Am späten Donnerstag Abend deutscher Zeit fand bei der Walt Disney Company ein Investorentag statt. Investoren aus der ganzen Welt sind eingeladen worden, um eine knapp zweieinhalbstündige Präsentation zu erleben, wie die Zukunft des Disney Konzerns nach dem großen Aufsaugen der Fox-Studios auszusehen hat. Vieles davon war bereits bekannt, einiges war aber auch neu… und einiges war uns bisher auch gar nicht bewusst gewesen.

 

Aber fangen wir bei dem Fox Disney Deal an. Neben dem Aufsaugen von FX, Fox Searchlight Pictures und 20th Century Fox sind auch 30% Anteile von Fox an hulu an Disney übergegangen. Damit erhielt Disney eine 60% Majorität an dem amerikanischen Streamingdienst. Zu dem Paket gehörten aber auch die bekannte Marke National Geographic und der indische Streamingdienst hotstar. Dieser ist innerhalb des vergangenen Jahres von 75 Millionen indischen Usern auf knapp 300 Mio. User angestiegen.

 

Die Zukunft Disneys ist also digital und basiert auf mehreren Streaming-Pfeilern. Der neue Streamingdienst Disney+ soll rein auf Familien, hulu stärker auf Erwachsenenunterhaltung und ESPN+ für Sportfans in den USA ausgerichtet sein. Disney+ soll dabei eine globale Marke werden und soll innerhalb der ersten beiden Jahre nach dem Start in den meisten Märkten weltweit gestartet werden. Starten soll der Streamingdienst in den USA am 12. November 2019. Dabei will Disney bis zum Ende des ersten Quartals des Fiskaljahres 2020 (Vorsicht: Das Fiskaljahr beginnt in der Regel immer zum April eines Jahres!) Nordamerika abdecken, Westeuropa bis Q2 des Fiskaljahres 2020. Im Fiskaljahr 2021 sollen dann nach und nach Osteuropäische Staaten, sowie Latein-Amerika versorgt werden. Im asiatischen Raum wird Disney+ ebenfalls bis zum Ende des Fiskaljahres 2021 ausgebaut, dort wird aber auch hotstar eine große Rolle spielen in den Plänen Disneys. Beim Ausbau wird in den einzelnen Märkten darauf geachtet, dass die große Content-Bibliothek auch wirklich verwendet werden darf. Disney muss hier stellenweise aufpassen, wer welche Anteile an den einzelnen Rechten besitzt. Ein Beispiel aus der Vergangenheit: George Lucas verkaufte damals die Rechte an dem originalen Star Wars Film an die 20th Century Fox, behielt bei den Verhandlungen der Fortsetzungen die Rechte an eben diesen Filmen, sowie das Merchandising. Als er die Marke dann an Disney verkaufte, war in diesem Paket jeder Film der Star Wars Reihe ausser eben besagte Episode IV. Bei den diversen Star Wars Boxen, die seitdem veröffentlicht wurden, musste man also die Rechte an Episode IV lizensieren, um die komplette Reihe als Gesamtbox verkaufen zu können. Als dann vor ein paar Jahren alle Star Wars Filme auf Netflix erschienen, war auch hier jeder Film der Reihe bis auf Episode IV zu sehen. Hier hatte Disney Netflix die Filme lizensiert, konnte dies aber nicht auch für Episode IV tun. Disney hatte bisher also die Filme an andere Streamingplattformen für eine bestimmte Zeit lizensiert. Um diese Filme exklusiv bei Disney+ zeigen zu können, müssen diese Lizenzrechte erst auslaufen. Dies soll innerhalb der kommenden vier Jahre spätestens erfolgen. Wenn der Ausbauplan für Europa also Bestand haben sollte, könnte man also mit einem Start von Disney+ in Deutschland bis spätestens Ende Sommer 2020 rechnen. Vielleicht aber auch schon am Ende 2019. Hier blieb die Präsentation leider etwas offen. Die Plattform selbst soll via App über viele Plattformen verfügbar sein, soll 4K HDR Material anbieten können und soll auch gänzlich ohne Werbung auskommen.

 

Bei hulu wird derzeit auch überprüft, inwieweit die Rechtelage der Mitteilhaber Warner Media (10%) und Comcast/Universal/NBC (30%) einen internationalen Start be- oder verhindern könnte. Hier will, bzw. muss Disney mit den Konkurrenten eine gemeinsame Marktstrategie ausarbeiten. Dies könnte allerdings auch vereinfacht werden, wenn Disney Anteile abkaufen würde, so gab es vor einigen Monaten bereits Gerüchte über Gespräche zwischen Disney und Warner Media um den Verbleib der 10% Anteile an hulu.

 

Aber kommen wir zu den Inhalten von Disney+. Die Marke Disney ist eine der wichtigsten Marken der Welt, die sowohl bei jung und alt, männlich oder weiblich gut ankommt. Ebenso Pixar, Marvel, Star Wars oder National Geographics. Ziel ist es also, dass diese Marken eine gemeinsame Plattform erhalten sollen. Bereits zu Beginn des Streaming-Dienstes sollen mehrere Dutzende von klassischen Zeichentrickfilmen wie Pinocchio, Das Dschungelbuch, Bambi oder König der Löwen verfügbar sein, die dann nach und nach bis zum Ende des Jahres 2020 aufgefüllt sein sollen. Nach der Kino- und Zweitauswertung auf DVDs und Blu-Rays sollen dann auch brandneue Filme wie Frozen II, das gegen Ende 2019 im Kino anlaufen wird, auf dem Streamingdienst exklusiv zu sehen sein. Das gleiche gilt für die komplette Pixar Bibliothek (inklusive Kurzfilme), Marvel-Filme, Star Wars-Filme und die Walt Disney Pictures Studios. Bis zum Ende 2020 sollen dann auch hier die neuen Filme wie Avengers: Endgame, Star Wars: The Rise of Skywalker, oder der neue Live-Action Lion King verfügbar sein.

