WIR

 

Adelaide (Lupita Nyong’o) und Gabe Wilson (Winston Duke) fahren mit ihren beiden Kindern an den Strand und wollen Zeit mit ihren Freunden (u. a. Elizabeth Moss) verbringen. Die ausgelassene Urlaubsstimmung verwandelt sich in einen Albtraum, als am Abend plötzlich eine Gruppe unheimlicher Gestalten vor ihrem Haus auftaucht. Schon bald muss die Familie feststellen, dass die Fremden ihnen ähnlicher sind, als sie dachten. Sie selbst sind ihre schlimmsten Feinde.

Cast:

Lupita Nyong’o, 

Winston Duke, 

Elisabeth Moss, 

Tim Heidecker, 

Yahya Abdul-Mateen II, 

Anna Diop, Evan Alex, 

Shahadi Wright Joseph, 

Madison Curry, 

Cali Sheldon, 

Noelle Sheldon

Quelle: https://www.facebook.com/pg/WirFilm.DE/about/?ref=page_internal

 

Das neue Horrorkino

 

Als Jordan Peele 2017 mit „Get Out“ um die Ecke kam, hatte wohl niemand damit gerechnet, dass ein Regiedebüt solche Wellen schlagen kann. Erst recht nicht, dass er auch noch den Oscar für das beste Drehbuch gewinnt. Durch seine Art und Weise hat es Peele geschafft, nicht nur eine einzigartige Handschrift, sondern auch eine ganz besondere Atmosphäre seinem Film zu verleihen. Nach dem großen Jubel rund um „Get Out“ wurde  Ende 2018 auch schon „Wir“ angeteasert. Wieder Horror, wieder Jordan Peele. Natürlich sind nach so einem immensen Erfolg die Erwartungshaltungen riesig. Peele verzichtete für diesen Film auf eine Menge Kohle, um die alleinige Kontrolle über sein Werk nicht zu verlieren. Wir sagen euch heute, ob sich der Gang ins Kino lohnt und ob die Peele ein weiteres Meisterwerk geschaffen hat.

 

Die Inszenierung

Horrorfilme bestechen heutzutage immer dadurch, dass die Kamera alles zeigt oder eher langweilige Einstellungen vorgenommen werden. Oft bleibt ein starres Bild, die Kamera fühlt sich leblos an. Grade wenn man an die Klassiker denkt, wie z.B. Dario Argento’s Filme, sind aktuell echte Kamerafahrten Mangelware. Bei „Wir“ ist das anders. Die Kamera ist stets ein Teil der dichten Atmosphäre. Sie ist entweder direkt an der Figur um intensivste Gefühle zu transportieren oder bringt eben die genannten tollen Kamerafahrten. Grade zu Beginn, als die „Home Invasion“ losgeht, merkt man deutlich, wie gut Mike Gioulakis sein Fach versteht. Doch auch der Schnitt beschert uns Nervenkitzel. Und das ist durchaus positiv gemeint. Zusammen in Harmonie bringt „Wir“ uns intensivste Momente auf die Leinwand, die es so lange nicht gab. Absolute Spitzenklasse. Unvergesslich ist auch das Make-up der dunklen Zwillinge. Allein dadurch strahlen sie bereits eine ordentliche Prise Bedrohung aus. Grossartig. Handwerklich spielt „Wir“ trotzdem es kleineren Budgets ganz oben mit.

 

                     

 

Stil des Films

Doch wie fühlt sich „Wir“ eigentlich an? Schwer zu sagen. Beim Ansehen war es für mich eine gute Mischung aus echtem, spannenden und vor allem drückenden Horror mit Comedyelementen. Diese lustigen Momente haben den Film aber nicht geschadet oder die Atmosphäre kaputt gemacht, nein eher im Gegenteil, es fügte sich richtig gut in das inszenatorische Puzzle ein. Keiner der Figuren wirkt dabei lächerlich oder überzogen. Ansonsten durchläuft „Wir“ eine Wandlung vom klassischen Home-Invasion Streifen hin zu einem Post-Apocalyptsichen Thriller mit Mysterie-Elementen. Also ein absoluter Genremix. Wir stellen wieder fest, dass es einmal mehr ein Mix aus vielen Stilen ist, der einfach funktioniert. Ich habe es letztes Jahr schon einmal gesagt, ich denke diese Art Filme kann das Genre vor der Jumpscare Einfallslosigkeit bewahren. Ebenso bleibt immer das gewisse Mysterium um die Doppelgänger erhalten. Selbst am Ende, bleibt es jedem selber überlassen, ob er Gesellschaftskritik oder doch „nur“ einen sehr guten Horrorfilm gesehen hat. Interpretationsspielraum gibt es jedenfalls mehr als genug.

 

Darsteller

Grundsätzlich reden wir hier von einem perfekten Cast. Aber was Lupita Nyong’o auf der Leinwand macht, ist Oscarverdächtig. Ihre Mimik, Gestik und Emotionen lassen den Zuschauer ebenfalls sämtliche Aspekte der Gefühle miterleben. Ebenso ihre zweite Rolle als „böser“ Schatten ist derart creepy, dass sie wohl damit lange Zeit in den Köpfen bleiben dürfte. Das gleiche gilt für Nachwuchsdarstellerin Shahadi Wright Joseph, dessen Doppelgängerin für mich die Gruseligste war. Alle anderen Darsteller sind ebenfalls auf Top Niveau. Grosses Lob an die Castingabteilung. Erwähnenswert wäre noch Winston Duke, der zusammen mit Nyong’o bereits in „Black Panther“ zu sehen gewesen ist. Er ist so etwas wie der Comicrelief des Films. Er hat stets einen Spruch auf den Lippen, wirkt dabei aber niemals albern oder deplatziert. Die Darsteller der Familie Wilson harmonieren sehr schön und man ist sofort mitten drin.

 

Fazit:

Für wen ist „Wir“? Ich denke jeder kann seinen Spaß mit dem Film haben. Sicherlich ist der Anspruch etwas höher als bei anderen Horrorfilmen, aber trotzdem kann man einen spannenden Abend mit „Wir“ verbringen, auch wenn man hinterher keine Diskussionsrunde starten will. Das wäre aber durchaus möglich. Also, wer Lust hat auf einen etwas anderen Horrorfilm, sich auch darauf einlassen kann, wird sicherlich belohnt. Es gibt die ein oder andere blutige Stelle im Film, diese sind aber nicht übertrieben und dienen stets der Story. Zum Schluß möchte ich Alper vom YouTube Kanal „Cinema Strikes Back“ zitieren: „Egal was man von dem Film erwartet, man bekommt etwas völlig anderes“. Das trifft den Nagel auf den Kopf.

Somit haben wir das erste echte Horrorhighlight hinter uns, die Begeisterung bleibt jedoch.

8,5 / 10 Punkte.