„Higher, further, faster“

Das ist das Motto der Titelheldin des neuesten Films von Marvel Studios: Captain Marvel. Doch kann der nächste Streich des Marvel Cinematic Universe dem Motto gerecht werden oder kommt er eher flügellahm daher?

 

 

Die Handlung: Nur wieder eine Originstory?´

Wie so oft ist liegt es beim ersten Solo Film eines Charakters auf der Hand, dass hier eine Origingeschichte erzählt wird. Diese haben den offensichtlichen Vorteilen zum Trotz den Nachteil, dass sie oft einem gewissen Muster folgen und somit starke Abnutzungserscheinungen aufzeigen können. Ein bekanntes Beispiel dafür ist ja Spider-Man, denn wie oft hat man Onkel Ben schon sterben sehen?

 

Doch „Captain Marvel“ schafft es, genau diese Problematik zu umschiffen. Denn statt sich von Beginn auf die Herkunft des Charakters zu fokussieren wird es in ein Erzählkonstrukt eingebettet. Die eigentliche Handlung des Films fokussiert sich zu Beginn auf den Konflikt zwischen dem Kree Imperium und den Skrulls. Es wird der allgemeine Zustand des Krieges beleuchtet, die Figur der Carol Danvers präsentiert und das Nötigste für die kommende Handlung in die Wege geleitet. Dabei wird die intergalaktische Handlung recht früh auf die Erde verlegt, damit der nächste.

 

Auf der Erde beginnt die Handlung sich dann nach und nach vom Kree-Skrull Krieg zu entfernen. Stattdessen schwenkt der Fokus auf die Protagonistin Carol Danvers und offenbart stückchenweise die Geschichte hinter ihren Gedächtnislücken. Dabei wird nie vergessen, dass der Kree-Skrull Krieg noch tobt und die Invasion der Erde durch die Skrull läuft. An einem geeigneten Punkt wird die Origin ähnliche Geschichte in diese Handlung übernommen und integriert und kann somit einen frischen Impuls geben.

 

 

Die Marvel Cinematic Universe Standards

Natürlich bedient sich „Captain Marvel“ als 21. Film des Marvel Cinematic Universe auch den typischen Elementen des Franchise. Die Action ist krachend, wird aber überraschend akzentuiert eingesetzt. So bekommt man zwischen den Verfolgungsjagden und Kämpfen genug Zeit durchzuatmen um die Story zu genießen.

 

Der Humor bedient sich der bekannten Gagstruktur, kann aber neben kleinen Slapstick Momenten auch mit dem 90er Setting unterhalten. Auch der eine oder andere Gag auf Kosten von Fury oder Danvers lädt zum Schmunzeln ein. Die größten Lacher kann aber die Katze Goose für sich verbuchen, denn der rote Stubentiger ist eine kleine Überraschung.

 

Die Kree Heldin, der SHIELD Agent und die Katze

Der Cast des Films weiß zu begeistern. Brie Larson ist als Carol Danvers eine Top Besetzung, die alle wichtigen Aspekte der Figur aus den Comics einzufangen weiß. Sie ist sowohl eine taffe und selbstbewusste Kriegerin, die aber auch Mitgefühl zeigt und Humor besitzt. Auch in den schwachen Momenten ihrer Figur darf Brie Larson ihr Können aufblitzen lassen und aus der Schwäche eine Stärke machen.

 

Für Samuel L. Jackson als Nick Fury ist eigentlich keine Einführung mehr nötig. Doch neben dem überwältigendem Verjüngungs-CGI ist vor allem Nick Furys Darstellung zu Beginn seiner SHIELD Karriere interessant. Denn hier bekommt der Charakter einen ganz anderen Dreh ohne zu sehr vom ikonischen Anführer von SHIELD abzuweichen. Insbesondere seine Leinwandchemie mit Brie Larson ist lobend hervorzuheben, da will man mehr sehen.

 

Andere Figuren stehen leider ein wenig im Schatten von Brie Larson und Samuel L. Jackson. Während der Antagonist Ben Mendelsohn seinen Job wie gewohnt gut macht, schränkt ihn seine Skrull Maske gerade in der feineren Mimik etwas ein. Jude Law als Yon-Rogg ist ebenfalls ein Casting Coup, doch wird seiner interessanten Chemie mit Brie Larsons Carol Danvers zu wenig Raum gegeben. Die Katze Goose wird viele Kinogänger mit Katzencharme betören. Lashana Lynch, die Monica Rambeau verkörpert, ist die kleine Überraschung des Films und bringt das gewisse Extra an Emotion mit.

 

Der Rest des Casts bekommt vereinzelt ihre Spotlights. Egal ob es Clark Gregg als Phil Coulson, Lee Pace als Ronan oder die Starforce um Djimon Honsou ist: Die kleinen Momente wissen ihre Wirkung zu entfalten. Auch der obligatorische Stan Lee Cameo trägt dieses Mal eine gewisse Emotionalität mit.

 

 

Fazit:

Fast nicht anders als zu erwarten ist auch „Captain Marvel“ ein unterhaltsamer Film von Marvel Studios. Der Film mit der ersten Protagonistin des MCU weiß mit den typischen Elementen eines Marvel Films aufzuwarten, gibt diesen aber eine passende Frischzellenkur: gezielt eingesetzte Action, wie immer ordentlich Humor und eine neue Herangehensweise an eine Origin machen „Captain Marvel“ nicht nur zum Appetitanreger vor „Avengers: Endgame“ sondern auch zu einem durchweg unterhaltsamen Film.

Die gewohnte aber zugleich auch frische Kost aus dem Hause Marvel bekommt von mir 8 von 10 Punkten.