Knapp ein Jahr ist es nun her, dass die erste Staffel von Star Trek Discovery hierzulande auf Netflix endete. Nach diversen Twists, Täuschungen, haarsträubenden Aktionen und sehr überraschenden technologischen Entwicklungen innerhalb der Sternenflotte hat sich die Serie zum Ende der Staffel wieder ein bisschen wie damals angefühlt. Eine Crew, die zusammensteht. Die ihren Grips einsetzt, um ein Problem zu lösen. Und die an die Werte der Sternenflotte glaubt. Werte, die im Zuge des Krieges zwischen Föderation und dem klingonischen Reich vergessen schienen.

In dem Moment, in dem sich die Crew rund um Commander Saru und Science Specialist Michael Burnham gegen die Ultimata Ratio Lösung von Mirror-Gieogeou stellte, hatte ich endlich wieder Spaß an einer Star Trek Serie gehabt. Doch der darauf folgende Cliffhanger hatte mich dann doch sehr verwirrt. Die Discovery empfängt auf dem Reiseweg nach Vulkan einen Notruf eines Sternenflottenschiffs… der NCC-1701… die Enterprise. Falls ihr nur wissen wollt, wie uns die Folge gefallen hat… scrollt runter bis zum Bereich „Wie war denn nun die Folge?“

 

Re-Cap (VORSICHT SPOILER)

 

Und so beginnt die Folge auch erstmal mit einem langen Rückblick auf die turbulente erste Staffel. Trekkies, die die erste Staffel verpasst haben sollten, werden vermutlich sehr verwirrt sein über den Zusammenschnitt, in dem wichtige Momente nur kurz bildlich eingeblendet werden in einer kurzen Montage, aber dann weiter nicht besprochen werden. Tipp von uns: Guckt die erste Staffel 🙂

Vor Beginn der Staffel haben diverse Schauspieler, Produzenten und Autoren in vielen Interviews darauf hingewiesen, dass man versucht, nach der Captain Lorca-Katastrophe wieder zurück zu klassischen Star Trek-Geschichten zu gehen. Mit den ersten gesprochenen Worten haben sie das zumindest erreicht: „Der Weltraum. Unendliche Weiten.“ Gut. Der Rest, der danach folgt, ist zwar anders… aber dennoch ein gelungener erster Versuch :-).

Gesprochen werden diese Worte von Michael Burnham (Sonequa Martin-Green), die man danach als junges Mädchen sieht, als sie von Sarek und seiner menschlichen Frau Amanda adoptiert wurde. Doch als sie mit ihren neuen Eltern versucht das Zimmer ihres Bruders zu betreten, zeigt dieser die kalte Schulter. Trotz ausgestrecker Grußhand, verschreckt Spock seine neue Schwester und haut ihr direkt vor der Nase die Tür zu. Freundlich. Ich mein, man kann Spock ja durchaus verstehen. Theoretisch sollte Spock zu dem Zeitpunkt in der Star Trek Timeline mit seinem Halbbruder Sybok aufgewachsen sein. Von dem sieht man aber weit und breit nichts im Hause Sarek. Nehmen wir mal an, dass Sarek erst kurze Zeit vorher zum Studieren fortgezogen wäre und Spock nun endlich die Bude für sich hätte, dann ist klar, dass der junge Spock vollkommen davon genervt ist, dass da plötzlich eine neue Schwester da ist, und die dann auch genau so alt ist wie er. Eigentlich eine perfekte Grundlage für eine Multi-Camera-Sitcom. Two and a Half-Vulcan…