 

Wie man es schon öfters vorher gehört hatte, wird es auch eigens produzierte Serien geben. Disney plant hier im ersten Jahr bis zu eine Milliarde US-Dollar zu investieren, bis zum Fiskaljahr 2024 sollen es bis zu 2 Milliarden US-Dollar werden, von denen man sich erhofft, dass sie sich bis zu dem Zeitpunkt bereits amortisiert hätten. Bis 2024 schätzt Disney soll der neue Streaming-Service ein Verlustgeschäft sein und soll erst ab 2024 in die Profitzone rutschen.

 

Frühere Gerüchte deuteten darauf hin, dass für Premien-Serien wie The Mandalorian bis zu 100 Millionen US-$ ausgegeben werden könnten. The Mandalorian soll dann aber auch schon zum Start von Disney+ direkt verfügbar sein. Aus dem Star Wars Universum soll es dann im zweiten Jahr eine Spionage-Serie rund um Diego Luna’s Charakter Cassian Andor geben, bei der auch Alan Tudyk als K-2SO auftreten soll. Für jüngere Zuschauer gibt es dann „High School Musical: The Musical: The Series“, sowie „Diary of a Female President“. Marvel wird ebenfalls mehrere Serien dazusteuern: The Falcon and the Winter Soldier (mit Anthony Mackie und Sebastian Stan in den Hauptrollen), WandaVision (mit Elisabeth Olsen und Paul Bettany in den Hauptrollen), sowie Loki mit Tom Hiddleston. Diese Serien sollen im Verlauf 2020 und 2021 starten. Laut Marvel Studios Boss Kevin Feige sollen diese Serien nicht nur stark von den Filmen beeinflusst werden, sondern Ereignisse, die in diesen Serien passieren, sollen ihrerseits auch Einfluß auf kommende Filme haben. Irgendwo im Hintergrund höre ich schon, wie Agent Coulson anfängt zu weinen. Über eine mögliche Hawkeye Serie, zu der es in den vergangenen Tagen erste Gerüchte gegeben hatte, wurde nichts gesagt. In der Vergangenheit konnte bei Stillschweigen zu Veröffentlichungsthemen erahnen, dass noch nicht alle Details fertig ausgehandelt worden sind (z.B. gab es um das Casting von Benedict Cumberbatch als Doctor Strange bereits im Oktober 2014 bei der Vorstellung der Phase III die ersten Gerüchte, die man erst 2 Monate später offiziell machen konnte)

 

Auf der Animationsseite wird es auch mehrere Serien geben: Pixar steuert Forky Asks a Question und Lamp Life aus dem Toy Story Universum, sowie Monsters at Work aus dem Monsters Inc. Universum und die Kurzfilmreihe SparkShorts zu, Lucasfilm hat bereits im vergangenen Jahr eine weitere Staffel von The Clone Wars angekündigt und mit Marvel’s What If soll es eine Animationsserie geben, die entscheidende Momente des MCU nehmen soll um diese dann vollkommen auf den Kopf zu stellen. In der ersten Folge soll nach Angaben Kevin Feiges ein Szenario gezeigt werden, in der Peggy Carter das Supersoldatenserum erhalten soll und nicht Steve Rogers. Darüber hinaus sollen auch viele Dokus auf der Plattform zu sehen sein. Neben Making Ofs zu Frozen 2 soll es auch 2 Marvel Dokus geben (Marvel’s 616 und Marvel’s Hero Project), zahlreiche National Geographics Dokus, sowie „The World According to Jeff Goldblum“, die sich vom Namen her schon sehr sexy anhört. Im Verlauf des Jahres gibts es auch eigene neue Disney-Filme wie Lady & The Tramp (hierzulande auch besser bekannt als Susi und Strolch), das als Live-Action-Verfilmung daherkommt, der Weihnachtsfilm Noelle mit Anna Kendrick in der Hauptrolle, sowie The Phineas and Ferb Movie, Stargirl, Timmy Failure und Togo. Als kleinen Schock zum Abschluß gab es dann auch noch einen kleinen Einblender der Simpsons, die nun weltweit exklusiv auf Disney+ zu sehen sein werden. Innerhalb der ersten 5 Jahre soll es dann bei Disney+ über 50 neue Serien geben und mehreren hunderten an klassischen und neueren Kinofilmen. In den USA soll der Monatspreis bei $6.99 liegen, bei einem 12-Monatsabo $69.99. Elon Musk sollte sich eigentlich darüber ärgern, dass sein Tesla-Vorschlag mit einem Aktienwert von $420 von den Börsenanlegern zerhauen wurde, während die doppelte 69 in den Preisen für breite Gesichter gesorgt hat. (nice!)

Der Streaming-Markt wird also in Zukunft noch etwas versplitterter werden und es wird interessant sein, wie die großen Plattformen wie amazon Prime oder Netflix auf diese Breitseite reagieren wird. Wir haben nun eine Ahnung, in welche Richtung sich Disney+ auf dem Streamingmarkt ausbreiten wird. Spannender ist aber die Frage, inwieweit hulu und die indische Hotstar-Marke ausbreiten kann und inwieweit diese mit Material von Fox, bzw. lizensierten Filmen anderer Studios auskommen werden.