Friedhof der Kuscheltiere (2019)

Dr. Louis Creed, seine Frau Rachel und ihre beiden Kinder Gage und Ellie entfliehen der Großstadt für ein beschauliches Leben auf dem Land. Ganz in der Nähe ihres neuen Zuhauses und von dichtem Wald umgeben, befindet sich der unheimliche „Friedhof der Kuscheltiere“. Nach einem tragischen Zwischenfall bittet Louis seinen kauzigen Nachbarn Jud Crandall um Hilfe und löst damit ungewollt eine gefährliche Kettenreaktion aus, die etwas abgrundtief Böses freisetzt und das neu gewonnene Familienidyll bedroht. Schnell wird den Creeds klar, dass der Tod manchmal besser ist …

 

Cast & Crew

REGISSEUR

Kevin Kölsch, Dennis Widmyer

 

DREHBUCH

Stephen King (novel), Matt Greenberg (screen story by), Jeff Buhler (screenplay)

 

DARSTELLER

Jason Clarke
Amy Seimetz
John Lithgow
Jeté Laurence

Quelle: Paramount

 

Als 1989 der Original „Friedhof der Kuscheltiere“ erschien, sorgte dieser für Angst und Schrecken. Bei weitem kein guter Film und gespickt mit Overacting, konnte er aber mit angsteinflössenden Szenen und Bildern sowie einer enorm dichten Atmosphäre überzeugen. Nun, 30 jähre später, soll uns eine frische Vision erneut die Knie zum schlottern bringen. Hierbei stellt sich die Frage, konnte das Regie-Duo Kevin Kölsch und Dennis Widmyer eine ähnliche Atmosphäre schaffen oder wird hier wieder nur auf seelenlose Jumpscares gesetzt? Die Antwort auf diese Frage ist: Beides. Aber dazu später mehr. Anbei noch eine Spoilerwarnung! 

 

Stil und Ausrichtung

 

Zugegeben, die Stimmung im vorliegenden Remake trifft ziemlich gut die des Originals. Wir haben ein Landhaus, die Bundesstraße und den düsteren Wald. Grade bei Nachtaufnahmen weiß die Kamera zu überzeugen und lässt auch mal die Landschaft mit all dem Nebel wirken. Die erste Hälfte von „Friedhof der Kuscheltiere“ läuft auch beinahe 1:1 ab wie die des Originals. Dr. Creed fängt eine neue Stelle als Arzt an, die Kinder müssen sich in ihrer neuen Umgebung zurecht finden und Kater Church mischt ordentlich mit. Dieser stirbt eines Morgens und um seiner Tochter die Konfrontation mit dem Tod zu ersparen, begräbt Creed ihn auf besagtem Friedhof. Leider fällt  bereits in der ersten Hälfte auf, dass man sich sehr stark auf Jumpscares fokussiert hat. Also wie beliebig jeder andere größere Horrorfilm.

 

Vergleiche

 

Ich finde das schade, da man die wirklich starken Elemente des Originals quasi ignoriert. Zum einen hätten wir die Figur des Victor Pascow, dem Opfer aus der Schule. Er verkommt hier zum Mittel zum Zweck, um den nächsten Jumpscare einzuläuten. Im Original hingegen, ging stets ein gewisses Mysterium von ihm aus. Hier erscheint er ab und zu, erschreckt die Leute und zerstört somit die unheimliche Aura rund um diesen Charakter. Gleiches gilt für die Flashbacks zu Mrs. Creeds Schwester Zelda. Leute glaubt mir, diese Flashbacks haben mich als Jugendlichen wirklich fertig gemacht. Ich wurde regelrecht geprägt in Sachen Horrorfilm, so dass ich erst Jahre später wieder diesen Film gucken konnte. Jetzt ist auch Zelda ein beliebiges Monster, welches nur ein Ziel hat: Uns mit einem Jumpscares zu erschrecken. Sicher, die Geschichte rund um Rachel’s Vergangenheit wird aufgearbeitet, aber es bleibt wegen den missratenen Rückblenden stets eher oberflächlich. Ebenso fehlt die Zerrissenheit zwischen Rachel’s Familie und Dr. Creed. Alle wirkt irgendwie gewollt, aber nicht mit voller Überzeugung umgesetzt. Die Tiefe zu jenen Figuren fehlt einfach, so dass ein fader Beigeschmack übrig bleibt. Bei Genrekollege „Conjuring 2“, z.B. waren die Figuren exzellent ausgearbeitet, so dass die Erschreckmomente als Untermalung sehr gut gepasst haben.

