Seit dem 31.Mai 2019 ist es endlich soweit: „Good Omens“ hat den Weg in die heimischen Wohnzimmer gefunden. Es ist die Adaption des Romans „Ein gutes Omen. Die freundlichen und zutreffenden Prophezeiungen der Hexe Agnes Spinner“, welcher aus einer Kollaboration Terry Pratchetts („Discworld“) und Neil Gaimans („American Gods“) entstand.

Dämon Crowley und Erzengel Aziraphael in Good Omens

©Amazon Prime Video

„Ein gutes Omen“ handelt vom Dämonen Crowley (benannt nach dem britischen Okkultisten Aleister Crowley) und dessen himmlischen Konterpart, den Engel Erziraphael die entgegen der ihnen vorgesehenen Rollen die Apokalypse verhindern wollen. Um diese verhindern zu können, müssen sie den Antichristen ausfindig machen. Dieser wird durch einen präpubertären Jungen verkörpert, der infolge einiger dummer Zufälle bei seiner Geburt vertauscht wurde, für die finale Schlacht zwischen Himmel und Hölle aber absolut vonnöten ist. Klingt bekloppt? Ist es auch!

 

Viele Jahre lang galt der Stoff aufgrund seiner Schreibweise und des überbordenden Gebrauchs von Fußnoten als unverfilmbar. Aber das galt für „Watchmen“ und den „Herr der Ringe“-Zyklus ebenso. Bereits 2002 sollte Terry Gilliam („Brazil“,“12 Monkeys“) ein seit längerem kursierendes Drehbuch verfilmen. Johnny Depp und Robin Williams sollten die Hauptrollen übernehmen und hatten ihr Mitwirken bereits zugesagt. Im Endeffekt scheiterte es an einer Zusatzfinanzierung in Höhe von 15 Millionen USD. 2011 wurde eine Fernsehserie aus der Feder von Terry Jones (einem alten Kollegen Gilliams aus deren Zeit bei Monty Python) und Gavin Scott angekündigt, die über den Status der Ankündigung nicht hinaus kam.
Zu guter Letzt lag es also nun an Neil Gaiman selber „seinen“ Roman zu verfilmen, der es aber ohne seinen nun bereits verstorbenen Freund und Ko-Autor zunächst nicht wagte. Erst ein Brief aus Pratchetts Nachlass stimmte ihn um und er übernahm die Rolle des Showrunners und Executive Producers. Die Miniserie ist eine Koproduktion zwischen der BBC und den Amazon Studios und kommt somit als „Prime Original“ daher.
Und was soll ich sagen? Gott sei Dank, hat er es sich nochmal überlegt, denn die Adaption ist mehr als gelungen!

 

 

Der Dämon Crowley wird von niemand geringerem als David „Ex-Dr.Who“ Tennant verkörpert. Dieser spielt den Höllen-Diener kongenial als lässigen britischen „Lad“, dessen höllische

Michael Sheen und David Tennant in ihren Rollen in Good Omens

©Amazon Prime Video

Taten das Stören des Mobilfunk-Netzes im Großraum London sowie die Planung der berüchtigten Londoner Autobahn M25 umfassen. Er ist halt ein Dämon der neuen Schule, was seinen „Kollegen“ sichtlich widerstrebt.
Ihm gegenüber steht der Engel Erziraphael, verkörpert vom nicht minder bekannten Michael Sheen („Frost/Nixon“,“Masters of Sex“), der den himmlischen Boten ebenso genial auf den Bildschirm bringt. Sheen verkörpert ihn als frommen britischen Gentleman, dem ein über die eigenen Lippen kommendes „Nein“ bereits physische Schmerzen bereitet und den Freuden des Lebens nicht abgeneigt ist.
Ihre Wege kreuzen sich bereits beim Sündenfall und führen über die Renaissance bis in die heutige Zeit. Im Laufe der Zeit schustern die beiden sich immer mal wieder verschiedene Aufträge zu und helfen sich gegenseitig aus der Patsche. Ihre Dienstherren indes haben von dieser Allianz keinen Schimmer. Nun, da das Ende aller Tage bevorsteht sind sie gegenüber ihrer Bosse natürlich absolut loyal und hoffen auf einen Sieg ihrer jeweiligen Seite. Wenn da nur nicht das irdische Leben wäre, welches es den beiden über die Jahrtausende hinweg, sehr angetan hat. Wie langweilig wäre denn bitte die Ewigkeit ohne die Musik von Queen und eine vernünftige Tea-Time? Grauenvoll, isn´t it?

 

 

 

Der nun begonnene bizarr-fantastische und zutiefst britische Trip zur Verhinderung der Apokalypse hält sich sehr nah an die Vorlage und verliert zu keiner Zeit dessen britische Attitüde. Zudem lassen die Macher eine Off-Erzählerin am Anfang zu monty-python-esken Bildern wortgetreu Passagen des Buches vorlesen. Im Verlaufe der Serie kommt sie des Öfteren zu Wort und erklärt teils das eben Gesehene und beleuchtet dessen Hintergründe. Dank dieses Kniffs und der nahezu buchstäblich adaptierten Wahnwitz-Dialoge der beiden Haupt-Protagonisten fließt der Geist des Autoren-Duos Pratchett/Gaiman und deren Vorlage nahezu perfekt in die Bilder ein.

 

 

 

Jon Hamm als Gabriel in Good Omens

©Amazon Prime Video

Aber nicht nur das geniale Schauspiel des Duos Tennant/Sheen trägt zum Gelingen der Serie bei. Natürlich merkt man, dass die Handlung wie auch im Buch auf die beiden zugeschnitten ist. Auch die Nebendarsteller spielen absolut grandios. Da ist zu einem Jon Hamm, der den Erzengel Gabriel als eine Art himmlische Version seiner Rolle aus der Serie „Mad Men“ spielt. Seine nur auf sich bedachte, willkürliche, schleimige Art den Archetyp des Managers darzustellen, passt perfekt ins Gesamtbild. In der Liste der Darsteller finden sich allerdings noch weitere große Namen des Schauspiel-Business, wie etwa Frances McDormand und Benedict Cumberbatch. Allerdings sind die beiden nicht zu sehen, sondern leihen jeweils nur ihre Stimmen. Wessen Stimmen das sind, sei hier mal nicht verraten. Die Apokalyptischen Reiter, stilecht und zeitgemäß auf Motorrädern unterwegs und eine Hexe auf Nostradamus Spuren runden den ganzen Wahnsinn dann noch ab.

 

 

 

Die visuelle Umsetzung ist absolut gelungen, obwohl man sich grade bei der Darstellung des Himmels und der Hölle doch etwas mehr erhofft hatte. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Der Soundtrack ist vollgepackt mit alten und neuen Helden des Rock und Pop. So ist hier Queen und AC/DC, aber auch Arcade Fire nebst Franz Ferdinand zu hören.
Zum Abschluss noch ein gut gemeinter Rat: Schaut die Serie im Original! Die deutsche Synchronisation ist über jeden Zweifel erhaben, aber den unvergleichlichen Wortwitz des Originals kann man halt nicht synchronisieren.

 

„Good Omens“ist seit dem 31.05.2019 bei Amazon Prime Video frei verfügbar und umfasst 6 Folgen mit einer jeweiligen Länge von ca. einer Stunde.