Glass

M. Night Shyamalan. Das ist ein Name, der bis auf 2-3 Ausnahmen für gute, innovative und nicht vorhersehbare Filme steht. Als „The Sixth Sense“ uns mit seinem „Mindfuck – Ende“ mit offenen Mündern zurück lies, ahnte niemand mit was uns Shyamalan sonst noch überraschen würde. Es folgte „Unbreakable“. Dieser Film, wie auch die ganze, ich nenne sie mal „Unbreakable-Trilogie“, ist eine Verneigung an die guten alten Comics. Es ging um die Figuren David Dunn, der unzerstörbar ist und Elijah Price, welcher mit der Glasknochenkrankheit leben muss, gleichzeitig aber ein Genie ist. Nach einigen eher mittelmäßigen oder sehr speziellen Filmen folgte 2017 mit „Split“ ein Werk, der ebenfalls wieder staunende Gesichter zurück lies. James McAvoy brilliert und spielt einen, durch mehrere Persönlichkeiten zerrissenen Serienmörder. Kevin Wendell Crumb, so der Name, sollte einer der herausragend gespieltesten Killer der neuerlichen Kinogeschichte werden.

 

Die unbewusste Trilogie

 

Der Kniff an „Split“ war, dass der Film am Ende den Twist offenbarte im „Unbreakable“ Universum zu spielen. Somit haben wir unbewusst den zweiten Teil einer Trilogie geschaut, was ein ganz besonderes Gefühl auslöste. Nun sind wir also bei „Glass“, dem Finale angekommen. Dieser Film verbindet die Schicksale sämtlicher Figuren aus den voran gegangenen Filmen. Ich empfinde das als erfrischend. Selbst Spencer Treat Clarke, der schon David Dunn’s Sohn in „Unbreakable“ spielte, kehrt zurück. Das zeigt wie sehr der Cast mit dem Projekt verbunden ist. Und somit wird das zu einer runden Sache.

 

Superhelden-Realismus

 

Man muss ganz deutlich sagen, „Glass“ ist ein unkonventioneller Superheldenfilm. Das besondere ist, gleichzeitig ist er keiner. Wer hier einen Blockbuster wie „Avengers“ erwartet, wird enttäuscht. „Glass“ punktet vor allem mit realen, greifbaren Figuren. Greifbar deshalb, weil die These im Raum steht, unsere Protagonisten würden sich ihre Fähigkeiten nur einbilden. Bis zu einem gewissen Punkt geht man als Zuschauer davon aus, es könne tatsächlich auch so sein. Somit ist der Film ein bodenständiger, mysteriöser und sehr sympathischer Thriller. Die Charaktere werden von einer ganz anderen Sichtweise beleuchtet und nochmal auf links gedreht, bis wir am Ende dann doch vor der Frage stehen, was wäre wenn ?

 

                    

 

Abgerundeter Cast

 

Die Darstelleriege wird durch „American Horror Story“ Star Sarah Paulson komplettiert. Sie spielt die Psychologin, die die Charaktere studiert und zusammen gebracht hat. Sie macht einen guten Job, ich habe sie aber in „AHS“ schon deutlich besser performen sehen. Ansonsten ist auch Anya Taylor-Joy wieder mit dabei, genauso wie Charlayne Woodard, die wieder Elijah‘s Mutter spielt. Wie oben erwähnt, der ganze Cast incl. M. Night Shyamalan selber ist mit liebe und Begeisterung dabei. Das ist für einen sehr figurenbezogenen Film wie diesen, die halbe Miete. Dieses Ensemble macht einfach Spaß. Auch Bruce Willis kann hier endlich mal wieder stärker aufspielen. Sam Jackson ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. James McAvoy hingegen, stiehlt allen die Show. Was dieser Typ hier abbrennt, ist phänomenal. Mit einem Augenzwinkern wechselt er zwischen den einzelnen Charakteren in seinem Kopf hin und her. Das Besondere ist, man erkennt als Zuschauer sofort jede Figur schon allein an McAvoys Körperhaltung. Ich finde das äußerst Bemerkenswert und diese Leistung verdient viel mehr Aufmerksamkeit als bisher. Ich kennen sonst keinen Schauspieler der das so hinbekommen hat. Sein Kevin Wendell Crumb gehört für mich zu den wichtigsten Bösewichten in den letzten Jahren. Warum? Weil er stets nachvollziehbar ist. Es wird seine Jugend beleuchtet und vor allem das „Warum?“ klar und deutlich behandelt. Einfach Klasse.

 

Die eine, nicht so runde Sache

 

Leider öffnet die Story in einem weit fortgeschrittenen Stadium, einen weiteren Handlungsstrang, der uns als Twist verkauft werden soll. Ich empfinde diesen aber eher als störend, zumal die vorhandenen Figuren alleine mit ihrer Geschichte durchaus in der Lage gewesen wären, den Film rund zu Ende zu erzählen. Nun ist es, wie es ist. Leider gibt diese Wendung den letzen 15-20 min. einen komischen Beigeschmack. „Glass“ ist das Ende einiger Figuren, aber durch diese Entwicklung wird ein unfertiges Gefühl hinterlassen. Wie nicht aufgegessener Schokoriegel. Das ist Meckern auf hohem Niveau, aber ich will das nicht ignorieren.

Fazit

 

Jeder, der bereit ist, mal etwas Anderes als immer nur Schema F Superhelden zu gucken, aber dennoch Fan von Helden ist, sollte hier einen Blick riskieren. Mit der typischen Shyamalan Art, mit der mysteriösen Stimmung und der exzellenten Figurenzeichnung, kniet der „Glass“ vor all den Comiclegenden nieder. Eine Hommage, aber gleichzeitig doch nicht. „Glass“ ist kein Blockbuster, sondern ein ruhig erzählter, auf Figuren bedachter und vor allem anspruchsvoller Film. Die drei Filme ergeben zusammen ein tolle Geschichte und sind wohl Shyamalans bisher größte und beste Arbeit. „Glass“ bietet darüber hinaus wohl das stärkste Schauspielerensemble, mit dem Shyamalan bisher zusammen gearbeitet hat.

8/10 Punkte.