Aber wir schweifen ab. Behalten wir also im Hinterkopf, dass Spock und Burnham anscheinend nicht das beste Verhältnis zueinander hatten. Schnitt zum Cliffhanger der vergangenen Staffel. Die Brücke der Disco gleicht … einer Disco. Roter Alarm. Die Enterprise hat nicht nur den Notruf abgesetzt, sondern ist so lahmgelegt, dass nur noch das Lebenserhaltungssystem funktioniert. Ein offensichtliches Zeichen dafür, dass Scotty noch nicht an Bord ist. Als dann von der Enterprise übermittelt wird, dass 3 Offiziere herüberbeamen sollten zur Discovery, spekuliert Burnham auf die Wiedervereinigung mit ihrem Stiefbruder. Doch anstatt Spock erscheint ein aalglatter Wissenschaftsoffizier, dessen blaue Uniform fast schon eine rötliche Aura ausstrahlt. Ach ja: Diese blaue Uniform ist ein Neu-Design der klassischen blauen Uniform der TOS-Ära, das mir persönlich deutlich besser gefallen hat als das bunte Sport-Trikot, dass auf der Film-Enterprise in den letzten 10 Jahren getragen wurde. Captain Pike weist dementsprechend auch sofort auf seine neue coole Uniform hin, die man da gerade auf der Enterprise trägt, während alle anderen den üblichen Disco-Blaumann tragen. Selbst im 23. Jahrhundert waren die Kleidervorschriften bei neuen Uniformen der Sternenflotte schon so strikt wie bei Star Trek – Treffen der Generationen. Also gar nicht.

Ach ja. Captain Pike beamt mit an Bord und übernimmt sofort das Kommando vom stellvertretenden kommandierenden Offizier Commander Saru, der zuerst auf Sternenflottenregularien hinweist, denn nur in 3 bestimmten Situationen ist es erlaubt, das Kommando in einer Notfallsituation zu übernehmen: Entweder gibt es eine dringende Bedrohung der Föderation, oder ihrer Bürger oder es ist kein Offizier des gleichen Ranges verfügbar. Und laut Pike ist die Situation so schlimm, dass alle drei Bedingungen erfüllt seien durch die Notlage.

Laut Pike sollen innerhalb der Galaxis insgesamt 7 rote Ausbrüche entdeckt worden seien, die sich in einem Bereich von 30000 Lichtjahren verteilt haben sollen. Der Versuch, diese Phänomene aus der Ferne zu scannen ist daran gescheitert, dass die Signale plötzlich wieder verstummten. Bis auf einen. Die Enterprise verfolgte daraufhin dieses Signal… bis dann plötzlich das Schiff funktionsuntüchtig wurde, nun im All treibt und zur nächsten Raumbasis geschleppt werden muss. Pike übernimmt daraufhin die Brücke der Disco und hält danach eine Ansprache, dass er ganz anders führen wird als Lorca vor ihm. Die NCC-1031 nimmt dann daraufhin den Kurs zum noch nicht verstummten Signal auf und fliegt los.

Nach dem hitzigen Beginn der Folge bleibt nun endlich einmal ein bisschen Zeit, um zu zeigen, wo die Charaktere derzeit stehen. Den schwierigsten Stand hat hier Lt. Commander Paul Stamets, der nach dem ganzen Stress zum Ende der vergangenen Staffel nun so langsam realisiert, wie sich sein Leben nach dem Tod von Dr. Culber verändert hat. Er schaut sich während der Arbeitszeit via Virtual Reality Halsknopf (los, wer patentiert das jetzt als erstes?) alte Aufnahmen seines verstorbenen Partners an. Würde normalerweise ne Abmahnung geben… aber naja… Gibt es eigentlich Abmahnung in der Sternenflotte? Ich schweife ab. Stamets erwidert dann Tilly, dass er nach Beendigung der Mission als Lehrer auf Vulkan arbeiten möchte. Die machen wenigstens ihre Mathe-Hausaufgaben korrekt. Oder nicht?

Kurze Zeit später landet die Disco schliesslich in der Nähe des Signals… mitten in einem Asteroidenfeld. Das Schiff kann einem massiven Asteroiden nur mit 700 Metern Abstand ausweichen… interessanterweise wäre der Ort des Signals genau an dem Punkt gewesen wäre, wo die Disco mit dem dicken Brocken kollidiert hätte. Was für ein Zufall. Als ob das Signal von jemandem dort platziert gewesen wäre… wie bereits schon bei der Enterprise zuvor.

