The Favourite – Intrigen und Irrsinn Kritik und Review

In meiner allerersten Review geht es heute um den für 10 Oscars nominierten The Favourite – Intrigen und Irrsinn von dem The Lobster Regisseur Yorgos Lanthimos. 

In The Favourite – Intrigen und Irrsinn, der genau 120 min lang ist, geht es um den englischen Königshof im 18. Jahrhundert, der sich mitten im spanischen Erbfolgekrieg gegen die Franzosen befindet. Auf dem Thron sitzt die von Olivia Colman gespielte, kindische und an Gicht erkrankte Queen Anne. Stets an der Seite der Queen ist ihre beste Freundin und Beraterin Sarah Churchill (Rachel Weisz), die Herzogin von Marlborough, die Ehefrau des Kriegshelden und Herzogen John Churchill (Mark Gatiss), im Film nur Marlborough genannt.

Dadurch dass Queen Anne immer wieder an schweren Gichtanfällen leidet und stets Schmerzen hat, werden die königlichen Geschäfte hauptsächlich durch Sarah Churchill geführt. Dabei werden sie immer wieder von Robert Harley (Nicholas Hoult), dem Oppositionsführer, mit ihren harten Entscheidungen, wie der Verdopplung der Grundsteuer konfrontiert, die den Krieg gegen die Franzosen finanzieren soll. 

Eines Tages kommt Sarahs Nichte Abigail (Emma Stone) an den Hof. Abigail, die von ihrem spielsüchtigen Vater mit 15 nicht nur ihren Titel als Lady verloren hatte, sondern als Teil der Spielschulden ihres Vaters an ihre Gläubiger abgegeben wurde, wird nach anfänglichen Schwierigkeiten schnell unter die Fittiche ihrer Tante genommen. 

Dabei kommt Abigail der Queen näher und beginnt nach und nach in die Gunst der Queen zu gelangen. Somit entsteht zwischen Abigail und Sarah ein erbitterter Kampf um Macht und die Gunst der Queen, der wie der Titel schon hergibt von Intrigen und Irrsinn geprägt ist.

Die daraus entstehenden Dialoge sind von herzzerreißend, beleidigend, lustig, irrsinnig und dramatisch. Da entstehen einfach mal Sätze wie „ich mag es wenn sie ihre Zunge in mich steckt“ oder es fällt mitten aus dem Nichts das Wort „F***e“. 

In seiner gesamten Machart ist The Favourite sehr experimentell, man spielt verschiedenen Kameraeinstellungen wie viele Weitsichtaufnahmen oder mit dem Fischeye, es gibt Slo-Mo wo man es nicht erwartet und man arbeitet komplett ohne künstliches Licht. Das dadurch entstehende Bild wirkt sehr natürlich aber insgesamt sehr hochwertig. Der Film hat ein sehr langsames Tempo was nicht negativ zu verstehen ist, dadurch liegt der Fokus mehr auf der Charakterentwicklung und gibt den Figuren die Zeit sich zu entwickeln, die sie brauchen. Yorgos Lanthimos, der für seine speziellen und verrückten Filme bekannt ist, liefert mit The Favourite – Intrigen und Irsinn seinen wahrscheinlich normalsten Film ab. 

Rollen und Cast

Queen Anne: Olivia Colman, die viele aus Serien wie The Night Manager oder Broadchurch kennen, mimt die kranke, zerbrechliche, kindische Königin so gut, dass ich ihr jedes Wort glaube. Queen Anne musste ihr ganzes Leben nie wirklich Entscheidungen treffen, da sie immer von anderen betüdelt wurde, daraus entsteht ein kindisches Trotzverhalten. Besonders merkt man das in Momenten wenn sie ihren Willen nicht bekommt, ihr Tränen in die Augen schießen und sie jammernd auf dem Boden liegt. Für mich hat Olivia Colman den Oscar für die beste Hauptdarstellerin mehr als verdient. Nicht umsonst hat sie dieses Jahr auch schon bei den BAFTA und den Golden Globes abgeräumt. Ich freue mich schon drauf mehr von ihr zu sehen.

Sarah Churchill: gespielt von Rachel Weisz, ist die beste Freundin und engste Vertraute der Königin, die die Königin gemeinsam mit dem Premierminister manipuliert um die für sich richtige Politik für England zu machen und das heißt Krieg gegen Frankreich führen. Sie möchte eigentlich nur das Richtige für ihr Land tun. Man kann trotz ihres negativen Einflusses ihre Liebe zu Anne spüren, was in manchen Szenen in bedrohlicher Eifersucht endet. Gerade dann, als Abigail anfängt mehr Zeit mit Anne allein zu verbringen. Für mich eine starke Performance von Rachel Weisz, die die Figur komplett ausfüllt und in all ihren Facetten darbietet. Auch Rachel Weisz ist gemeinsam mit Emma Stone für einen Oscar in einer Nebenrolle nominiert und hat einen BAFTA Award gewonnen.

Abigail Mesham: die von Emma Stone gespielte Nichte von Sarah Churchill kommt völlig verarmt zum englischen Hof und ist von ganz oben nach ganz unten gefallen. In der Hoffnung, dass ihre Tante sie mit offenen Armen empfängt und bei sich aufnimmt, muss sie auch am Hofe von ganz unten anfangen. Dort wird sie auch nicht herzlich aufgenommen und wird mit den niedersten Aufgaben belegt, wobei sie sich die Hand verätzt. Im Laufe ihrer Aufgaben bekommt sie mit, dass Anne an Gicht leidet und stellt heimlich eine Kräutersalbe her die der Königin hilft und ab diesem Moment fängt Abigail an ihren Plan zu schmieden wieder eine Lady zu werden. Nach und nach entdeckt Sarah die Absichten von Abigail und versucht sie von Anne fernzuhalten. Es folgt ein hinterhältiger Kampf um die Gunst von Anne. Emma Stone spielt das sehr überzeugend, gerade in Momenten in denen sie sich von ihrer liebevollen Seite zeigt und im nächsten Moment kalt und berechnend ist. Für mich eine der derzeit besten Schauspielerinnen in  Hollywood.

Robert Harley: gespielt von Nicholas Hoult, ist die Stimme des Volkes und will mit allen Mitteln den Krieg gegen Frankreich beenden und versucht anfangs erfolglos Abigail als Informantin zu gewinnen. Er ist nicht abgeneigt mit körperlicher Gewalt zu drohen und neigt zu Wutausbrüchen. Nicholas Hoult liefert auch in diesem Film eine souveräne Leistung in einer eher kleineren Nebenrolle.

Fazit

Alles betrachtet ist The Favourite – Intrigen und Irrsinn ein sehr interessanter und unterhaltsamer Film, der sich an Kinoliebhaber richtet, die experimentelle und verrückte Filme mögen. Er punktet mit einem großartigen Cast, der in jeder Szene funktioniert, gerade dann wenn die Absichten der Charaktere klar werden und sich die ersten Folgen zeigen. Der Film ist von seiner Länge her völlig in Ordnung wobei 5-10 Minuten kürzer auch ok gewesen wären, da die ein oder andere Szene sich doch etwas zieht. 

Ich würde dem Film daher 8 von 10 Punkten geben.