Star Trek Discovery war für mich bislang immer ein zweischneidiges Schwert gewesen. Die Story war zwar bislang immer gut und spannend gewesen, aber mir hatte bislang dieses Trek-Gefühl gefehlt: Das Streben, neue Welten und die Tiefen des Universums zu erforschen. Die Verwendung von Wissenschaft und Forschung um Probleme zu lösen. Charaktere, die sympathisch und kollegial miteinander interagieren. In der ersten Staffel konnte ich mit einigen Charakteren nicht viel anfangen, aber in den letzten Folgen hat sich für mich das Blatt gewendet und Star Trek Discovery hat sich für mich zu Must-See-TV entwickelt. Ich will noch nicht zu viel sagen, aber die neue Folge war für mich die bislang beste der Staffel… vielleicht sogar der Serie.

 

Die neuste Folge folgt einem klaren A-Plot, der nur von einem B-Plot um Sektion 31 und der Suche nach Spock umrahmt wird. Zu Beginn der Folge muss die Crew mit dem vermeintlichen Verlust von Tilly umgehen (Ist jemand anderem aufgefallen, dass Jett Reno aus dem Maschinenraum plötzlich verschwunden ist, bevor Michael Burnham auftaucht? Sieht ein wenig komisch aus, wenn man beide Folgen direkt hintereinander schaut). Burnham muss aber einsehen, dass sie nicht mehr viel tun kann und zieht sich in ihr Quartier zurück, um zu trauern. (Kleine Anmerkung: Burnham’s Voice-Over ist zwar ganz toll, aber in „normalen“ Star Trek-Serien waren Voice-Overs eigentlich Logbuch-Einträge gewesen. Das fehlt hier irgendwie. Aber ich verrenn mich irgendwie wieder in Einzelheiten 🙂 )

 

Während Stamets nach einer Möglichkeit sucht, Tilly zu finden, entdecken die Sensoren der Discovery Spocks Shuttle, das man bereits seit mehreren Folgen sucht. Doch der Pilot an Bord des Schiffes möchte den Rufen der Discovery nicht antworten und versucht in einen nahegelegenen Nebel zu flüchten. Erst ein gut gezielter Torpedo auf das Heck des Shuttles kann den Flüchtenden stoppen. Das Shuttle wird in den Hangar gezogen und von Sicherheitsoffizieren umstellt. Doch anstatt eines gewissen Vulkaniers stolziert Philippa Georgiou aus dem Shuttle heraus. Während sämtliche Sicherheitsoffiziere die Phaser sofort senken, ist es Michael Burnham, die ihren Phaser bedenklich lange gezielt auf Georgiou hält.

 

Captain Pike ist verwundert darüber, dass Georgiou auf die Rufe nicht reagiert hatte, da sie sich seiner Erinnerung nach immer an normale Standard-Prozeduren gehalten hat und da sie eigentlich im Ruhestand wäre. Im Turbolift outet sich Georgiou dann, sie ist Teil von Sektion 31.

 

(Jetzt ein kleiner Rant von mir: Bereits vor 2 Wochen wusste Tyler direkt schon beim Anblick von Georgious Insignia, dass sie nun ein Mitglied von Sektion 31 ist. Wenn man sich nun an frühere Auftritte von Sektion 31 zurückerinnert, dann wusste man selbst im 24. Jahrhundert nichts über die Existenz dieses supergeheimen Sternenflotten-Geheimdienstes. Und selbst bei Star Trek Enterprise und bei Star Trek: Into Darkness wussten nur sehr weniger von der Existenz der Sektion 31. Und hier bei Star Trek: Discovery weiß im Prinzip jeder, dass es die Sektion überhaupt gibt. Argh! Rant Ende!)

Georgiou hat den Auftrag erhalten, Spock zu finden, der wegen mehrfachen Mordes gesucht wird. Dies wird via Hologramm-Intercom vom Chef der Sektion 31, Leland, bestätigt, der auch früher ein Freund von Pike gewesen ist. Die Imperatorin macht sich danach auch gleich wieder auf die Suche nach Spock. Leland schickt darauf hin einen Liason zur Discovery, der niemand anderes ist als Ash Tyler.

 

Im Sporenraum findet Stamets heraus, dass innerhalb des Sporen-Parasiten, der Tilly verschluckt hat, keine DNA-Rückstände von Tilly vorhanden sind, so als wäre der Parasit eine Art biologischer Transporter zum Pilznetzwerk. Und tatsächlich ist Tilly lebendig, denn sie wurde wirklich ins Pilznetzwerk gebeamt. Dort wird sie von May empfangen, die für die JahSepp spricht. Ja, Sepp, die heissen wirklich JahSepp. May-Sepp erklärt Tilly, dass die JahSepp eigentlich jedes neu auftauchende Wesen angreift, aber dass es derzeit ein Monster gäbe, das die JahSepp derzeit heimsucht. Und nur Tilly kann ihnen dabei helfen.