Die Discovery steckt nun natürlich innerhalb eines intergalaktischen Trümmerhaufens und kann den einzelnen Mini-Asteroiden nicht ausweichen. Als dann auch noch der Impulsantrieb fast schon umgekehrt magnetisch den Asteroiden wegstösst, sind die meisten Offiziere noch mehr darüber verwirrt, als wenn man gerade auf der Lost-Insel gelandet wäre. Interessanterweise finden die Scanner dann auch noch ein abgestürztes Schiff mit mehreren humanoiden Lebenszeichen auf dem Planeten, die USS Hiawatha NCC-815. Hey… war es nicht Flug 815, das auf der Lost-Insel abgestürzt ist? Zufall über Zufall… Vielleicht bestand dieses gesuchte Signal ja auch nur aus der Zahlenfolge 4-8-15-16-23-42…

Nun betrachtet die Crew die möglichen Optionen, denn der Asteroid fliegt nun mittlerweile in Richtung eines Pulsars und bereits in 5 Stunden soll der Asteroid danach zerstört werden. Transporter. Geht nur mit Hilfe Transport-Verstärker, die dann erst einmal lokal installiert werden müssten. Shuttle geht auch nicht wegen der vielen Mini-Asteroiden um beide Schiffe herum. Doch Burnham hat noch eine Idee: Man verwendet einfach mehrere Ein-Mann-Flieger, die durch das Asteroidenfeld fliegen sollen. Doch bevor sich Pike, Burnham und seine Offiziere auf den Weg machen können, bekommt Burnham von Tilly noch einen Spezialauftrag und soll eine Probe des Gesteins mitbringen. Tilly hatte nämlich zuvor bemerkt, dass das Tardigrade-Feld des Antriebs auf die Umgebung des Asteroiden reagiert hätte und möchte dies gerne weiter testen. Die Gruppe bricht dann auf in Richtung der Hiawatha, doch Pikes Wissenschaftsoffizier (ich sagte doch, seine Uniform hatte eine rötliche Aura) bekommt etwas zu viel Hochmut, setzt sich von seinen Kollegen ab… und knallt natürlich gegen einen Asteroiden. Pike’s Flieger wird dann auch noch von einem Schrapnell getroffen und Burnham kann ihn gerade so noch retten.

Auf dem Asteroiden finden die restlichen Verbliebenen auf dem abgestürzten Schiff danach mehrere Überlebende, die von der Chef-Ingenieurin des Schiffs am Leben gehalten werden… denn ihrer Ansicht nach sind menschliche Körper nichts anderes als große Maschinen, die man so heilen kann. Frage ist dann natürlich für die Zukunft, ob die Dame nun neuer Chefingenieur oder Chef-Arzt in Zukunft auf der Discovery werden wird.

Das Schiff kann nicht mehr geborgen werden und die Überlebenden müssen auf die Disco gebeamt werden. Doch bei der Rettungsaktion fällt niemandem vorher auf, dass man eigentlich die Schilde hätte vorher senken müssen für den Transport. Dementsprechend prasseln nun die Asteroiden nur so auf die Aussenhülle drauf. Bevor die Evakuierung beendet werden konnte, muss Michael Burnham den Transporter reparieren und ist nun gestrandet auf der Hiawatha (Und ja… ich muss mich zurückhalten, um das Schiff nicht USS Huawei zu nennen!). Während das Schiff um sie herum explodiert, wird sie von einem brennenden Schrapnell am Bein getroffen und liegt hilflos am Boden. Dabei sieht sie eine verschwommene Figur mit engelsgleichen Armen. Bevor sie ohnmächtig wird, wird sie aber von Captain Pike gerettet, mit dem sie zurückbeamt… allerdings ohne Tilly’s Gesteinsprobe.

Burnham kann auf der Krankenstation wieder aufgepeppelt werden und bevor die Discovery weiter fliegen kann, fängt man noch einen Asteroiden… indem die Discovery den Hangar aufmacht und den Asteroiden reinfliegen lässt. Gut, ok … der Asteroid ist ein wenig grösser und hinterlässt ein paar Schleifspuren am Hangar…

Die Discovery fliegt nun wieder zurück zur Enterprise, die nur noch mit Rettungsschiffen zur nächsten Sternenbasis gezogen werden kann. Pike erwähnt Burnham, dass Spock eigentlich seit Monaten nicht mehr an Bord sei, denn er hat seit Monaten Albträume, die anscheinend etwas mit den Signalen zu tun haben. Wo ist also Spock?

 

Wie war denn nun die Folge?

