Die zweite Staffel von Star Trek: Discovery war bislang eine wilde Achterbahnfahrt, die sich durch den halben Raum der Föderation und darüber hinaus ausdehnte. Es begann mit der Frage um sieben Signale, die in der halben Galaxie verstreut, plötzlich und synchron erschienen. Dann erschien eine seltsame Entität, die als roter Engel bekannt wurde. Und schließlich scheint eine experimentelle Künstliche Intelligenz, die von Sektion 31 entwickelt wurde, ein Schlüssel zu einem zukünftigen Ereignis sein, das sämtliche lebenden Organismen in unserer Galaxie vernichten würde. Kein Druck also für die Discovery-Crew. Und vor allen Dingen müssen wir um das Schicksal Lelands und Sektion 31 kümmern.

 

Die aktuelle Folge war wieder einmal quasi fast eine Füller-Episode kurz vor dem Beginn der letzten Folge dieser Staffel. Vom Aufbau her hat die Folge eine klassische Aufsplittung in zwei Haupthandlungen, sowie eine recht allein stehende Nebenhandlung, die vermutlich eher in kommenden Episoden Einfluß haben wird. Doch dazu gleich mehr.

 

Zukunftsvisionen auf Boreth

Die Folge beginnt mit dem mittlerweile vierten Signal. Zur Erinnerung: Das erste Signal war bei einem Asteroiden in der Pilotfolge zur zweiten Staffel, bei der man zum Schluß die Ingenieurin Jett Reno retten konnte. Beim zweiten Signal musste die Discovery tief in den Beta-Quadranten springen und fand dort Überlebende des dritten Weltkriegs. Bei Signal Nummer 3 musste man das komplette Volk der Kelpianer retten. Und nun erscheint Signal Nummer 4 beim klingonischen Mond Boreth.

 

Alte Trekkies horchen auf, denn Boreth ist schon mehrfach im Verlauf der Star Trek Geschichte besucht worden. Worf hat mehrfach spirituelle Reisen zu den Lava-Stätten auf Boreth angetreten. Bei einer dieser Reisen trifft er dabei auch auf einen Klon von Kahless, der von Mönchen auf Boreth erschaffen, um Kanzler Gowron’s Position als Kanzler zu schwächen. Und auch vor seiner Zeit auf Deep Space Nine hat Worf Boreth besucht.

 

Nun allerdings gibt es einen weiteren Grund, denn auf Boreth gibt es verdammt viele Zeitkristalle, die derzeit die Grundlage für die diversen Zeitsprünge des Roten Engels und die Groundhog Day Episode der ersten Staffel liefern. Kanzlerin L’Rell versucht einen Kontakt zu den Mönchen auf Boreth herzustellen, verlangt aber, dass Ash Tyler nicht herunterbeamen darf, um ihren gemeinsamen Sohn in Gefahr zu bringen. Um den Streit zwischen Ash und L’Rell zu beenden, bietet Pike an, selbst herunter zu beamen.

 

Dort wird er von mehreren Klingonen empfangen, die eigentlich keine Klingonen im traditionellen Sinn sind, sondern die Zeitkristalle beschützen. Einer dieser Klingone ist ein Albino-Klingone mit dem Namen Tenavik, der sich nach kurzer Zeit als Sohn ohne Namen ausgibt. Es ist also L’Rells und Ashs Sohn, der aufgrund der Zeitkristalle innerhalb des Klosters rasant gewachsen ist, denn anscheinend verläuft die Zeit anders für diejenigen, die die Zeitkristalle beschützen. (Zur Erinnerung: Auch unter normalen Bedingungen wachsen Klingonen relativ schnell heran, denn Worf’s Sohn Alexander ist zum Zeitpunkt des Dominion Krieges im Alter von ca. 10-11 Jahren Offizier an Bord eines klingonischen Schiffs)

 

Pike und Tenavik betreten eine große Halle mit vielen Zeitkristallen und als Pike einen dieser Kristalle anfasst, erhält er eine Vision seiner Zukunft, die ca. 8 Jahre später spielen soll. Wenn man sich an die klassische Folge The Menagerie, bzw. Talos IV – Tabu erinnert, weiß, dass Pike kurz vor Beginn dieser Folge einen Unfall auf einem Kadettentrainingsschiff hatte und dabei stark verstrahlt wurde. Und eben diese Situation sieht Pike in seiner Zukunftsvision. Einen Moment später sieht er sich selbst wieder… und wir sehen den entstellten Körper Pikes im Rollstuhl sitzen. Ein Gänsehaut-Moment für alte Star Trek Fans. Tenavik stellt Pike vor eine folgenschwere Entscheidung. Pike hat nur eine mögliche Zukunft gesehen, die aber nur dann eintreten wird, wenn er auch wirklich den Kristall mitnimmt. Für Pike ist das Wohl des Universums und sein Eid als Sternenflottenoffizier wichtiger und nimmt den Kristall mit zurück auf die Discovery und akzeptiert dabei auch sein kommendes Schicksal. Ein heroischer Moment, der allerdings Fragen aufwirft. Aber dazu später mehr.

