The Prodigy

 

Vorab, Spoiler bleiben leider bei dieser Review nicht aus. Also Obacht. Manchmal erscheinen Horrorfilme ohne große Promo und Trara drumherum. „The Prodigy“ von Nicolas McCarthy ist ein solcher Film. Die Grundstory wird schon im Trailer gespoilert, es geht um Reinkarnation. Der Körper des kleinen Miles wird von der Seele des Serienmörders Edward Scarka heimgesucht und übernommen. Der Killer hat eine Aufgabe auf Erden noch nicht beendet und benutzt Miles eben diese zu vollenden.

 

Die Inszenierung

 

Erstmal klingt das Ganze nach einer oft gesehenen und wenig spannenden Geschichte. Wie so oft, es kommt auf die Umsetzung an. McCarthy war beim produzieren des Films stets bewusst, Atmosphäre ist das Zauberwort. „The Prodigy“ drückt sehr! Quasi über gesamte Laufzeit hat man ein ungutes Gefühl beim gucken, obwohl man längst weiß was Sache ist. Der Kniff dabei, wir als Zuschauer wissen mehr als unsere Protagonistin, die Mutter Sarah, gespielt von „Orange is new Black“ Star Taylor Schilling. Somit nehmen wir eine übergeordnete Rolle ein und sind nicht wie so oft zusammen mit dem Opfern ausgeliefert. Das Ganze funktioniert sehr gut. In einer Hypnosesitzung beispielsweise, wurde grade diese Situation so clever gefilmt, dass es wirklich zum bersten spannend war zu sehen wann sich Edward zeigen würde. Die exzellente Kamera trägt ihr Übriges dazu bei. Jumpscares halten sich glücklicherweise in Grenzen, das hat der Film auch nicht nötig. Hervorheben möchte ich auch noch das konsequente und bitterböse Ende.

 

Der Cast

Neben der bereits erwähnten Taylor Schilling, ist noch Kinderdarsteller Jackson Robert Scott zu erwähnen. Er macht einen wirklich erstklassigen Job. Grade mit seinen zweifarbigen Augen mit diesem gewissen Blick. Das kann nicht jeder. Auch hier Lob an die Regie, das in dieser Art aus einem Kind heraus zu kitzeln. Es gibt in der Filmgeschichte einige gruselige Kinder. Aber Miles ist in meinen Top 3. Peter Mooney als Vater John, flacht leider in die Klischeesparte ab. Seine Figur ist sehr stereotypisch gehalten. Das Gleiche gilt für Colm Feore als Psychologe Jacobson. Er hat halt die übliche „der helfende Doktor“ Rolle. „The Prodigy“ fokussiert sich also eindeutig auf die beiden Hauptrollen Mutter & Sohn.

 

                    

 

Handwerklich 

 

Der Schnitt ist gelungen! Grade die schnellen Wechsel zwischen Miles und Scarka sind wirklich intensiv und gruselig, alle Achtung. Die Kamera hat einige starke Momente wie die angesprochene Hypnosesitzung oder eine Szene in der wir die Mutter im Bett liegend in Nahaufnahme sehen und hinter ihr der Spuk abgeht. ebenso git es eine (positiv) quälend lange Sequenz, in der es um den Verbleib des Familienhundes geht. Ansonsten stets auf einem soliden Level. Die wenigen blutigen Effekte sind auch gelungen, aber man muss ganz deutlich sagen: „The Prodigy“ ist kein Splatterfest!

 

Fazit

 

„The Prodigy“ ist für fans des Psychohorrors oder auch Mysteriefans gedacht. Blutige Effekte gibt es, aber sie sind spärlich gesät, so dass sich der Film vol und ganz auf die Geschichte konzentriert. Positiv ist die Herangehensweise. Der Zuschauer weiß von Anfang an was Sache ist. Das gibt ein ungewöhnliches Gefühl beim gucken. Wenig Jumpscares und tolle dichte Atmosphäre sowie das böse Ende währen noch zu erwähnen. Negativ fallen einige Klischeefiguren auf und teilweise das Verhalten der Mutter. Aber soll nörgeln auf hohem Niveau sein.

Zum Schluß möchte ich noch sagen, dass es momentan wieder einige Filme ins Kino schaffen, die sich wieder etwas mehr Mühe beim Storytelling geben, als immer nur zu erschrecken. Ich hoffe, dass sich dieser Trend fortsetzt und wir einige frische und starke Filme ins Kino bekommen werden. Nun kannmal nur hoffen, dass auch die Zuschauer das zu würdigen wissen.

Starke 7/10 Punkte.