The Possession of Hannah Grace

 

Vorab: diese Review beinhaltet Spoiler und ist mit einem Augenzwinkern geschrieben. Anders ging es einfach nicht. Seit beginn der goldenen Zeit des Horrorfilms gibt es sie: Die Exorzistenfilme. William Friedkin schuf 1973 mit „Der Exorzist“ einen Alltime Klassiker. Viele andere Filme schlugen in die gleiche Kerbe. Bis heute kommen immer mal wieder Horrorfilme mit der Thematik auf den Markt. Vor einigen Jahren kam mit „Der Exorzismus der Emily Rose“ ein recht guter Vertreter heraus, ich persönlich mag den sehr. Und letztes Jahr gab es mit „Autopsy of Jane Doe“ ein Atmosphärenmonster und Kammerspiel, der Seinesgleichen sucht. Nun denn, all diese Superlativen treffen nicht auf „The Possession of Hannah Grace“ bzw „Cadaver“ wie er im Original heißt, zu. Aber eins nach dem anderen.

 

Worum gehts eigentlich?

 

Zu Beginn sehen wir einen klassischen Exorzismus mit miesen Effekten der eindeutig in die Hose geht. Die Besessene Hannah Grace stirbt bei der Austreibung genau wieder Priester. Shit Happens. Zur gleichen Zeit etwa, fängt Ex-Cop Megan Reed ihre Nachtschicht im hiesigen Krankenhaus an. Natürlich direkt in der Leichenhalle. Dies macht sie um eine traumatische Erfahrung aus der Polizeiarbeit verarbeiten zu können. Natürlich wird direkt in der ersten Nacht der Leichnam besagter Hannah Grace eingeliefert und ab dem Zeitpunkt finden merkwürdige Dinge in der Leichenhalle statt. Wer jetzt hier auf einen tollen Mysteriefilm wie „Nightwatch“ von 1993 oder „Freeze – Alptraum Nachtwache“ von 1997, hofft, wird enttäuscht. Ebenso brauchen sich Fans von „Jane Doe“ ebenfalls keine Hoffnung machen. Unser Meisterwerk bekommt keinen Nachfolger.

 

Verrotte doch!

 

Nun denn, immerhin kann die Location einigermaßen punkten. Leichenhallen funktionieren immer, so kann man ein gutes Kammerspiel daraus machen oder wie z.B, im Fall „The Body“ einen verzwickten Thriller. Die Idee des Films ist, dass der Dämon noch immer im Körper von Hannah weilt und diesen durch das töten von Menschen wieder heilen lässt. Klingt ja erstmal ganz nett. Was aber dann folgt, ist eine Ansammlung von unlogischen Abfolgen ungruseliger Situationen. Die Versuche Jumpscares etablieren und sowas wie Grusel zu erzeugen. Grade Ersteres ist wohl kein Problem mehr, die Macher hätten sich einfach jeden x-beliebigen, einigermaßen erfolgreichen Horrorfilm der letzten 5 Jahren anschauen müssen. Alles ist sehr sehr vorhersehbar und beinahe so billig gemacht das man es kaum aushält. Beispiel, wie kann ein Körper durch verschlossenen Sicherheitstüren hin und her wandern? Es ist kein Geist. Ebenso ist die Fortbewegung von der guten Hannah irgendwann lächerlich. Dieses Kriechen sieht einfach nur bescheuert aus und erinnert mehr an einen altersschwachen Spider-Man als einen von einem Dämon besessenen Körper. So wird der Zuschauer von Szene zu Szene gequält bis endlich Erlösung in Form von Hannahs Vater bevorsteht. Hurra. Die gute Hannah lässt unsere Megan selbst beim Kacken nicht in Ruhe. Extra gruselig.

 

                    

Handwerklich

 

Auch hier wird es nicht besser. Mir ist vor allem der äußerst miese Schnitt aufgestossen. Holprige Szenenwechsel, folgen auf hastig geschnittene Verfolgersequenzen. Mein Gott ihr habt ne Leichenhalle! Lasst die Kamera doch mal ruhig und die Atmosphäre sich verbreiten. Immerhin ist das Make-Up der Leiche ganz gut gelungen. Aber auch das wird zerstört, später wird daraus ein CGI -an Wände-kriechender- Mutant. Hier wollte man wohl einen auf Silent Hill oder Resident Evil machen oder….ich hab keine Ahnung. Hat jedenfalls nicht funktioniert. Die Darsteller sind ok, aber sie erfüllen die für sie vorgesehene Klischeeschubalde im vollem Umfang. Die sonstigen CGI Effekte sind maximal Durchschnitt. Das Set ist ansonsten viel zu Hell um auch nur einen Hauch von Grusel verbreiten zu können. Auch hier hätte man etwas besser bei der Konkurrenz gucken können. Ansonsten stößt mir die permanente Selbstzensur sauer auf. Keine Szene ist extrablutig, Hannah Grace fällt und liegt stets so, dass sie niemals entblösst wird und bei den Morden wird früh genug weg geschnitten. Also Nekrophile und Gorehounds bleiben ebenfalls auf der Strecke. Auch für euch, dumm gelaufen.

 

Fazit

 

Lasst es einfach. Wenn euch diese Thematik interessiert, schaut bereits erwähnte „Autopsie of Jane Doe“, „The Body“, „Die Leiche der Anna Fritz“, „Freeze – Alptraum Nachtwache“ bzw. dessen Original „Nightwatch“an. Für Einsteiger ist der Film nichts, den danach hat man keine Lust mehr auf Horrorfilme. Außerdem gibts auch für Neulinge deutlich bessere Alternativen. Wer weiß für welches Publikum „The Possession of Hannah Grace“ gemacht wurde. Für mich jedenfalls nicht. Investiert das Geld lieber in „Glass“ oder „The Prodigy“ oder zockt ne Runde „Resident Evil 2“. Nicht das die Macher auf die Idee kommen ein Sequel zu produzieren.

3/10 Punkte für Location und Make-up.