 

Pike beamt zurück auf die Discovery und erzählt L’Rell und Ash von ihrem Sohn, der mittlerweile erwachsen ist und einer der Bewacher der Zeitkristalle ist und gibt beiden den Talismann zurück, den Ash eigentlich seinem Sohn mitgegeben hat. Und das war erst vor wenigen Monaten passiert.

 

In der oben kurz angerissenen Nebenhandlung bemerkt Jett Reno, dass Stamets wegen Dr. Culber emotional aufgewühlt ist. Da er aber für seine Expertise benötigt wird um die Zeitkristalle zu untersuchen, geht sie mit einem abgebrochenen Fingernagel auf die Krankenstation und versucht auf Culber einzureden, um Stamets wieder aufzubauen. Dabei spricht sie über ihre eigene verstorbene Ehefrau, die während des klingonischen Krieges gestorben ist. Und das wars eigentlich. Es gibt keine weitere Szene, die in dieser Episode auf diesen Entwicklungen aufbaut, also bleibt es abzuwarten, inwieweit Culber und Stamets wieder miteinander sprechen werden.

 

Control breitet sich aus

Kommen wir zur zweiten Haupthandlung. Kurz nach Erscheinen des neuen Signals über Boreth will Michael Burnham mit anderen Schiffen der Sternenflotte Control und Leland finden. Pike sieht dies aber kritisch und fliegt lieber nach Boreth, auch um zu verhindern, dass der Rest des Sphären-Archivs in die Hände von Control gelangen. Daher machen sich Spock und Burnham gemeinsam auf die Spur eines Sektion 31 Schiffs, das sich nicht mehr regelmässig gemeldet hat.

 

An den letztbekannten Koordinaten des Schiffs angekommen, finden Spock und Burnham mehrere Dutzende an Leichen, die im All driften, während das Sektion 31-Schiff leblos treibt. Die Sensoren entdecken ein schwaches Lebenszeichen und beamen einen noch gerade so lebenden Offizier an Bord. Burnham erkennt den Offizier wieder, denn es war Kamran Gant, mit dem sie zuvor noch auf der USS Shenzhou gedient hat. Wie sich herausstellt, hat Gant versucht, Controls Subroutinen zu löschen, als dieses sich selbst beschützen wollte und dabei alle Luftschleusen öffnete. Offensichtlich hat Control auch die gleichen Subroutinen wie Hal 9000 um sich selbst zu beschützen.

 

Spock, Gant und Burnham beamen daraufhin auf das Sektion 31 Schiff herüber und versuchen die Überbleibsel Controls im Schiffscomputer zu entfernen. Das entpuppt sich aber als schwieriger als erwartet, denn ihre Ankunft wird schnell entdeckt und das Schiff geht auf Kurs in Richtung ausserhalb des Föderationsraums. Die drei schmieden einen Plan, um Control aus dem Computer zu sperren. Doch es zeigt sich nach kurzer Zeit, dass Gant nicht der ist, der er vorgibt zu sein. Denn auch er wurde von Control übernommen und sein Körper rekonstruiert. Der ursprüngliche Sinn von Control war es, alle Lebensformen zu schützen, doch Control sieht sich selbst als höchste und reinste Lebensform an, sobald es den Rest des Sphärenarchivs in sich aufgenommen haben sollte. Und um sich selbst zu schützen, müssen alle anderen Lebensformen ausgerottet werden. Und dabei soll Burnham mit ihrem Wissen helfen.