 

Der Twist

 

Zur Mitte des Films gibt es einen Twist. Nicht Gage ist es der stirbt, sondern seine Schwester Ellie. Also doch noch frischer Wind für die Neuverfilmung? Grundsätzlich finde ich das eine gute Idee, so hat man sich eine gewisse Freiheit erzwungen. Nur leider unterscheidet sich das Folgende nicht viel von allem was so aktuell im Kino sieht. Ellie kehrt als Untote zurück, sorgt für den ein oder anderen spannenden Moment (welcher natürlich stets mit einem Jumpscre kaputt gemacht wird) und bringt letztlich alle ihre Familienmitglieder um, nur um diese ihrerseits zurück zu bringen, als Untote. Die Idee, dass am Ende alle ausgewechselt wurden und wir die wiedergekehrte Familie Creed vor uns haben, finde ich ganz nett, jedoch sehen keinerlei Konsequenzen. Also das „wie geht es jetzt weiter“? In einem möglichen zweiten Teil dürfte das doch reichlich merkwürdig sein.

 

                    

Darsteller

 

Hier kann ich das meiste Positive sagen. Jason Clarke gehört nicht zu meinen Lieblingsdarstellern, hier zeigt er jedoch dass er es kann. Ganz starke Performance grade ab Mitte des Films, als der Wahnsinn ihn befällt. Amy Seimetz ist solide, leider bleibt ihre Figur im Vergleich zu „alten“ Rachel etwas sehr blass. Das liegt wohl ich der völlig versauten Hintergundgeschichte. Die Kinderdarsteller Jete Laurence und Hugo und Lucas Lavoie (Beide Gage)machen ihre Sache ordentlich, Jete Laurence als „böse“ Ellie ist in der Tat zum fürchten. Sie gehört auch zum positiven Teil dieses Remakes. John Lithgow als Judd erreicht nicht ganz die Klasse des „Herman Munster“ Fred Gwynn, aber auch er macht seine Sache stark.

 

Handwerk

 

Auch hier hier gibt’s nichts zu meckern. Die blutigen Effekte sind astrein, das Make-Up, grade bei der wiedergekehrten Ellie ist klasse und auch Victor Pascow sieht wirklich furchteinflößend aus. Die Kamera bleibt weitestgehend schrecklich unkreativ. Wo sind die Kamerafahrten? Warum nicht mal aus einem unmöglichen Winkel filmen?  Es gibt wie oben kurz erwähnt die ein oder andere ruhige Stelle, wo wir den dunklen Wald oder die Landschaft genießen können, jedoch wird hier kein Risiko eingegangen. Der Schnitt ist ok, auch hier keine Überraschungen. Auch der Soundtrack macht was er soll, er untermalt. Er bleibt aber nicht im Ohr oder ist irgendwann einmal wirklich außergewöhnlich. An der ganzen Inszenierung hätte man sich eher an ruhigen Zombiefilmen halten dürfen. Auch die „Walking Dead“ Episode „Geflüster“ aus Staffel 9 hat gezeigt, wie des geht. So will nur stellenweise drückende Stimmung aufkommen, das reicht meiner Meinung nach für die ganze Laufzeit leider nicht aus.

 

Fazit

 

Als ich beim Schreiben den Film vor dem geistigen Auge noch einmal sah, kam immer mehr das Gefühl auf, dass „Friedhof der Kuscheltiere“ leider nichts weiter ist als ein Film unter Vielen. Sicher, er hat einige starke Momente, aber als Ganzes gesehen bleibt zu wenig hängen. Wenn man etwas mehr Wert auf die düstere Stimmung und Atmosphäre gelegt hätte, als darauf den Zuschauer oft zu erschrecken, dann hätte es etwas werden können. Es bleibt das Gefühl, als wollte man unter der Flagge Stephen King’s schnell Kohle machen. Diese Remake wird, wie schon „The Fog“ oder „The Ring“ keine große Bedeutung im laufe der nächsten Jahre einnehmen.

 

Meinung

Für Wen ist der „Friedhof der Kuscheltiere“ also? Sicher werden Einsteiger oder Gelegenheitsgucker ihren Spaß haben. Aber echte Horrorfans wird er wohl kaum aus dem Sessel fetzen. So wie es jetzt ist, habe ich keinen Grund dieses Remake dem Original vorzuziehen. Er ist, wie viellicht sogar beabsichtigt, leider nur lauer Durchschnitt. Schade, ich wollte ihn wirklich mögen.

5/10 Punkte.