 

Kurze Zeit später stellt Stamets seinen Plan vor, um Tilly zu retten. Bei der Verwendung des Sporen-Antriebs springt man für einen sehr kurzen Moment ins Pilznetzwerk. Die Discovery soll einen speziell abgestimmten Sprung ins Netzwerk machen, aber dann im Pilznetzwerk teilweise verbleiben, so dass der Übergang zwischen normalem Raum und dem Pilznetzwerk möglich ist und quer durch das Schiff geht. Doch es kommt noch besser: Dieser Übergang wird sich quer durch das gesamte Schiff ziehen und sollte man die Grenze überschreiten, würde der Körper um die Achsen beider Dimensionen verzogen werden, so dass man so aussieht, wie die Leichen, die man an Bord des Schwesterschiffes Glenn zu Beginn der ersten Staffel gefunden hatte. Nur im Sporenlabor gibt es aber Schutzmassnahmen, die diesen schmerzhaften Tod verhindern, und wo man ohne Probleme vom normalen Raum in den Pilzraum übertreten kann. Die Discovery macht den Sprung… und landet tatsächlich direkt vor Tilly und May-Sepp.

 

Die Sporen fangen schon an, die Oberfläche der Discovery anzugreifen, während Stamets und Burnham in das Sporen-Netzwerk übertreten und Tilly und May-Sepp in den Bereich der Discovery eintreten, der sich komplett im Netzwerk befindet. Dort finden Tilly und May-Sepp erste Spuren des Monsters, der anscheinend die Discovery verfolgt, wann immer das Schiff durch das Netzwerk springt. Tilly bewaffnet sich mit einem Typ 3 Phaser-Gewehr, das definitiv grösser ist als ein Typ 1 oder Typ 2 Phaser. Wenige Momente später treffen sie dann auch auf Burnham und Stamets und gemeinsam gehen die vier durch die verlassenen Gänge und versuchen das vermeintliche Monster zu finden. Sie folgen einer lauten, schreienden Stimme und finden einen Menschen, der sich an eine Wand kauert. Es ist Dr. Hugh Culber…

 

Culber hat sich innerhalb des Sporen-Netzwerkes manifestiert, seine Existenz innerhalb des Netzwerks wirkt aber wie ein Krebsgeschwür, das sämtliche JahSepps nach und nach tötet. May-Sepp fordert deshalb, dass die Discovery-Crew Culber töten soll, diese stellen sich aber geschlossen gegen May-Sepp. Culber bekommt Angst vor dieser Situation und rennt davon. In der Zwischenzeit verschlimmert sich aber die Situation der Discovery, deren Hülle immer stärker von den Sporen angegriffen wird (Ich könnte jetzt hier einen Witz über Feinstaub bringen, aber das lassen wir mal hier) und rutscht dabei immer tiefer in das Sporennetzwerk hinein. Ash Tyler klopft mit seiner Hand auf seine Sektion 31-Insignien wie Commander Riker zu seinen besten Zeiten und setzt einen Notruf ab. Hey, Sektion 31 hat schon TNG-Kommunikatoren! Das fällt auch Captain Pike auf und fragt sich sofort, was das denn da für ein Kommunikator ist. Will er anscheinend auch haben. Diese Motorola-Flip-Handys sind so was von old school. Bluetooth ist viel geiler!

 

Plötzlich enttarnt sich Lelands Schiff vor der Discovery und stabilisiert das Schiff mit dem Traktorstrahl. Doch deren Maschinenleistung ist nur begrenzt und man hat nur noch wenige Minuten Zeit, bevor das Sektion 31 den Traktorstrahl deaktiveren muss. Stamets findet derweil Culber, der mittlerweile in ihr früheres gemeinsames Quartier geflüchtet ist und kann ihn beruhigen. Burnham stellt nach einem kurzen Intermezzo mit May die wichtigste Frage der Folge: Wieso ist Culber wieder am Leben? Eine direkte Antwort kann Stamets nicht sofort liefern, hat aber die Vermutung, dass er nach nach Culbers Tod DNA Spuren seiner Tränen mit ins Netzwerk genommen hat, wo sich Culber dann wieder rematerialisiert hat.