 

Das sieht Burnham etwas anders und eröffnet das Feuer auf Gant. Das nützt im ersten Moment auch nicht viel, und nach einem kurzen Handgemenge versucht Gant Burnham eine Ladung Nanosonden in ihr Auge zu rammen. Spock versucht mit einem Nervengriff Gant zu betäuben, hat aber damit keinen Erfolg, denn nach Gants Rekonstruktion hat dieser keine Nerven mehr. Burnham zielt dann mit ihrem Phaser nur noch auf Gants Brust. Aus dem dicken Loch aus Gants Brust maniphestiert sich aber ein aus Nanopartikeln bestehender Organismus, der langsam nach Burnham greift. Denn Control will Burnham … ok… ich sag es mal so… assimilieren, um an das Sphärenarchiv zu gelangen. Burnham schießt immer verzweifelter auf die Nanosonden-Lebensform, bis Spock den Boden magnetisieren und dabei die Nanosonden immobilisieren kann.

 

Spock und Burnham kehren mit dem Shuttle kurze Zeit später wieder zur Discovery zurück und versuchen einen ersten Bericht über ihre Mission abzugeben, als plötzlich ca. 30 Schiffe der Sektion 31 von den Sensoren entdeckt werden, die nun alle Kurs auf die Discovery genommen haben. Es bieten sich nun mehrere Möglichkeiten an. Die Discovery könnte so viele Sprünge wie möglich machen, bis sie eine Möglichkeit finden könnten, um die Zeitkristalle verwenden zu können… oder das Schiff selbst zu zerstören. Pike bevorzugt die zweite Variante, benachrichtigt die Enterprise und lässt das Schiff für eine Evakuierung vorbereiten…

 

Fazit

Holla die Waldfee. Man merkt, dass das Ende der Staffel immer näher rückt. Nachdem Pike’s Vergangenheit mit den Talosianern bereits vor einigen Folgen thematisiert wurde, sieht man hier zum ersten Mal in der Trek-Geschichte, wie Pike wirklich in den Rollstuhl gelangen wird. Auch wenn dies nur eine Zukunftsvision ist, zeigt es dennoch Pikes Entschluss, die Zukunft zu verändern, auch wenn dies für ihn persönlich zu großen Konsequenzen führen wird. Ein heroischer Moment für Pike eigentlich, der aber mit Burnhams Schicksal quasi fast schon karikiert wird. Burnham’s Storyline der vergangenen Folgen spielt mit dem Gedanken, dass sie die Zukunft verändern will und das Schicksal herausfordert. Und wieso soll Pike das nicht auch dürfen, wenn er den Zeitkristall in die Hand nimmt? Wieso ist seine Zukunft nun in Stein gemeißelt und warum sieht Tenavik aus wie ein verkappter Minbari, der Commander Sinclair auf seine Zukunft als Galen vorbereiten will…

 

Ebenfalls einen komischen Beigeschmack hatte Jett Renos Auftritt in der Folge, die versucht Stamets und Culber wieder zusammenzubringen. Zwar ist ihre Geschichte mit ihrer verstorbenen Ehefrau tragisch (und meines Erachtens auch wichtig für LGBTQ Charaktere innerhalb des Star Trek Franchises), dennoch fehlt hier quasi der Schluß, der hoffentlich im Verlauf der letzten Episoden der Staffel kommen wird. Aufgrund der Tatsache, dass der Rote Engel zu Beginn der Staffel auch gerade Jett Reno gerettet hat, könnte darauf hindeuten, dass Jett Reno noch eine wichtige Aufgabe haben könnte beim Finale der Staffel.

 

Ach ja… Worf war ja auch schon mehrfach auf Boreth gewesen… aber irgendwie hat er nie etwas von Zeitkristallen mitgekriegt. Vielleicht sind diese jedoch der Grund für die Visionen, die er beim meditieren erhält…

 

Wir müssen mal über Control reden…

Aber kommen wir zum offensichtlichen Elefanten im Raum… Control, die böse Killer-KI der Sektion 31. Bereits vor 2 Wochen hatten wir im Review zu Episode 10 einige Gags über Controls Entwicklung in der Zukunft gemacht, die etwas an die Pläne der Borg erinnerten. („Ich bin ja eigenlich auch der Meinung, dass die KI von einer Sektion 31-Abteilung namens Binary Organism Research Group entwickelt werden sollte.“ und „Also effektiv versucht ein Volk von Maschinenwesen aus der Zukunft das Universum zu vernichten. – Moment… Ist das nicht der Plot von Star Trek: Der erste Kontakt – Öhm, jetzt, wo du das so sagst. Aber das scheinen wohl keine Borg zu sein… oder doch?“). Spätestens als wir in der vergangenen Folge Zeuge davon wurden, wie Leland eine große Ladung von Nanopartikeln injiziert wurden und seine Haut sich so veränderte wie die Haut von Opfern der Borg, die gerade assimiliert wurden, ist die Diskussion stark in eine Richtung geschwenkt: Erleben wir hier gerade die Origin-Story der Borg?