 

Die erste Folge macht sehr viel sehr richtig. Mit Captain Pike kommt eine Person an Bord, die wichtig im gesamten Franchise ist. Ansom Mount schafft es dabei sofort sich nicht nur von seinem Vorgänger Lorca abzugrenzen (den ich irgendwie immer Captain Malfoy nennen wollte), sondern auch von seinem Film-Pendant Bruce Greenwood, der Pike in den ersten beiden Filmen des Kelvin-Verse spielte. Mit Pike kommt zum ersten Mal jemand an Bord, der offen mit seinen Offizieren spricht und keine hinterlistige Agenda vertritt. Ein Schritt in die richtige Richtung, denn die Brücke der Discovery fühlt sich so langsam wirklich so an, wie auf einem normalen Schiff der Sternenflotte. Ich hoffe mal nicht, dass der Handlungsstrang von Pike nicht damit endet, wie er in Zukunft verbrannt und entstellt im Rollstuhl sitzen wird..

Nachdem die erste Staffel geradezu einen Eiertanz um die Frage der Darstellung Burnhams bzgl. ihres vulkanischen Stiefbruders gemacht hat, geht man nun in die Vollen. Spock wird mehr oder weniger in den kommenden Folgen vermutlich zu einer Art MacGuffin werden, denn Spock ist irgendwo im Universum verschollen und versucht das Signal auf eigene Faust zu erforschen. Ebenfalls kann man die Frage stellen, was denn nun die mysteriöse Figur war, die Burnham auf der Hiawatha gesehen hat oder wer versucht hat, sowohl die Enterprise als auch die Discovery in eine fast tödliche Falle zu locken.

Was mich aber ein wenig verwirrt an der bisherigen Staffel ist die bisherige Marketing-Strategie der zweiten Staffel. Relativ früh wurde bekannt gegeben, dass Anson Mount die Rolle als Captain Pike übernehmen wird. Nach Beginn der Dreharbeiten gab es dann aber einige Probleme. Die Kosten der ersten Folgen sollen angeblich exorbitant hoch gewesen sein. Und das kann man in dieser Folge deutlich sehen. Special Effects ohne Ende. Riesige Set-Aufbauten für die zerstörte Hiawatha. Explosionen, Pyro und Feuer. Für eine Pilotfolge einer neuen Staffel haut Discovery hier besonders in der zweiten Hälfte der Folge viel heraus. Allerdings soll dies dann auch einer der Gründe gewesen sein, wieso die Produzenten Aaron Herberts und Gretchen Harberts von Alex Kurtzman ersetzt wurden… der interessanterweise Regie bei dieser Folge geführt hat. Ich bin dementsprechend gespannt, ob man den Wechsel der Showrunner im Verlauf der Staffel bei diesen ersten Folgen spüren kann.

Ebenfalls haben mich bereits die diversen Teaser irritiert. Das Spock eine gewisse Rolle haben wird im Verlauf der Staffel, ist klar, aber nach den Trailern weiss man aber auch schon, dass er schon relativ bald mit Bart zu sehen sein wird. Ebenso diverse Figuren aus der ersten Staffel wie Michelle Yeoh’s Mirror-Giorgeou, L’Rell und Voq/Tyler. Ach ja. Und Wilson Cruz ist immer noch im Main Cast, dessen Dr. Hugh Culber eigentlich seit Mitte letzter Staffel tot ist. Während im vergangenen Jahr die Frage um den Charakter von Shazad Latif so weit ausgeartet ist, dass selbst gefakte IMdB-Einträge eingestellt werden mussten, um zu versuchen zu verhindern, dass eines der wichtigsten Plot-Twists der Staffel vorzeitig gespoilt werden würde, läuft hier der Schauspieler Wilson Cruz seit Monaten von Promo-Event zu Promo-Event und freut sich offen auf die Ereignisse der zweiten Staffel. Alleine die Anwesenheit bei solchen Events ist eigentlich schon ein massiver Spoiler.

Also: Fassen wir zusammen. Eine erste Folge, die sich fast schon anfühlt wie ein Kinofilm, der Lust auf mehr macht… und auch verdammt viele Fragen offen lässt: Wo ist Spock? Was ist das für ein Wesen mit Flügeln? Was sind das für Signale? Wer versucht Fallen für Schiffe zu stellen? Kann Paul Stamets noch einen klaren Kopf behalten? Ich bin schon sehr gespannt auf die kommenden Folgen der Staffel. Und insbesondere auf die zweite Folge, die von niemand geringerem als Jonathan Frakes inszeniert wurde. Nummer Eins ist wieder auf der Brücke.