 

Die Sternenflottenoffiziere machen sich dann wieder auf den Weg zurück zum Sporenlabor, wo sich heraus stellt, dass Culber nur teilweise rematerialisiert ist, denn die Sporenmaterie kann nur innerhalb des Sporen-Netzwerk überleben. Es scheint für einen Moment so zu sein, dass Culber im Netzwerk bleiben muss und von den Verteidigungsmechanismen der JahSepp getötet werden würde, doch Tilly hat einen letzten Einfall, um Culber zu retten. Wenn man Culbers DNA-Spuren zum biologischen Transporter geben würde, könnte man Culber wieder in den normalen Raum transportieren. Doch dazu müssen May und Tilly sich gegenseitig vertrauen. Culber bleibt mit May im Netzwerk, während die anderen in den Normalraum zurückgehen und die Discovery wieder mit Hilfe des Sektion 31-Schiffs zurückspringen kann. Einige Minuten später reaktiviert sich der biologische Transporter wieder und Culber wird quasi wiedergeboren in einem neuen Körper.

 

Captain Pike stattet derweil seinem alten Kollegen Leland einen Besuch ab und wird auf dem Schiff der Sektion 31 überraschend von Admiral Cornwell begrüsst. Diese gibt Pike neue Informationen über die roten Signale und es scheint, als ob diese eine Spur von Tachyon-Emissionen zurückgelassen hätten. Der geneigte Trek-Kenner wird bei der Erwähnung von Tachyonen-Strahlung etwas getriggert, denn damit kommen mögliche Zeitreisen, Transporter oder Tarnvorrichtungen in Frage, wie Leland und Pike fast auswendig aus der Memory Alpha zitieren. Cornwell fordert Leland und Pike auf, dass sich beide gemeinsam auf die Suche nach Mr. Spock machen. Parallel dazu nimmt Georgiou Kontakt zu Burnham auf und möchte ebenfalls zur Suche beitragen, verlangt aber Vertrauen von ihr.

 

Nach einem längeren Monolog Burnhams über ihren Glauben und die Zukunft und einer Montage, die zeigt, wo sich die meisten Charaktere gerade im Moment befinden, endet die Folge. Und wenn man dem Trailer für die nächste Folge trauen darf, wird man wohl wieder nicht Spock finden, sondern muss Sarus Heimatwelt vor der absoluten Zerstörung retten. Dun Dun Dun…

 

Wie schon oben gesagt, habe ich bei dieser Folge Erinnerungen an frühere Star Trek-Zeiten gehabt. Nicht nur wegen Sektion 31 oder Ash Tyler’s TNG-Kommunikator, sondern wegen der Interaktionen zwischen den einzelnen Charakteren. Die Hauptaussage ist deutlich: Gegenseitiges Vertrauen kann Leben retten. Sei es Captain Pike, der Stamets traut und das Leben sämtlicher Offiziere an Bord des Schiffes in Gefahr bringt, nur um Tilly zu retten. Sei es Pike, der Burnham vertraut, als Ash Tyler an Bord gelangt. Tilly, die May vertraut, dass sie Culber in den Normalraum zurückschickt. Die Crew der Discovery ist mittlerweile an einem Punkt angekommen, wo sich jeder gegenzeitig auf den anderen verlassen kann. In der ersten Staffel hatten viele einzelne Charaktere noch versteckte Agendas gehabt, doch nun ziehen zumindest alle Charaktere, die primär auf der Discovery sind, an einem gemeinsamen Strang.

 

Doch nun ist die Frage offen, wie man mit Personen wie Leland, Georgiou oder Ash Tyler umgeht. Kann man diesen Personen trauen, so wie man den Kollegen trauen kann. Das wird eine große Frage werden, die sich in den kommenden Episoden stellen wird.

 

Tillys Subplot um May-Sepp ist nun vermutlich zum Ende gekommen und hat dafür gesorgt, dass Dr. Culber wiedergeboren wurde und damit Wilson Cruz nun wieder zum Main Cast dazu stösst, nachdem dieser seit Monaten bereits die Rückkehr von Dr. Culber bei mehreren Promo-Veranstaltungen angekündigt hatte. In einem Interview mit Hollywood Reporter waren Cruz und Anthony Rapp nur teilweise informiert über die Pläne zu Culbers Rückkehr. Erst zu Beginn der Dreharbeiten zur zweiten Staffel wurde Cruz darüber informiert, dass er weiterhin zum Main Cast dazugehören würde. Damit ist das erste ständige LGBTQ-Paar der Star Trek Geschichte wieder vereint (und das passend zum Valentinstag!), doch es stellt sich die Frage, wie dieses Todeserlebnis Culber verändert hat. Kann er wieder seinen alten Posten aufnehmen und wie wird sich die Beziehung zu Stamets verändern?

 

Und natürlich bleibt noch die Frage, wieviel Einfluss Sektion 31 auf die Discovery haben wird, denn anscheinend weiß im 23. Jahrhundert fast jeder, dass die Geheimdienst-Organisation der Sternenflotte existiert… und im 24. Jahrhundert niemand mehr. Da bin ich mal gespannt, wie die Autoren das in Zukunft erklären wollen…