 

Meines Erachtens nach (und das ist jetzt meine persönliche Meinung hier) sind die Zeichen sehr eindeutig. Ich ertappe mich selbst, wie ich versuche Gegenbeweise zu den Borg zu suchen, die quasi einer Origin-Story widersprechen könnten. Und ja, es gibt immer noch 2 wichtige Schwierigkeiten bei dieser Theorie: Den Ort und die Zeit der ersten Borg. Wie wir aus The Next Generation und Voyager wissen, kommen die Borg ursprünglich aus dem Delta-Quadranten und sind bereits entweder seit Tausenden von Jahrtausenden (nach Aussage Guinan’s) oder seit ca. mindestens 900 Jahren aktiv. Angesichts der Tatsache, dass die Borg zum Zeitpunkt Voyagers erst rund 10000 unterschiedliche Spezien assimiliert haben (bzw. Vertreter der entsprechenden Spezies), ist es wohl wahrscheinlicher, dass die Borg erst um den Zeitpunkt des 14 Jhd. angefangen haben andere Völker zu assimilieren.

 

Die Borgkönigin sprach in First Contact auch davon, dass die Borg ursprünglich als humanoide Lebensform angefangen haben, sich dann aber immer stärker durch Augmentierungen perfektionieren wollten. Ebenfalls deutete Seven of Nine darauf hin, dass die Aufzeichnungen aus eben dieser Zeit relativ undeutlich wären.

 

Zeitreisen sind spätestens seit First Contact ein Hauptbestandteil der Borg-Geschichte. Im Verlauf der zweiten Staffel der TNG kam es dank Q zum ersten Zusammentreffen der Borg mit der Enterprise D. Ein Jahr später gab es die erste Invasion eines Borg-Schiffes in den Raum der Sternenflotte mit der Entführung Jean-Luc Picards und der Schlacht um Wolf 359. 6 Jahre später kam es zu einer zweiten Invasion, bei der eine Borg-Sphäre in die Vergangenheit sprang, um die Erde in einer technologisch schwächeren Zeit zu assimilieren. Teile der zerstörten Sphäre landeten in der Arktis im Jahr 2063 und lagen dort unter dem dicken Eis, bis im Jahr 2152 eine Forschungsexpedition Trümmer des Borg-Schiffes fand. Die Expedition wurde komplett assimiliert und flog mit einem umgebauten Shuttle in Richtung des Delta-Quadranten, bevor das Schiff von der NX-01 Enterprise gestellt wurde. Die NX-01 wurde auch dabei fast assimiliert. Doch bevor die Borg gestoppt werden konnten, konnten diese noch ein schwaches Subraumsignal absetzen, das in Richtung des Delta-Quadranten geschickt wurde, um die Borg auf die Erde aufmerksam zu machen. Dies war auch schon bei First Contact Teil des Borg-Planes gewesen, als diese den Deflektorschild zu einem Kommunikationsgerät zum Delta-Quadranten umbauen wollten. Damit war der Kreis geschlossen, denn das Signal sollte die Borg erst 200 Jahre später erreichen, kurz vor dem ersten Zusammentreffen mit den Borg.

 

Keine dieser Zeitreisen hatte bisher einen direkten Einfluß auf den Ursprung der Borg gehabt. Doch es kann möglich sein, dass nach der Teil-Assimilierung der NX-01 Reste der Borg von Sektion 31 übernommen und untersucht wurden. Dies kann durchaus ein Ursprung sein für die Control-K.I. Aber es würden dann immer noch zwei wichtige Schritte fehlen.

