werke Bestseller-Status. Das Ehrenmitglied der Liga zum Kampf gegen die Dunklen Künste veröffentlichte er kürzlich sein aktuelles Werk Zauberisches Ich und blickt nun einer Karriere im Bildungsapparat der Zauberergemeinschaft entgegen.

 

Über Isolde Igglesmith: Die junge Journalistin der Hexenwoche wurde am 01. Juli 1970 geboren. Mit Beginn ihrer Karriere hatte sie sich der Recherche zum Leben und Schaffen Gilderoy Lockharts verschrieben und gilt als Promi-Expertin in allen Lockhart-Fragen. Bereits mit zarten neunzehn Jahren veröffentlichte sie eine Analyse zu Lockharts Chronologie, welche sie in Gilderoy Lockhart-Fankreisen zu einer Bekanntheit machte.

 

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Das Interview und die Figur Isolde Igglesmith sind rein fiktiv und als humorvoller Tribut an Kenneth Branaghs Verkörperung der Figur Gilderoy Lockhart zu betrachten.

 

Quellen:
https://www.pottermore.com/writing-by-jk-rowling/gilderoy-lockhart
Buch: „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“, Verlag: Carlsen, Erscheinungsjahr in Deutschland: 1999
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