 

Die K.I. hat mittlerweile die Asimov’schen Gesetze auf den Kopf gestellt. Zwar war ursprünglich der Schutz aller Lebewesen Teil der Programmierung gewesen, aber irgendwann scheint es einen Moment gegeben haben, an dem Control ein Bewusstsein erhalten hat. Seit diesem Zeitpunkt strebt Control nach immer mehr Perfektion und Wissen. Control sieht dabei den Inhalt des Weltraum-Archivs als Inbegriff der Perfektion an. Die Borg streben ebenfalls nach Perfektion, allerdings eher durch Assimilierung einzelner Völker, bis das komplette Universum assimiliert wäre. Technisch gesehen wollen Control und auch die Borg das eigene Überleben sicherstellen. Control will dabei alles Lebendige vernichten, die Borg assimilieren. Hier könnte der entscheidende Unterschied in der Assimilierung liegen. Wenn sich Control als reine Binärlebensform in den Computersystemen von Raumschiffen entwickeln würde, könnten daraus die Kraken-ähnlichen Wesen entstehen, die wir in den vergangenen Episoden in den Zukunftsvisionen gesehen haben. An einem Punkt jedoch ist aus Control ein biologisches Wesen geworden, und zwar in dem Augenblick, an dem Leland „assimiliert“ wurde.

 

Und jetzt spinnen wir mal die Situation weiter. Angenommen alle Computer, die mit Control infiziert worden sind, würden gelöscht werden, dann wäre Control auf Leland und andere von Control übernommene Sektion 31-Offiziere beschränkt. Nun fehlt aber nur noch ein wichtiger Schritt: Wie kommen die Ur-Borg in die Vergangenheit? Die komplette Staffel dreht sich ja quasi um den roten Engel, der die ganze Zeit durch die Zeit springt und erst vor kurzem haben wir ja herausgefunden, dass auch dieser Zeitreiseanzug des roten Engels Teil der Forschungen von Sektion 31 waren. In der zweiten Episode der Staffel hatten wir sogar gesehen, wie der rote Engel bereits in der Vergangenheit Menschen um mehrere zehntausende an Lichtjahren (in den Beta-Quadranten) transportiert hat, um sie vor den Folgen des dritten Weltkriegs zu schützen. Theoretisch wäre es also möglich, dass einer der Ur-Borg um knapp 900 Jahre in die Vergangenheit des Delta-Quadranten geschleudert werden könnte, um dort dann die ersten Völker für das neu entstehende Kollektiv zu assimilieren. Die Menschheit wäre dann nicht nur Spezies 1, sondern könnte aufgrund der fehlerhaften Informationsdaten zu der Zeit zu einer Dublette werden und auch als Spezies 5618 datiert werden. Jeder, der auch nur einmal an einer Datenbank gearbeitet hat, wird wissen, wovon ich spreche.

 

Aber da ist noch ein Hinweis, den man beachten müsste. Bei den Short Treks gibt es die Folge Calypse. In dieser Episode treibt die Discovery vollkommen verlassen seit knapp 1000 Jahren im All herum und soll an einer Position warten. Der Schiffscomputer hat in der Zwischenzeit ebenfalls eine Art Bewußtsein erlangt und nennt sich Zora. Als die Episode damals veröffentlicht wurde, dachte man, dass diese Folge eigentlich im 33. Jahrhundert spielen müsste. Doch wenn man sich überlegt, dass die Crew der Discovery in der kommenden Folge evakuiert werden sollte und dass die Borg eigentlich erst vor knapp 1000 Jahren entstanden sein sollte, könnte die Calypso-Folge doch an einem anderen Zeitpunkt spielen als ursprünglich gedacht, nämlich im 23. Jahrhundert. Wenn die Discovery 1000 Jahre in die Vergangenheit geschleudert werden würde, würde sie vermutlich verlassen im Weltraum treiben und Zora könnte dabei eine Persönlichkeit für die Sphären-Datenbank sein, die sich noch aktuell im Computer der Discovery befindet.

 

Ihr seht also, die Borg-Theorie hat auch uns „assimiliert“ und wir versuchen die Zeichen zu deuten, die man derzeit bei Control findet. Zum Beispiel, dass die Nanosonden einen sehr grünlichen Touch haben (wie auch bei den Borg). Oder dass Control Leland mit dem Spruch „Struggle is pointless“ assimiliert (was verdammt nah dran an „Resistance is futile“ liegt, also dem Standardspruch der Borg „Widerstand ist zwecklos“). Oder dass Control Nanosonden Menschen injiziert, um sie zu „übernehmen“.

 

Wir befinden uns derzeit kurz vor einem fulminanten Finale bei Star Trek: Discovery und es würde die meisten Fans der Serie eigentlich eher verwirren, wenn Control NICHT zu einer Frühform der Borg führen würde. Angesichts der Tatsache, dass bisherige Folgen stellenweise aus der Memory Alpha quasi zitiert haben oder sehr nah dran waren an alten Episoden aus TOS-Zeiten, wird die Wahrscheinlichkeit dafür aber von Folge zu Folge geringer.